Gesellschaft

Von der Kameradschaft angetan: Christian ist seit 60 Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv

Älterer Feuerwehrmann in Einsatzjacke mit Helm steht vor rotem Iveco-Feuerwehrfahrzeug im Gerätehaus.
Christian Petersen steht vor dem Tanklöschfahrzeug im Gerätehaus Lendemark. Seit sechs Jahrzehnten sorgt er für die Sicherheit von Bürgerinnen und Bürgern.

Es sucht seinesgleichen: Christian Petersen aus Bülderup-Bau trat vor 60 Jahren der Bülderup-Bauer Feuerwehr bei und ist mit seinen 78 Lenzen noch immer aktiv dabei. Der Jubilar möchte die Zeit und die Gemeinschaft in der örtlichen Wehr nicht missen – auch wenn es tragische Einsätze gegeben hat.

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Zusammenfassung

  • Christian Petersen ist seit 60 Jahren aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Bülderup-Bau.
  • Er erlebte den Wandel von Technik und Ausbildung und auch tragische Einsätze mit Todesopfern.
  • Trotz Nachwuchssorgen bleibt er optimistisch und möchte wegen der starken Kameradschaft weiter Dienst leisten.

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 „Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es dazu kam. Ich wurde wohl gefragt. Mein Vater war nicht in der Feuerwehr, dafür aber mein Onkel“, erzählt Christian Petersen im Gruppenraum des Feuerwehrgeräteraums in der Straße Lendemark in Bülderup-Bau (Bylderup-Bov). 

Der 78-Jährige hat ein seltenes Dienstjubiläum. Vor 60 Jahren trat er als 18-Jähriger der örtlichen Feuerwehr bei und ist immer noch aktives Mitglied.

Seit dem Bau des Lendemark-Traktes Anfang der 1970er geht der Bülderup-Bauer dort ein und aus. „Als ich anfing, lag die Station noch am Engvej“, erzählt der Jubilar.

Selbst viele Jahre Kapitän

19 Jahre lang war er Kapitän der Einheit. Er beerbte Anfang der 80er-Jahre seinen Onkel. Heute ist eine Frau Kapitänin. Das sei für ihn voll in Ordnung, sagt Petersen. Zeiten ändern sich, stellt er fest.

„Als ich eingetreten bin, gab es noch keine mehrtägige Feuerwehrausbildung, wie es heute der Fall ist. Man besuchte Kurse und wurde intern angelernt. Die technischen Voraussetzungen waren auch noch ganz anders. Die Geräte und Fahrzeuge waren längst nicht so ausgereift, und einen Tankwagen bekamen wir viel später“, erinnert sich der 78-Jährige an die Anfänge seiner Feuerwehrkarriere.

Älterer Feuerwehrmann steht im Geräteraum vor Schutzkleidung und Helmen.
Der Jubilar an seinem angestammten Garderobenplatz mit Einsatzkleidung

„In meinen ersten Jahren gab es viel mehr Brände, vor allem auf Höfen. Die Installationen und der Brandschutz waren nicht so ausgereift. Wir sind 30- bis 40-mal im Jahr zu Bränden ausgerückt, darunter sehr große. Mittlerweile rücken wir nur noch zu ungefähr 20 Einsätzen aus, wobei es meist wesentlich kleinere Feuer sind und die heutige Technik viel effektiver ist“, berichtet Petersen. 

Tragische Ereignisse

Schlimme Erlebnisse blieben nicht aus. „Es gab Brände, bei denen Menschen ums Leben kamen. Einmal sogar zwei Kinder. Das geht einem dann schon nah“, so Petersen mit betrübter Miene.

Bei solchen tragischen Ereignissen ist die Gemeinschaft und der Austausch mit den Feuerwehrkolleginnen und -kollegen wichtig. Das Miteinander schätzt Christian Petersen wie zur ersten Stunde. „Es gibt eine tolle Kameradschaft. Da hat sich nicht viel verändert.“ 

Dass der Feuerwehr über die Jahre auch Mitglieder der deutschen Minderheit angehörten, habe keinen Unterschied gemacht. „Es hat bei uns keine Rolle gespielt. Wir waren immer eine Einheit“, betont der Bülderup-Bauer.

Heute haben wir das Problem, dass viele Ortsansässige außerhalb arbeiten. Wenn werktags ein Alarm ertönt, sind wir manchmal knapp besetzt.

Christian Petersen

Kurz nach seinem Eintritt in die Feuerwehr gründete Christian Petersen im Ort eine Maschinenstation, die mittlerweile der Sohn führt, in der der Vater mit 78 Jahren aber immer noch mit reduzierter Stundenzahl arbeitet. 

Stets vor Ort

„Da die Firma im Ort liegt, war ich im Alarmfall ja immer schnell bei der Feuerwehrstation. Heute haben wir das Problem, dass viele Ortsansässige außerhalb arbeiten. Wenn werktags ein Alarm ertönt, sind wir manchmal knapp besetzt.“ Von den aktuell 22 aktiven Mitgliedern seien dann manchmal nur sechs verfügbar, so Petersen.

Er selbst hat dabei eine wichtige Rolle: Er ist einer der wenigen, die einen Lkw-Führerschein haben. „Ich fahre immer den Tankwagen.“

Älterer Feuerwehrmann sitzt in Uniform am Steuer eines Feuerwehrfahrzeugs.
Da er einen Lkw-Führerschein besitzt, fährt Christian Petersen bei Einsätzen oft den Tankwagen.

In früheren Zeiten lag die Zahl der aktiven Feuerwehrkräfte phasenweise bei weit über 30. Obwohl die Zahl auf 22 gesunken ist und viele Mitglieder außerhalb des Einzugsgebietes arbeiten, macht sich Christian Petersen noch keine Sorgen um das Fortbestehen. 

Daumen drücken für das Fortbestehen der Feuerwehr

„Ein paar mehr Leute würden uns gut zu Gesicht stehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass junge Leute nachrücken werden, zumal die Feuerwehr ja eine wichtige Funktion hat und es hier eine tolle Kameradschaft gibt“, so das Urgestein der Wehr.

Älterer Feuerwehrmann in Einsatzkleidung steht vor rotem Iveco-Feuerwehrauto vor dem Gerätehaus.
Christian Petersen möchte auch nach 60 Jahren als ehrenamtlicher Feuerwehrmann immer noch helfen und retten.

Petersens offizieller Jubiläumstermin war Anfang April. Gefeiert wurde aber schon davor: Im Gerätehaus ließen Feuerwehrkolleginnen und -kollegen den Jubilar kürzlich im Beisein der Familie hochleben.

Ein Ende als Feuerwehrmann ist noch nicht in Sicht. „Eine Weile möchte ich schon noch weitermachen. Ich habe mir gesagt, dass ich als Aktiver aufhöre, wenn ich auch in der Firma aufhöre. Wann es so weit ist, lasse ich aber noch offen“, sagt der Jubilar.