Gastronomie

100 Jahre und kein Ende: Wirtin des „Alten deutschen Grenzkrugs“ öffnet Kult-Gasthaus wieder

Frau hinter einem Tresen bedient ein Lottoterminal in einem kleinen Geschäft.
Hat die drei Monate Pause genossen: Silvia Brodersen. Jetzt ist sie aber froh, dass es wieder losgeht, zumindest einmal im Monat.

Ein Jahrhundert Familiengeschichte, dann die Schließung – doch der „Alte deutsche Grenzkrug“ in Rosenkranz ist nicht ganz verschwunden. Warum Silvia Brodersen nicht von ihrer Leidenschaft lassen kann.

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Zusammenfassung

  • Der „Alte deutsche Grenzkrug“ in Rosenkranz wurde nach der offiziellen Schließung 2025 als Kult-Gasthaus teilweise wiederbelebt.
  • Wirtin Silvia Brodersen öffnet nun etwa einmal im Monat für einen Tag und bietet eine stark verkleinerte Speisekarte mit Klassikern an.
  • Das Traditionslokal bleibt damit trotz eingestelltem Regelbetrieb ein beliebter Treffpunkt für deutsche und dänische Stammgäste.

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Das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen fiel fast mit der Schließung zusammen: Am 1. November 2025 wurde gefeiert, am nächsten Tag machte Silvia Brodersen den „Alten deutschen Grenzkrug“ in Rosenkranz (Rosenkrans), den schon ihre Großeltern betrieben hatten, endgültig zu. Endgültig? So ganz dann doch nicht. Nach drei Monaten Pause gibt es jetzt, einmal im Monat, in ihrem Restaurant direkt an der deutsch-dänischen Grenze wieder Putenkeule, Haxe, Pommes und Bratkartoffeln.

„Geschlossen“ steht auf dem Schild an der Straße. Vor der Eingangstür des Grenzkrugs eine Absperrkette. Aber ab halb fünf rollen Autos auf den Parkplatz in Rosenkranz, deutsche und dänische. Und dann kommt Silvia Brodersen und löst die Kette. „Nicht, dass die Leute glauben, wir hätten heute zu“, lacht sie.

Werbeschild von Flensburger Bier vor dem Landgasthof Alter Deutscher Grenzkrug
Offiziell geschlossen! Aber einmal im Monat eröffnet der Grenzkrug wieder seine Türen und vor allem seine Küche.

Bis auf Tisch 1, gegenüber dem Tresen, ist der Grenzkrug an diesem Abend ausgebucht. Das Telefon klingelt – jemand bestellt zwei Putenkeulen, Haxe, einmal Cordon bleu. Zum Abholen. Dann öffnet sich die Tür und Silvia Brodersen wechselt ganz selbstverständlich von Deutsch ins Dänische. Michael aus Tondern hat reserviert, für zwölf Personen: Die ganze Familie kommt, Töchter, Schwiegersöhne, zwei Enkelkinder, die Schwägerin. Sie feiern seinen 66. Geburtstag. „Eigentlich hat er am 29. Februar“, weiß Silvia Brodersen. Michaels Frau Heidi war schon als Kind mit ihren Eltern hier. Speisekarte? Brauchen sie nicht, sie essen immer die Spezialität des Hauses: „Putenkeule! So lecker“, finden sie und sind froh, dass der Grenzkrug nun doch nicht ganz geschlossen hat.

„Grenzkrug“ in Rosenkranz zieht Gäste aus Deutschland und Dänemark an

Und noch ein zweites Geburtstagskind feiert an diesem Abend, an diesem vertrauten Ort, mit Familie, Putenkeule und Pommes. Sie Dänin, er Deutscher, sie wohnen in Leck – eine typische Grenzland-Geschichte. Schon 1742 wird die Gaststätte erstmals erwähnt. 1920, nach der Volksabstimmung über den Grenzverlauf, steht fest: Rosenkranz ist jetzt halb deutsch, halb dänisch, der Krug liegt knapp auf deutscher Seite. „Stammgäste erzählten, man geht vorn in Deutschland rein und hinten in Dänemark raus. Das stimmt aber nicht“, so die 60-Jährige.

Mitarbeiterin hinter Tresen wickelt Kartenzahlung eines Kunden an Rezeption ab
Wer an diesem Tag keinen Platz kriegt, holt sich die Putenkeule eben nach Hause, wie Peter aus Risum-Lindholm. Und für den nächsten Tag gleich noch eine Haxe.

1925, fünf Jahre nach der Grenzziehung, hatten ihre Großeltern den Gasthof übernommen, 1969 ging er an ihre Eltern. Die hatten Anfang der 70er die Idee mit der inzwischen legendären Putenkeule. Ein Jahr später folgte die Haxe. Silvia Brodersen hilft im Restaurant, seit sie zwölf ist, und führt ab 1992 die Gaststätte zusammen mit Ehemann Oliver. Solange sie die Konzession hat, kann alles bleiben, wie es ist. Der nächste Besitzer müsste strengere Auflagen erfüllen: Brandschutz, Lüftung, Deckenhöhe – ohne die Außenansicht zu verändern. Nach 34 Jahren körperlicher Arbeit machen sich die Knochen bemerkbar. Im Herbst 2025 entscheidet sie: „Wir schließen!“ Nach 100 Jahren Familiengeschichte. Wer die Wirtin kennt, der ahnte allerdings: Da kommt noch was.

Servierkraft übergibt Teller mit warmem Essen an Gäste in einem rustikalen Lokal.
Michael aus Tondern feiert mit der ganzen Familie an vertrautem Ort und mit der traditionellen Putenkeule.

„Grenzkrug“ in Rosenkranz öffnet etwa alle vier Wochen

Stammgästen gegenüber hatte sie schon angedeutet: In ganz kleiner Form, ohne Personal, könnte der Grenzkrug doch noch mal wieder öffnen. Und Beerdigungskaffees und Bustouren, die sollte es ohnehin weiter geben. Drei Monate macht sie Pause. „Hat gutgetan“, meint Silvia Brodersen. Es bleibtdabei: Der reguläre Betrieb ist eingestellt. Aber ab Februar kehrt das gastronomische Leben für einen Tag zurück in den Grenzkrug. „Ich wollte eigentlich nur die drei Tische in der Schenkstube besetzen. Und dann kamen 45 Leute“, erinnert sie sich an den ersten Öffnungstag.

Efeubewachsenes Reetdachhaus mit Restaurant und blau-weißer Eingangstür
Offiziell geschlossen! Aber einmal im Monat eröffnet der Grenzkrug wieder seine Türen und vor allem seine Küche.

Im März ist es ähnlich – glückliche Gäste, glückliche Wirtin. Tisch 1 wurde natürlich auch noch besetzt, spontan. Sie hat die Karte verkleinert: „Nur Pute, Haxe, Hähnchen, Schnitzel“, erklärt Silvia Brodersen. Etwa alle vier Wochen will sie ihren „Alten deutschen Grenzkrug“ öffnen – immer für einen Tag. Der April-Termin wackelt noch, „mal sehen“, sagt sie.