Porträt

A. P. Hansens Wunsch: „Ich will meinen Nekrolog vorab selbst lesen können“

A. P. Hansen war und ist immer noch ein Mann, der kleine und große Träume realisiert.

Der frühere Sonderburger Bürgermeister A. P. Hansen hat vor Jahren vorgeschlagen, seinen Nekrolog schon vor dem letzten Atemzug lesen zu können. „Der Nordschleswiger“ hat ihn zu Hause in „Bøgely“ besucht, um diesen Wunsch zu erfüllen. Ein Treffen mit einem Mann, der neugierig ist auf seinen Nekrolog. 

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Zusammenfassung

  • Der frühere Sonderburger Bürgermeister A. P. Hansen lässt zu Lebzeiten einen Nekrolog über sich verfassen, um sein Lebenswerk bewusst zu reflektieren.
  • Der 95-Jährige lebt aktiv und umgeben von Kunst, Familie und Natur in seinem Haus am Alsensund und plant, 100 Jahre alt zu werden.
  • In Erinnerung bleiben möchte Hansen vor allem als nützlicher Unternehmer und Kommunalpolitiker, der eine erfolgreiche Firma gründete und Sonderburg mitgestaltete.

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Bei Todesfällen werfen Journalistinnen und Journalisten einen Blick zurück auf ein Lebenswerk. Ein Nekrolog beschreibt eine bestimmte Person: Was hat sie oder er ausgerichtet und geschaffen? Was war ihr oder ihm wichtig und für welche Dinge schlug das Herz?

So wird es auch einmal bei dem früheren Bürgermeister in Sonderburg (Sønderborg), A. P. Hansen, sein. Aber der Ingenieur, Direktor und Venstre-Politiker hat trotz – oder vielleicht gerade wegen – seiner mittlerweile 95 ereignisreichen Lebensjahre immer noch Träume und Wünsche.

Vorschlag am Küchentisch

Vor einigen Jahren schlug er in der Redaktion des „Nordschleswigers“ sitzend vor, dass er gern seinen eigenen Nekrolog lesen würde. 

Dieser Wunsch ging nun in Erfüllung. In seinem Zuhause am Esstisch des früheren Fährwirtshauses „Bøgely“ sitzend, erklärt er der Journalistin bei einer Tasse Kaffee, wofür er brennt, was ihm auf dem Herzen liegt und was er sich wünscht. Und weil es ein Nekrolog ist: Für was der Venstre-Politiker in Erinnerung bleiben möchte.

Wenn die anderen darüber reden, dass sie einsam sind – dafür habe ich gar keine Zeit

A. P. Hansen

„Man schreibt ja nie einen Nekrolog für eine lebende Person. Erst, wenn sie schon in einer Holzkiste liegt. Aber dann hat man ja nichts davon“, meint er kopfschüttelnd. Die dänische Schauspielerin Liva Weel bat einst ebenfalls einen Journalisten darum, ihren eigenen, bereits fertigen Nekrolog lesen zu dürfen. Dieser Wunsch wurde erfüllt. Ihr Kommentar: War ich wirklich so gut? „Für sie wurde es eine andere Art des Todes, weil sie ihren Nekrolog lesen durfte“, so A. P. Hansen.

A. P. Hansen musste im Juni 2023 Abschied von seiner Frau Ester nehmen, wohnt aber wie eh und je etwas weiter ab von Kaufmann, Stadt und Nachbarinnen und Nachbarn im dreistöckigen Haus bei Sandberg (Sandbjerg) direkt am Alsensund (Alssund).

A. P. Hansen und seine verstorbene Frau Ester wohnten jahrzehntelang in „Bøgely", was direkt am Wasser liegt.

 „Ich bin sowas von verwöhnt. Meine Tochter Kirsten kommt jeden Tag, und sie schaut, ob ich noch lebe. Sie serviert mir Frühstück und staubsaugt“, meint er augenzwinkernd. Montags, mittwochs und freitags isst er bei den verschiedenen Kindern. „Wenn die anderen darüber reden, dass sie einsam sind – dafür habe ich gar keine Zeit“, so A. P. Hansen gutgelaunt.

Auto fährt er immer noch selbst. Vor Kurzem war er in seinem Citroën in Slagelse. „Wie kamst du denn hierher?, wurde ich gefragt. Ich bin doch selbst gefahren, antwortete ich. Wie sollte ich denn sonst nach Slagelse kommen? Ich fahre ausgezeichnet Auto, und ich bin weder verkalkt, dement oder irgendetwas anderes“, so Hansen.

Er liebt die Kunst

Dass sein Herz für Kunst schlägt, ist in seinem Heim unübersehbar. An sämtlichen Wänden hängen sehr viele Kunstwerke neben- und untereinander. Mit alt und modern ist sein Zuhause ein ganz besonderer Ort. „In der Kunst siehst du die Kreativität der Menschen. Es ist unglaublich, wie es in der Welt brodelt – von kreativen und nicht so kreativen Arbeiten.“ A. P. Hansen kauft das, was ihm gefällt.

CV A.P. Hansen

  • 23.8.1930 Geburt von Arne Peder Kristian Hansen als Ältester von zwei Söhnen auf einem Hof in Stenstrup bei Næstved
  • 1947-1951 Lehrzeit als Kleinschmied und Technikum-Ingenieur in Næstved
  • 8.8.1955: Heirat mit der Krankenschwester Ester Lolk Pallesen (+ 2023) aus Thorstrup bei Varde
  • Kinder: Peter, Kirsten, Jens und Mette, 13 Enkel und 10 Urenkel
  • 1958 Umzug von Sæby bei Aarhus nach Sonderburg
  • 1961 Das Unternehmen Cormall in Rackebüll gegründet – Direktor bis 1987
  • Mitglied und Vorsitzender beim Sonderburger Handelsstandsverein, „Sønderjyllands Maskinfabrik", „Sønderjyllands Højspændingsværk" und „Danske Landbrugsmaskinfabrikanter"
  • 1997 Ritter des Dannebrog
  • 1998-2006 Venstre-Bürgermeister Kommune Sonderburg
  • Große Projekte in der Kunstwelt: Wissens- und Kulturzentrum Alsion und Skulpturenpark im Augustenburger Schlosspark

Jeder Mensch hat Schubladen, wo man etwas ganz Privates versteckt. Oder sie verstecken andere Dinge. Dabei sind ein paar spannende Arbeiten entstanden.

A. P. Hansen

Er selbst ist ebenfalls ideenreich. So ließ er einen alten Schreibtisch in ein Kunstprojekt verwandeln. Er schenkte einigen Künstlern eine Schublade und fragte sie, was sie in ihren Schubladen verstecken würden. Mit ihren Antworten schufen die von Hansen Angefragten ein Kunstwerk – mit Schublade.

„Jeder Mensch hat Schubladen, wo man etwas ganz Privates versteckt. Oder sie verstecken andere Dinge. Dabei sind ein paar spannende Arbeiten entstanden“, so A. P. Hansen. So kam er zu acht sehr spannenden und sehr persönlichen Gemälden.

Lillian Markussens Werk - mittendrin ein Zaunkönig

Das eine Werk fasziniert ihn besonders. Es ist Lillian Martinussens Gemälde, mittendrin sitzt ein Zaunkönig. Dieser kleine, sehr aufgeweckte Vogel war am frühen Morgen ins Schlafzimmer der Künstlerin in Aarösund (Aarøsund) geflogen und hatte sich auf die Nase ihres Gatten gesetzt.

Alles begann mit dem Tisch von Christian II.

Die vielen Kunstprojekte in Sonderburg begannen bei A. P. Hansen mit dem schweren Tisch des Königs Christian II. Der König hatte einer Geschichte zufolge mit dem Finger eine Rille an den Tischrand gedrückt, weil er sich als Gefangener im Sonderburger Schloss langweilte. 

Diesen Tisch hat es nie gegeben. Aber viele fragen nach gerade diesem runden Tisch. So einer muss unbedingt hierher, fand der Bürgermeister. Ein Künstler in Odense übernahm den Auftrag.

Ich würde gern 100 Jahre alt werden. Denn ich hab’ noch so viel Whisky stehen...

A. P. Hansen

Um das Objekt noch etwas spannender und dekorativer zu gestalten, wurde der Tisch mit einem fast leeren Teller und Besteck versehen. Der König hatte an dem Tag einen Butt verspeist, so die Botschaft. 

Die Reste von der verspeisten Flunder auf dem Teller mit Messer und Gabel. Diese Gabel hat die Geschichtsexperten auf die Barrikaden gebracht.

„Aber dafür habe ich sehr viel Kloppe erhalten. Christian II. (1481-1559) lebte um 1530. Aber Gabeln wurden erst später erfunden. Diese gab es erst Ende des Jahrhunderts“, so A. P. Hansen. „Das ist also Fake News“, kommt es augenzwinkernd von ihm.

Sein nächstes Ziel: der 100. Geburtstag

Er liebt die Natur, füttert ein paar Katzen hinter dem Haus und investiert jedes Jahr 6.000 bis 7.000 Kronen in das Vogelfutter, das er in das Häuschen vor seinen Stubenfenstern streut. Dort kämpfen Spatz, Grünfink, Dompfaff, Stieglitz, Spechtmeise – einmal sogar ein Seidenschwanz – um die Sonnenblumenkerne. Der Futterplatz wird zum großen Vergnügen des früheren Bürgermeisters von vielen hungrigen Stammgästen angesteuert.

A. P. Hansen neben dem Häuschen, wo viele verschiedene Vogelarten sich etwas Futter holen.

Der 95-jährige A. P. Hansen weiß, dass die meisten Menschen glücklicherweise nicht wissen, wann es für sie zu Ende geht. „Man weiß ja nie, was in einem schlummert“, meint er und lächelt abgeklärt. Er ist 95 Jahre alt, hat aber dennoch einen Plan: „Ich würde gern 100 Jahre alt werden. Denn ich hab’ noch so viel Whisky stehen...“

Der letzte Wunsch des Bürgermeisters

Wofür soll man dich in Erinnerung behalten?, so die Frage der Journalistin.

„Dass ich etwas Nützliches geschaffen habe. Eine Firma gegründet, die ja nun sehr erfolgreich ist. Wir sind voll ausgebucht mit Aufträgen, dass wir es fast nicht bewältigen können. Wir haben eine Maschinenfabrik in der Ukraine, die voll bemannt fährt und von meinem Enkel geleitet wird“, so A. P. Hansen.

Und dann ist da noch ein wichtiges Ding: Er wünscht sich, dass er Sonderburg ein wenig besser gemacht hat.

In Kürze wird er ihn dann auch selbst lesen können: den Nekrolog, der natürlich erst veröffentlicht wird, wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilt. 

"Bøgely" mit dem Bootssteg, wo 1852-1934 die Fähre anlegte. Sie verband einst Apenrade, Sonderburg und verschiedene kleinere Ortschaften am Wasser, bevor die Autos den Transport übernahmen.