Wort zum Sonntag

Bauklötze bauen und staunen

Ein schlichtes Holzkreuz ragt vor einem strahlend blauen Himmel mit lockeren Wolkenformationen in die Höhe.
„Der Nordschleswiger“ veröffentlicht jedes Wochenende ein Wort zum Sonntag.

Ostergeschichte: Kinder erschaffen Jerusalem und Emmaus aus Bausteinen. Pastor Matthias Alpen beschreibt in seinem Wort zum Sonntag, welche Bedeutung diese Erzählung hat.

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Wort zum Sonntag

Mit dem Wort zum Sonntag richten sich im Wechsel die Pastorinnen und Pastoren der Nordschleswigschen Gemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, der deutschsprachigen Gemeindeteile der dänischen Volkskirche und der deutschsprachigen Gemeinde in Kopenhagen an die Leserinnen und Leser des „Nordschleswigers“. Es stellt keine Stellungnahme der Redaktion dar.

Warum man eigentlich Bauklötze staunen kann, ist von der deutschen Sprache her etwas rätselhaft. Dass man aber (mit) Bauklötzen bauen kann, haben die Kinder im Kindergarten Lügumkloster gezeigt, als sie die beiden Städte Jerusalem und Emmaus aus bunten Bausteinen entstehen ließen.

Die Geschichte dazu erzählt von zwei Männern, die nämlich diesen Weg gingen, von Jerusalem nach Emmaus. Und vielleicht wussten die zwei gar nicht so recht, wo sie sich befanden, auch wenn sie das Ziel wussten, nämlich das ca. 15 km entfernte Dorf Emmaus. „Bloß irgendwie weg“, aus der Stadt, in der ihr Freund Jesus gerade einen furchtbaren Tod gestorben war. Und so bemerkten sie, tränenblind wie sie waren, auch kaum, dass sich ein dritter Wanderer zu ihnen gesellte, zuhörte und auch erzählte. Ja, wie gut es tun kann, wenn du bei einem Menschen deine Sorge und Angst loswerden kannst und dann das Gefühl hast, dass er dich irgendwie versteht und auch zuhören kann.

Sie kommen dann in Emmaus an und bitten den Wanderer, nicht gleich weiterzuziehen: „Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.“ Dann, als sie das Brot mit ihm teilten, staunten sie mit einem Mal Bauklötze, denn sie begriffen, dass es Jesus selber war. Und weil man oft in Nachhinein klüger ist, bemerkten sie erst dann, dass sie schon auf der Wanderung so ein Gefühl dafür hatten, dass ihr Reisegefährte ihnen gut tat: „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“

Im Ostergottesdienst in der Klosterkirche singen sie Schülerinnen und Schüler der deutschen Schule: „Du verwandelst meine Trauer in Freude … Guter Gott, du verwandelst mich.“ Sicher, wir kommen nicht umhin, in Trauer und Angst gefangen zu sein. Doch Ostern erzählt, dass der Tod niemals das letzte Wort hat.

Die beiden Emmausjünger kehrten dann wieder um, um den Freunden zu berichten, dass Jesus lebt und auferstanden war, doch die wussten das längst.

Danke an die Kindergartenkinder, die als kleine Architekten halfen, diese wunderbare Ostergeschichte in Bauklötzen nachzubauen!

Pastor Matthias Alpen, Lügumkloster