Grenzüberschreitendes

Süddänemark schafft Chefposten für Deutschland-Ziele: Laut SP eine „notwendige Neuausrichtung”

Zwei Personen-Silhouetten vor Region-Syddanmark-Gebäude mit Fragezeichen-Schild.
Die Region Süddänemark will mehr Fokus auf grenzüberschreitende Zusammenarbeit legen und sucht dafür eine neue Führungskraft.

Initiative: Die Region Süddänemark will mit einem neuen Chefposten eine Stärkung der grenzüberschreitenden Kooperationen erreichen. Die neue Beraterin oder der neue Berater soll politische Ziele umsetzen. Wie Minderheit und Politik im Grenzland darauf reagieren und welche Strategien und Projekte im Fokus stehen.

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Zusammenfassung

  • Die Region Süddänemark richtet eine neue Chefstelle ein, um die deutsch-dänische Zusammenarbeit strategisch zu koordinieren.
  • Politik und Minderheitenverbände werten dies als wichtiges Signal und notwendige Neuausrichtung mit klaren Zuständigkeiten.
  • Von der neuen Struktur erhoffen sich alle Beteiligten mehr Tempo, konkrete Projekte und den Abbau bestehender Grenzbarrieren.

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„Es ist aus meiner Sicht ein klares Bekenntnis der Region zur Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, das mich sehr freut“, sagt der Dänemark-Beauftragte der schleswig-holsteinischen Landesregierung, Johannes Callsen, zu der Tatsache, dass die Region Süddänemark jetzt einen neuen Chefposten ausgeschrieben hat – mit der Aufgabe, die deutsch-dänische Zusammenarbeit zu koordinieren.

Bis spätestens Juni soll die Stelle einer leitenden Beraterin oder eines Beraters mit Führungsaufgaben und Personalverantwortung besetzt werden.  Das geht aus einer entsprechenden Stellenausschreibung hervor

Zu den künftigen Aufgaben der „Chefkonsulentin“ oder des „Chefkonsulenten“ gehört es, die politischen Ziele der dänisch-deutschen Zusammenarbeit umzusetzen. Dies soll gemeinsam mit dem Team, dem Rest der Organisation und den Akteurinnen und Akteuren im Grenzgebiet geschehen.

Gemeinsam mit dem Team soll der neue Berater eine Strategie für die deutsch-dänische Zusammenarbeit erarbeiten, über die der Regionalrat (Regionsråd) zu entscheiden hat. Auch die Vorbereitung der Programmplanung und die Teilnahme am kommenden Interreg 7A stehen auf der Agenda. 

Das ist eine echte Stärkung, um in den konkreten Themen der Zusammenarbeit einen ,direkten Draht' zu haben, und ein wichtiges Signal, dass wir diese gute Zusammenarbeit auch in Zukunft fortsetzen.

Johannes Callsen

Weitere Themengebiete, um die sich das Team kümmern wird, sind die Umsetzung der politischen Ziele im Bereich der grenzüberschreitenden kulturellen Zusammenarbeit, einschließlich eines möglichen deutsch-dänischen Kulturfestivals.

Akteurinnen und Akteure sowie Entscheidungstragende im Grenzgebiet sollen von dem Team unter der Leitung des neuen Beraters unterstützt werden. 

Auch aus Sicht der Schleswigschen Partei ist die Initiative „interessant und letztlich auch notwendig“, wolle man es mit der Zusammenarbeit ernst nehmen. Parteisekretärin Ruth Candussi erhofft sich viel von dieser neuen Position. Sie sagt: „Es ist sehr begrüßenswert, dass die Region Süddänemark diese Prioritäten setzt und ein solch handlungsorientiertes Team zusammenstellt und schließlich ja auch die erforderliche Finanzierung ermöglicht. Ich sehe diese Initiative auch als notwendigen Ablöser und Neuausrichtung der bisherigen Udviklingsalliancen – die letztlich ein wohlbehütetes Geheimnis blieb und wenig erreicht hat.“

Ruth Candussi

Austausch mit Akteurinnen und Akteuren im Grenzland

Die neue Beraterin oder der neue Berater wird künftig im engen Austausch mit vielen Beteiligten stehen. Das deutsch-dänische Team mit zunächst drei Mitarbeitenden soll nicht nur fachlich geleitet werden. Aufgrund der Größe des Teams wird die Person auch Aufgaben übernehmen und selbst erledigen. 

Ich sehe diese Initiative auch als notwendigen Ablöser und Neuausrichtung der bisherigen Udviklingsalliancen – die letztlich ein wohlbehütetes Geheimnis blieb und wenig erreicht hat.

Ruth Candussi

Dabei wird auch mit anderen Teams in den Bereichen Mobilität, Bildung und dänisch-deutsche Zusammenarbeit sowie mit Politikerinnen und Politikern in der Region und Kooperationspartnern nördlich und südlich der Grenze zusammengearbeitet. Darunter etwa das Land Schleswig-Holstein mit Johannes Callsen, die nordschleswigschen Kommunen, die Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze, die Programmpartner von Interreg oder die Region Sønderjylland-Schleswig.

Johannes Callsen: „Wichtiges Signal“

Mit dem Abteilungsleiter für Umwelt, Mobilität und Ausbildung, Thomas Vestergaard, dessen Team und der Chefkonsulentin oder dem neuen Chefkonsulenten habe man feste Ansprechpartner für die deutsch-dänische Kooperation. Das sei wichtig, betont Callsen, der in seiner Funktion den Gegenpart auf deutscher Seite bildet. „Insofern ist dies eine echte Stärkung, um in den konkreten Themen der Zusammenarbeit einen ,direkten Draht' zu haben, und ein wichtiges Signal, dass wir diese gute Zusammenarbeit auch in Zukunft fortsetzen.“

Johannes Callsen freut sich auf einen direkten Draht.

SP erhofft sich viel von der neuen Position

Ruth Candussi betont, dass die SP zwar nicht selbst im Regionsrat vertreten ist, aber engen Kontakt mit Vertreterinnen und Vertretern der Region pflegt – etwa durch die Region Sønderjylland-Schleswig, wo die Schleswigsche Partei im Vorstand und der Verwaltungsgruppe sowie den Ausschüssen für Arbeitsmarkt und grenzregionale Entwicklung sitzt. Mette Bosse Linnet als Vorsitzende des Sonderausschusses für dänisch-deutsche Zusammenarbeit ist, wird beispielsweise Anfang Mai den SP-eigenen Regionsausschuss besuchen. „Zentrales Thema wird hier gerade die deutsch-dänische Zusammenarbeit sein – auch in den Bereichen Mobilität, Umwelt und Kultur“, so Candussi.

Angesichts vieler bestehender Ebenen der deutsch-dänischen Zusammenarbeit nördlich und südlich der Grenze sei es gut, dass „eine Einheit aus Regionsebene gebildet wird als direkter Ansprechpartner auch für Kiel“, so die Parteisekretärin. In Zusammenhang mit verbindlichen Entscheidungen spiele die Achse Vejle-Kiel eine entscheidende Rolle.

Claudia Knauer: Minderheit steht mit Expertise bereit

Claudia Knauer, Kandidatin für den Vorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger, sieht es ebenfalls positiv, dass die Region ein neues Team für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aufstellt. Es sei gut, dass das Thema endlich wieder höher gewichtet werde. „Am besten wäre es, wenn das Team dort noch größer würde, denn in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit liegt ein enormes Potenzial – wirtschaftlich wie kulturell.“ 

Sie hoffe daher auf eine „starke Persönlichkeit, die auch nach außen wirkt“. So könne endlich mehr Fokus auf das Grenzland gerichtet werden, wovon beide Minderheiten und die Mehrheiten profitieren.

Dass nun an einer Stelle Kräfte gebündelt oder zumindest der Überblick bewahrt und Mittel vernünftig eingesetzt werden, sei „eine richtig gute Idee“, so Knauer mit Blick auf die verschiedenen bestehenden Gremien im Grenzland, die sich mit den Themen befassen. 

Am besten wäre es, wenn das Team dort noch größer würde, denn in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit liegt ein enormes Potenzial – wirtschaftlich wie kulturell.

Claudia Knauer

„Als deutsche Minderheit in Nordschleswig arbeiten wir in vielen Gremien bereits mit und schieben immer wieder die grenzüberschreitende Zusammenarbeit an, einfach weil wir so viel darüber wissen und auch die Grenzbarrieren, die es immer noch gibt, kennen. Unsere Expertise steht da natürlich zur Verfügung“, so die Kandidatin auf den Vorsitz. 

So sei der Rettungshubschrauber aus Niebüll, der im Grenzland auch auf die dänische Seite fliegt, sei ein „Kind“ der Minderheit, so Knauer. Die SP habe sich über viele Jahre für das Projekt eingesetzt. Knauer schweben weitere Projekte vor, die alle schon einmal gedacht wurden – etwa ein gemeinsamer Flughafen, ein Grenzlandbahnhof oder ein zweisprachiges Geschichtsbuch. Ein gemeinsames Kulturfestival begrüßt sie ausdrücklich.

Claudia Knauer und Stephan Kleinschmidt wollen beide den BDN-Hauptvorsitz übernehmen. Die künftige Chefin oder der künftige Chef der Minderheit wird künftig auch eng mit der Region Süddänemark zusammenarbeiten.

Es wäre aber gut, sagt Knauer mit Blick auf eine Formulierung in der Stellenausschreibung, wenn Deutschkenntnisse nicht nur gerne gesehen würden, sondern eine unabdingbare Bedingung für eine Einstellung wären. „Wir wollen wirklich nicht, dass im deutsch-dänischen Grenzland auf Englisch kommuniziert wird.“

Kleinschmidt: Probleme angehen und Lösungen entwickeln

Stephan Kleinschmidt, ebenfalls Kandidat für den BDN-Hauptvorsitz, spricht ebenfalls von einem „wichtigen Signal“. Eine solche Rolle sei sinnvoll und notwendig.

Wir brauchen mehr Tempo, mehr Mut und einen stärkeren Fokus auf konkrete Ergebnisse. Jetzt kommt es darauf an, Kräfte zu bündeln, ressortübergreifend zu arbeiten und Visionen konsequent in Handlung zu übersetzen.

Stephan Kleinschmidt

Probleme gezielt angehen, politische Lösungen entwickeln und Projekte aktiv vorantreiben. Das sind die Erwartungen des Kandidaten für den Hauptvorsitz an die Region, die mit der neuen Ausrichtung teils stärker als Katalysator wirken könne.

„Wir brauchen mehr Tempo, mehr Mut und einen stärkeren Fokus auf konkrete Ergebnisse. Jetzt kommt es darauf an, Kräfte zu bündeln, ressortübergreifend zu arbeiten und Visionen konsequent in Handlung zu übersetzen“, so Kleinschmidt.

Er wisse aus eigener Erfahrung – in der Region Syddanmark, der Staatskanzlei in Kiel und in den Gremien der Region Sønderjylland–Schleswig sowie im Interreg-Ausschuss, dass es viele gute Ansätze gebe. Entscheidend sei die Umsetzung.

Chance, Grenzbarrieren abzubauen

„Gerade bei Mobilität, Kultur und Umwelt bestehen weiterhin spürbare Grenzbarrieren. Hier braucht es klare Zuständigkeiten, verbindliche Strukturen und eine engere Abstimmung.“

Hier komme auch die Minderheit ins Spiel, wo sich Kleinschmidt mehr strategische Einbindung und mehr Wirkung erhofft. Die Minderheit sei in der Region Sønderjylland–Schleswig und in den Interreg-Strukturen bereits gut vernetzt. „Auch mit dem neuen Kontaktausschuss in der Region Syddanmark gibt es nun eine zusätzliche Chance und entscheidenden Ansatz, Perspektiven unserer Minderheit frühzeitig einzubringen“, so Kleinschmidt.