ZUSCHRIFT

Die Flensburger Förde braucht gemeinsames Handeln – keine weiteren parallelen Strukturen

Rainer Naujeck im Wintergarten seines Hauses in Ekensund

Umwelt: Die ökologische Lage der Förde ist alarmierend. Sauerstoffmangel und Nährstoffbelastung gefährden die Biodiversität. Eine koordinierte Strategie könnte den entscheidenden Unterschied machen, meint Rainer Naujeck.

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Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

 Der Südschleswigsche Wählerverband hat im Kieler Landtag einen wichtigen und notwendigen Fokus auf den ernsthaften Zustand der Flensburger Förde gelegt. Das verdient Anerkennung. Wenn Christian Dirschauer die Förde als unsere gemeinsame Lebensgrundlage beschreibt und davor warnt, dass wir bald darüber sprechen könnten, was wir verloren haben, trifft er einen zentralen Punkt. Die Situation in der Flensburger Förde ist kritisch, und die Entwicklung geht in die falsche Richtung.

Über Jahre hinweg wurden zahlreiche Initiativen, Kooperationen und Vereinbarungen auf beiden Seiten der Grenze auf den Weg gebracht. Am Engagement hat es nicht gefehlt. Dennoch müssen wir feststellen, dass wir nicht ausreichend vorangekommen sind. Sauerstoffmangel, Nährstoffbelastung und der Verlust der Biodiversität bleiben gravierende Probleme. Es wird deutlich, dass es nicht nur um weitere Projekte geht – sondern um bessere Koordinierung, klarere Prioritäten und mehr Verbindlichkeit. 

Der SSW schlägt die Einrichtung einer deutsch-dänischen Förde-Agentur vor. Ob genau dieses Modell die richtige Lösung ist, kann diskutiert werden. Es gibt berechtigte Fragen zu neuen Strukturen, Finanzierung und der Gefahr zusätzlicher Bürokratie. Wichtig ist, dass eine neue Konstruktion nicht lediglich eine weitere Ebene über bestehende Kooperationen legt.

Das ändert jedoch nichts am Kern des Vorschlags, der sowohl relevant als auch notwendig ist: Die Kräfte rund um die Flensburger Förde müssen an einem Ort gebündelt werden. Heute sind Zuständigkeiten auf viele Akteure, Projekte und Ebenen verteilt. Das erschwert es, Fortschritte zu erzielen, Prioritäten zu setzen und sicherzustellen, dass Entscheidungen tatsächlich umgesetzt werden. Ohne eine stärkere gemeinsame Steuerung besteht die Gefahr, dass gute Initiativen weiterhin parallel laufen, ohne die notwendige Gesamtwirkung zu entfalten. 

Die Flensburger Förde ist eine gemeinsame deutsch-dänische Verantwortung. Die Natur kennt keine Grenzen, und die Lösungen müssen deshalb ebenfalls grenzüberschreitend sein. Das betrifft die Reduzierung von Nährstoffeinträgen, den Schutz von Lebensräumen, den Umgang mit Fischerei, Tourismus und Freizeitnutzung – ebenso wie die Einbindung der lokalen Akteure auf beiden Seiten der Förde.

Es ist daher positiv, dass die Debatte nun politisch aufgewertet wird. Unabhängig davon, ob das Ergebnis eine eigene Agentur, eine gestärkte gemeinsame Organisation oder ein anderes Modell sein wird, sollte das Ziel klar sein: ein gemeinsamer Rahmen für Koordinierung, Priorisierung und Umsetzung der Maßnahmen für die Flensburger Förde.

Die Zeit arbeitet gegen uns. Wenn wir die Zukunft der Förde sichern wollen, müssen wir die Kräfte bündeln – und von guten Absichten zu gemeinsamem Handeln kommen.