ZUSCHRIFT

Alte Kameraden

Metallne Gedenkplatte mit der Jahreszahl 1945 und eingravierten Namen auf Steinpflaster.
Von den Gedenktafeln auf dem Knivsberg wurden bisher fünf Namen von Kriegsverbrechern entfernt.

Jan Brendel nimmt Bezug auf den „Nordschleswiger“-Artikel über Nazi-Verbrecher, die auf dem Knivsberg bewusst geehrt wurden. Dass die Rolle von Jürgen Bergs bei der Errichtung des Ehrenhains erst jetzt herausgekommen ist, ist Brendels Meinung nach noch ein Schandfleck mehr auf der nordschleswigschen Vergangenheitsbewältigung.

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Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

Der Artikel über Jürgen Berg und die Gedenkstätte Knivsberg ehemals „Ehrenhain“, ist an sich nur teilweise eine Neuigkeit. Er ist mehr eine Bestätigung dessen, was viele Nordschleswiger ahnten oder auch wussten, aber nie ernsthaft hinterfragt haben. Dass man die Rolle Bergs in dieser Sache erst jetzt ausgegraben hat, ist meines Erachtens nur noch ein Schandfleck mehr auf der nordschleswigschen Vergangenheitsbewältigung. 

Jürgen Berg, Andreas Schau, Paul Koopmann – einige der hervortretenden Initiatoren des „Ehrenhains“ – und sicher auch viele andere hatten so vielen nationalsozialistischen Ballast, dass man diesen schon vor Jahrzehnten hätte behandeln sollen, anstatt diese Personen kurz nach Kriegsende wieder zu Macht und Ehren kommen zu lassen. Man braucht nur den Nordschleswiger vom 20. August 1962 zu lesen, um festzustellen, dass schon damals allzu vieles schöngeredet wurde.

Auf einem Treffen im Jahr 2022 sagte einer der Teilnehmer ganz richtig, dass man Leute unserer Elterngeneration nur nach ihrer Abteilung/Beschäftigung/Kompanie hätte fragen brauchen, um zu wissen, was sie eventuell angestellt hätten.

Der Artikel im Nordschleswiger endet mit der „brennenden“ Frage. Warum wurden die Namen trotzdem eingraviert? Die Antwort ist doch an sich herrlich einfach: Weil die Begründer/Betreiber der Gedenkstätte/ des „Ehrenhains“ – wie viele andere Nordschleswiger – mehr oder weniger alle noch nationalsozialistisch angehaucht waren. Außen weiß, innen braun.

Meine Generation, ich bin aus den 1950´ern, hat nie eine Antwort auf ihre Fragen erhalten. Im Gegenteil. Es wurde gelogen, geschwiegen und abgewimmelt. Nie haben sie häufiger „Heil“ geschrien, als in den Jahren, die sie danach – nach außen hin – die Jahre des „Unheils“ nannten – und schnellstens vergessen wollten. Dass die „Kameraden“ und „Volksgenossen“ verdeckt ihre Seilschaften pflegten und schützten, dürfte aber nicht unbekannt sein und hätte hier aber viel früher thematisiert werden können und sollen.

Jan Brendel

z.Zt. Plomari, Griechenland