Klimaschutz

Stromnetz-Ausbau: Massive Verzögerungen bedrohen Energiewende

Klimaminister Lars Aagaard wurde vorgeworfen, er habe Informationen über die Verspätungen dem Folketing vorenthalten (Archivfoto).

Energinet-Projekte hinken hinterher. 70 Prozent der Vorhaben sind verspätet, schreibt die Reichsrevision in einem Bericht. Dem zuständigen Minister wirft sie Passivität vor.

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Zusammenfassung

  • Ein Bericht der Reichsrevision kritisiert massive Verzögerungen beim Stromnetz-Ausbau durch Energinet.
  • Rund 70 Prozent der Projekte dauern im Schnitt 2,5 Jahre länger, was Energiewende und Klimaziele bis 2030 gefährdet.
  • Kosten steigen um etwa zehn Milliarden Kronen und treffen Unternehmen und Verbraucher über die Stromrechnung.

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Die Mehrzahl der Projekte zum Ausbau des Stromnetzes verzögert sich, und das kann Konsequenzen für die Energiewende haben.

Das zeigt ein neuer Bericht der Reichsrevision, einer unabhängigen Kontrollbehörde unter dem Folketing.

Laut dem Bericht liegen etwa 70 Prozent der Projekte des Netzbetreibers Energinet hinter dem Zeitplan, und die Verspätungen betragen im Durchschnitt knapp 2,5 Jahre. Energinet ist ein unabhängiges Unternehmen, das das übergeordnete Strom- und Gasnetz in Dänemark betreibt und entwickelt.

Die Reichsrevision bewertet insgesamt, dass die Steuerung des Ausbaus durch Energinet „sehr unbefriedigend“ ist.

Probleme in Hadersleben

Die fehlende Kapazität im Stromnetz hat der Fernwärmegesellschaft in Hadersleben/Haderslev über Ostern Probleme bereitet. Das schreibt „DR“. Der Strom war in diesen Tagen ausgesprochen billig. Die Gesellschaft konnte ihn nicht zur Wärmeproduktion verwenden, weil das Stromnetz zu stark belastet war.

„Das ist richtig nervig, um es mal vorsichtig auszudrücken“, sagt der Direktor von Haderslev Fjernvarme, Morten Hartmann zu „DR“. 

Ursache der Verspätungen weitgehend unbekannt

Auch die Staatsrevisorinnen und -revisoren kritisieren die Steuerung des Ausbaus und merken an, dass Energinet kaum Überblick über die Ursachen der Verzögerungen hat. Die Aufgabe der Staatsrevision ist es, zu kontrollieren, ob der Staat und Unternehmen das Geld der Steuerzahlerinnen und -zahler effektiv, korrekt und gesetzeskonform einsetzen.

„Die Projekte, die nicht verzögert sind, sind im Allgemeinen neu gestartet. Die verzögerten Projekte dauern im Durchschnitt etwa 80 Prozent länger als erwartet“, schreiben die Staatsrevisorinnen und -revisoren in einem Kommentar zum Bericht der Reichsrevision.

Die Zeitpläne von Energinet seien ins Rutschen geraten, und das Unternehmen habe keine eindeutigen Erklärungen für die Ursachen. Energinet habe systematisch unterschätzt, wie lange es dauert, die Projekte durchzuführen, heißt es in dem Bericht.

Unzureichende Maßnahmen bei Energinet

Energinet schreibt in einer Pressemitteilung, dass der Ausbau des Stromnetzes „vor Herausforderungen“ stehe.

„Wir nehmen den Bericht der Reichsrevision zur Kenntnis, merken jedoch an, dass wir im Laufe des Jahres 2025 Maßnahmen ergriffen haben, die einer Reihe der Kritikpunkte begegnen“, sagt Søren Dupont Kristensen, Betriebsdirektor bei Energinet, laut der Pressemitteilung.

Er ergänzt, dass die Maßnahmen nicht „ausreichend waren, um mit der Entwicklung Schritt zu halten“.

Die Reichsrevision weist darauf hin, dass Energinet nur schwer Abhilfe schaffen könne, da das Unternehmen keinen ausreichenden Überblick über die Ursachen der Verzögerungen habe.

Grüne Umstellung behindert

Die Reichsrevision kritisiert ebenfalls, dass das Klima-, Energie- und Versorgungsministerium nicht rechtzeitig eingegriffen hat, obwohl die Probleme seit mehreren Jahren bekannt sind. Laut Bericht habe das Ministerium „zu spät“ auf die zunehmenden Verzögerungen reagiert.

Die Verzögerungen könnten direkte Auswirkungen auf die Energiewende haben, da der Ausbau des Stromnetzes eine Voraussetzung dafür ist, neue Solar- und Windparks anschließen zu können.

Ein gut funktionierendes Stromnetz sei eine zentrale Voraussetzung, um das Ziel zu erreichen, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 70 Prozent im Vergleich zum Niveau von 1990 zu reduzieren. Sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen müssen somit länger auf grünen Strom warten.

Rechnung landet bei Verbraucherinnen und Verbrauchern

Zudem sind die Projekte teurer geworden. Laut der Reichsrevision kosten die Gesamtprojekte vorläufig etwa zehn Milliarden Kronen mehr als geplant. Die Rechnung werde letztlich von Unternehmen und Verbrauchenden über die Stromrechnung bezahlt.

Staatsrevision und Reichsrevision

  • Die Staatsrevision besteht aus sieben wählbaren Personen, die vom Folketing ernannt sind.
  • Sie kontrolliert, ob der Staat die Mittel korrekt und dem Zweck entsprechend einsetzt.
  • Die Reichsrevision ist eine Behörde, die Berichte für die Staatsrevision ausarbeitet.
  • Die Staatsrevision zieht die Schlussfolgerungen aus den Berichten der Reichsrevision. 

Das Stromnetz umfasst heute etwa 9.000 Kilometer Erdkabel und Freileitungen, und Energinet sieht die Notwendigkeit, bis 2030 weitere 2.700 Kilometer zu verlegen.

Klimaminister kam unter Druck

Im Februar dieses Jahres kündigte Klimaminister Lars Aagaard (Moderate) eine „Aufräumaktion“ im staatlichen Unternehmen an, aber laut dem Rechnungshof hätte dies früher eingeleitet werden sollen.

Der Minister entging nur knapp einem Misstrauensvotum. Er hatte die Informationen über die umfangreichen Verzögerungen nicht mit dem Folketing geteilt, obwohl das Ministerium davon wusste.

Das Klima-, Energie- und Versorgungsministerium wird erst nach der Bildung der neuen Regierung zu dem kritischen Bericht Stellung beziehen.

Während des Wahlkampfs im März musste Energinet eine „Auszeit“ von neuen Projekten nehmen, um einen Überblick über die vielen verzögerten Projekte zu bekommen und eine bessere Priorisierung vorzunehmen.