Deutsche Minderheit

Apenrade: Was braucht der Ortsverein für stabiles Fahrwasser in der Zukunft? 

Ausflug des BDN Ortsvereins Apenrade vergangenes Jahr auf dem Traditionsschiff Ebba Aaen.

Obwohl der BDN-Ortsverein neue Mitglieder gewinnt, bleibt die Vereinsarbeit eine Herausforderung. Nach welchen Lösungen der Verein sucht und warum das Engagement auch persönlich erfüllend sein kann. 

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Zusammenfassung

  • Der BDN-Ortsverein Apenrade sucht neue, aktive Mitglieder, um die Minderheit vor Ort sichtbar und zukunftsfähig zu halten.
  • Vor allem Zugezogene engagieren sich im Verein, während viele Angehörige der angestammten Minderheit die Angebote nutzen, ohne Mitglied zu werden.
  • Mit vielfältigen Aktivitäten und ehrenamtlichem Einsatz will der Vorstand Gemeinschaft stärken und die Anerkennung der deutschen Volksgruppe weiter sichern.

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Sie sind diejenigen, die die Minderheit in den vier Kommunen in Nordschleswig sichtbar machen: die Mitglieder der Ortsvereine des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN). Dabei sind sie auch auf neue Mitglieder angewiesen – und darauf, dass diese sich im Idealfall aktiv in den Ortsvereinen einbringen. Nur: Wie herankommen an diese Menschen und sie dazu bringen, sich zu engagieren? Und wie schafft es der Ortsverein, seine Mitglieder zur Teilnahme an den angebotenen Aktivitäten zu bewegen?

Das sind zwei der Fragen, die den BDN-Ortsverein Apenrade (Aabenraa) umtreiben. Am Mittwochabend hat sich der Vorstand konstituiert. Neu mit an Bord: Anja Michaels. Vor zwei Jahren ist sie nach Nordschleswig gezogen, arbeitet im Haus Nordschleswig und damit in der Schaltzentrale der Minderheit. „Durch meine Arbeit beim BDN kann ich sehen, wie sehr sich die Minderheit in den verschiedenen Bereichen einbringt. Ich bin froh, dass Ruth Candussi mich gefragt hat und freue mich jetzt darauf, meinen Teil im Ortsverein beizutragen“, antwortet Anja Michaels auf die Frage, warum sie in den Vorstand eingetreten ist.

Damit ist sie im Grunde ein Musterbeispiel dafür, was der Ortsverein sucht. Denn: Vergangenes Jahr habe der Verein neue Mitglieder zwischen 18 und 80 Jahren bekommen, sagt der 1. Vorsitzende, Hans Thomas Lorenzen. „Der größte Teil von ihnen sind Zuzügler. Einige kommen dann zwar zu den Veranstaltungen, viele aber auch nicht.“ 

Der frisch konstituierte Vorstand des Ortsvereins Apenrade (von links nach rechts): Jan Peters, Ruth Candussi, Olaf Busse, Hans Thomas Lorenzen, Elisabeth Simon, Henriette Tvede Andersen, Anja Michaels

Andere wiederum besuchen nicht nur die Veranstaltungen, sie engagieren sich auch in der Vorstandsarbeit. So wie neuerdings Anja Michaels. Aber auch Jan Peters und Elisabeth Simon, die beide nicht in der Minderheit aufgewachsen sind. 

Mir liegt sehr viel daran, das zu erhalten, was schon meine Urgroßeltern aufgebaut haben, wofür sie gekämpft haben.

Hans Thomas Lorenzen

Deutlich schwieriger ist es offenbar, die Menschen aus der so genannten angestammten Minderheit zu davon zu überzeugen, überhaupt in den Ortsverein einzutreten, sagt Hans Thomas Lorenzen. „Sie nutzen die Institutionen der Minderheit, wollen aber nicht Mitglied werden. Ich habe keine Erklärung dafür. Schlechte Erfahrungen können sie eigentlich nicht gemacht haben.“ 

Bewahren, was die Minderheit wertvoll macht 

Er selbst habe sehr davon profitiert, in der Minderheit aufgewachsen zu sein, zweisprachig und mit dem Verständnis für zwei Kulturen. Das will er weitergeben. „Mir liegt auch sehr viel daran, das, was schon meine Urgoßeltern aufgebaut haben, wofür sie gekämpft haben, aufrechtzuerhalten.“

Dafür müssen Angebote geschaffen werden, die die Mitglieder annehmen. Neben einem Besuch der Lampenfabrik plant der Ortsverein daher auch einen Familienausflug. „Die Frage ist immer, welche Aktivitäten die Leute annehmen“, sagt Hans Thomas Lorenzen. 

Aktivitäten wie Unternehmensbesuche findet Anja Michaels gut, „weil man da als Privatperson ja normalerweise nicht hinkommt.“ Eine Herausforderung gibt es aus ihrer Sicht als Zuzüglerin: „Ich will ja Dänisch lernen, auch in der dänischen Mehrheitsbevölkerung ankommen. Das ist für mich schwierig, wenn auf der Arbeit und dann auch bei den Veranstaltungen Deutsch gesprochen wird.“ 

Ein Spannungsfeld, in dem sich wohl alle bewegen, was die knappe Ressource Zeit angeht: „Die Leute haben so viel um die Ohren und dann kommen wir auch noch“, sagt Hans Thomas Lorenzen.

Lob für die Ausbildung der Kinder und Anerkennung als Volksgruppe

Für die ehrenamtliche Arbeit bekommt man aber auch viel zurück, findet der 1. Vorsitzende des Ortsvereins Apenrade. „Wir haben mittlerweile erreicht, dass die deutsche Volksgruppe von der Mehrheitsbevölkerung gut angenommen wird. Und wir bekommen viel Lob für die Kinder, die wir ausgebildet haben. Das darf gerne so weiterlaufen“, findet Lorenzen. Dass das nicht ohne neue Mitglieder und Engagement möglich ist, wissen sie. Und daran arbeiten sie als Verein.