Kultur

Nur vier Statuen von bekannten Frauen in Nordschleswig

Bronzebüste im Vordergrund vor verschneitem Platz und Pflanzkübeln im Morgenlicht
Die Statue von Königin Caroline Amalie steht in Augustenburg.

Im öffentlichen Raum gibt es in Dänemark zehnmal so viele Statuen von historischen Männern als von Frauen. In den Kommunen Apenrade und Hadersleben steht keine einzige. Kulturminister Jakob Engel-Schmidt nennt die Verteilung „absurd“. Auf Grundlage von Vorschlägen aus der Bevölkerung und einem Expertenausschuss möchte er den Kommunen eine Liste mit möglichen Frauenstatuen an die Hand geben. 

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Zusammenfassung

  • In Nordschleswig gibt es nur vier Statuen historisch bekannter Frauen, aber deutlich mehr männliche Figuren.
  • Landesweit zeigt eine Bestandsaufnahme 484 Statuen historischer Männer, jedoch nur 43 historischer Frauen, dafür viele fiktive Frauenfiguren.
  • Kulturminister Jakob Engel-Schmidt nennt dieses Ungleichgewicht „absurd“ und will Kommunen mit einer Vorschlagsliste und Fördermitteln zu mehr Frauenstatuen bewegen.

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Sie sind schnell aufgezählt, die Statuen von namentlich bekannten Frauen in Nordschleswig. 

In Augustenburg (Augustenborg) steht eine von Königin Caroline Amalie, in Tondern (Tønder) eine von Kjestine Svendsdatter, der Finderin des ersten Goldhorns, und in Jerpstedt (Hjerpsted) Hanne ved Dammen, die Schwester der Künstlerin Else Jacobine Andersen. 

Das zeigt eine Bestandsaufnahme, die das „Museum of Art in Public Spaces (Maps)“ für das Kulturministerium vorgenommen hat.

Allerdings gibt es noch eine vierte Frauenstatue in Nordschleswig, die in der Bestandsaufnahme nicht vorkommt: Inge Adriansen in Sonderburg (Sønderborg). Sie war Museumsinspektorin im Sonderburger Schloss. 

Wer nach historischen Männern Ausschau hält, wird schneller fündig. Davon stehen 15 in den vier Kommunen Nordschleswigs. 

Dafür stehen im Landesteil 21 Statuen von fiktiven Frauenfiguren. Das entspricht ungefähr der Anzahl der fiktiven Männerfiguren (22). In letzterem Punkt unterscheidet sich Nordschleswig vom Rest des Landes. Da stehen deutlich mehr fiktive Frauenfiguren als Männerfiguren. 

Statuen von nackten Frauen überwiegen

Menschenmenge beobachtet die Enthüllung der Skulptur „Forundringsparat“ auf einer Bank an der Strandpromenade.
Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen hat 2022 die Statue von Inge Adriansen enthüllt. Die Historikerin wird dafür gewürdigt, Sonderburg und das Museum im Schloss Sonderburg bekannt gemacht zu haben.

Zusammenfassend kann man sagen, dass landesweit die abgebildeten Frauen meist unbekannt und häufig nackt oder halbnackt, die Männer historisch und bekleidet dargestellt werden. Kulturminister Jakob Engel-Schmidt (Moderate) bezeichnet das Ergebnis gegenüber „Ritzau“ als „absurd“.

„Die Zahlen sprechen für sich und stimmen nachdenklich. Wenn unsere Mütter, Schwestern und Töchter sich durch den öffentlichen Raum bewegen, können sie nicht erkennen, dass dieses Land auch von Frauen aufgebaut worden ist“, so der Minister.

Das Museum „Maps“ hat insgesamt 1.538 Statuen registriert. Davon sind 484 von Männern mit historischer Bedeutung, bei den Frauen sind es lediglich 43. 

Bronzebüste auf Sockel in einem Hof mit Pflanzkübeln und flachem Gebäude im Hintergrund
Caroline Amalie ist im Schloss Augustenburg aufgewachsen. Sie war von 1838 bis 1848 an der Seite von Christian VIII. Königin Dänemarks. Sie ist vor allem für ihren Einsatz für mittellose und notleidende Kinder bekannt.

Dafür gibt es 404 Statuen von fiktiven Frauen. Diese können idealisierte Figuren sein, die häufig den Frauenkörper abbilden. Oder es sind archetypische Figuren wie „Mutter und Kind“.

Die Fachinspektorin des Museums „Køn“ für die Kulturgeschichte der Geschlechter meint, das Ungleichgewicht könne die Vorstellung von den Geschlechterrollen beeinflussen.

„Die Statuen vermitteln, dass Frauen einen Wert in der Welt haben, wenn sie schön sind, während Männer einen Wert haben, wenn sie große Dinge erreicht haben. Dieser Geschlechterunterschied ist nicht das tollste Vorbild für Mädchen“, sagt sie.

75 Kommunen ohne historische Frauenstatuen

Statue von Kjestine Svendsdatter mit dem ersten Goldorn auf Steinsockel vor Backsteinmauer im Freien
Kjestine Svendsdatter spazierte am 20. Juli 1639 von der Ortschaft Osterby (Østerby) nach Tondern und stieß mit ihrem Fuß gegen einen harten Gegenstand. Eine Woche später geschah es erneut, und sie buddelte das erste der beiden Goldhörner aus.

In den Kommunen Apenrade (Aabenraa) und Hadersleben (Haderslev) steht keine einzige historische Frauenstatue. Dasselbe gilt für weitere 73 der insgesamt 98 Kommunen. Engel-Schmidt meint, diese Kommunen sollten ernsthaft überlegen, wie sie das ändern wollen. 

Als Inspiration möchte der Kulturminister den Kommunen eine Liste von Frauen an die Hand geben, die eine Statue verdienen könnten. Bereits im vergangenen Sommer hat er das Portal „borgerbidrag.dk“ eingerichtet, in dem Bürgerinnen und Bürger Vorschläge für Frauenstatuen machen konnten. 

Steinfigur auf einer Wiese vor einem Backsteinhaus mit Reetdach
„Hanne ved Dammen“ stellt die Schwester der dänisch-amerikanischen Künstlerin Else Jacobine Andersen dar. Sie hat sie der Ortschaft Jerpstedt gestiftet, weil sie dort viele glückliche Stunden verbracht hat.

Eine Expertisekommission ergänzt und sortiert die Vorschläge aus der Bevölkerung. Die Liste soll in Kürze veröffentlicht werden. Engel-Schmidt wird staatliche Mittel für die Statuen bereitstellen.

„Der Plan ist, dass der Staat etwas beisteuert und auch die Kommunen, die die Statuen bei sich stehen haben möchten, den restlichen Anteil tragen“, so Kulturminister Jakob Engel-Schmidt. 

Auch „Der Nordschleswiger“ hat im Juli seine Leserschaft gefragt, welche Frauen in der Region eine Statue bekommen sollen. Dabei wurden vor allem zwei Namen genannt: die Künstlerin Franciska Clausen aus Apenrade und die Musikpädagogin Silke Schultz aus Sonderburg.