Nordschleswig

Welche Nordschleswigerin hätte eine Statue verdient?

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Die Bronze-Skulptur „Lizzie“ steht in Gravenstein und genießt den Blick auf das Sommerschloss der Königsfamilie.

Statuen von Frauen sind im öffentlichen Raum deutlich weniger zu sehen als die von Männern. Das müsse sich ändern, findet der dänische Kulturminister Jakob Engel-Schmidt (Moderate). „Der Nordschleswiger“ wollte daher von seinen Leserinnen und Lesern wissen, welche Frauen im öffentlichen Raum sichtbar sein müssten. Hier sind einige der Antworten.

Männer – in Bronze gegossen oder in Stein gemeißelt – gibt es viele im öffentlichen Raum. Einer früheren Umfrage „Jyllands-Posten“ zufolge sind von 321 Statuen im Land lediglich 31 weiblich.

Deshalb hatte „Der Nordschleswiger“ Leserinnen und Leser kürzlich aufgerufen, Vorschläge zu machen: Welche Frau im Landesteil hätte eine Statue verdient?

Musik war ihr Leben

Unter den Rückmeldungen fiel unter anderem ihr Name: Silke Schultz aus Sonderburg (Sønderborg). Viele in der Minderheit kennen die vor vier Jahren an Brustkrebs verstorbene Musikpädagogin unter dem Namen „Musik-Silke“. Sie war fast 20 Jahre lang musikalisch an den Institutionen der deutschen Minderheit unterwegs.

Zunächst arbeitete die gebürtige Erfurterin Silke Schultz als Schwangerschaftsvertretung beim Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig. Später wurde sie selbstständige Musikerin, führte die Kinder in den deutschen Institutionen auf spielerische Weise in die Welt der Musik ein.

„Sie hat so viele Menschen glücklich gemacht“, begründet eine Nutzerin bei facebook, warum man Silke Schultz eine Statue widmen sollte.

Eine Künstlerin, ihrer Zeit weit voraus

Und auch ihr Name fiel im Aufruf. Der einer Künstlerin, deren Werke in den 1920er-Jahren in Paris in Kunsthallen und Galerien neben denen von Picasso und Brâncuși gezeigt wurden – einem Bildhauer, der das 20. Jahrhundert geprägt hat. Die Rede ist von der in Apenrade (Aabenraa) geborenen Künstlerin Franciska Clausen.

Silke Schultz (r.) bei einem Gottesdienst auf dem Knivsberg

Franciska Clausen, 1899 geboren, soll ihren Eltern schon als 16 Jahre junges Mädchen angekündigt haben, Kunstmalerin werden zu wollen. Mit ihrem Stil, avantgardistisch und abstrakt, war sie ihrer Zeit weit voraus.

Während Clausen in den 1920er-Jahren in Paris unter anderem der Künstlergruppe „Cercle et carré“ (Kreis und Quadrat) angehörte – zusammen mit den großen Namen der damaligen Zeit wie Kandinsky, Mondrian, Torres García, Arp, Gropius, Le Corbusier – die Anerkennung im eigenen Land kam spät. Wenige Jahre vor ihrem Tod erhält sie unter anderem den Ehrenpreis auf Lebenszeit der Dänischen Kunststiftung „Statens Kunstfond“.

Heute sind die Werke der vor knapp 40 Jahren verstorbenen Franciska Clausen nicht nur in Ausstellungen und Museen zu sehen: Inzwischen beschäftigen sich auch Kunsthistorikerinnen und -historiker mit der großen Künstlerin, sagte die ehemalige Rektorin am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig und studierte Historikerin, Ilse Friis.

Franciska Clausen 1925 in Paris

„Franciska Clausen wurde ja viele Jahre ignoriert. Diese kleine Frau, die durch die Straßen ging und immer so sonderbar gekleidet war“, erinnert sich Friis mit einem Lächeln. Und fügt hinzu: „Wenn Apenrade eine Statue braucht, dann kommt Franciska Clausen auf jeden Fall infrage.“

Und auch die Namen dieser beiden Damen wurden beim Aufruf des „Nordschleswiger“ genannt: Meta Hohlenberg (1874-1940), Malerin aus Apenrade (Aabenraa), bekannt für Landschafts- und Hafenbilder mit regionalem Bezug, sowie Maria Tetzlaff (1867-1932). Eine Schriftstellerin und Lehrerin, die Volksgeschichten und Sagen aus Nordschleswig sammelte und veröffentlichte. Redaktionell prüfen konnte „Der Nordschleswiger“ die beiden Namen nicht.

Im Schloss Brundlund werden nicht nur Werke Franciska Clausens gezeigt. Besuchende erhalten auch einen Eindruck von ihrem Leben. Die Ausstellung läuft noch bis Ende August.

Bürgerinnen und Bürger können jetzt aktiv werden und ihre Vorschläge hier einreichen.