Wort zum Sonntag

Zwischenzeiten

Ein schlichtes Holzkreuz ragt vor einem strahlend blauen Himmel mit lockeren Wolkenformationen in die Höhe.
„Der Nordschleswiger“ veröffentlicht jedes Wochenende ein Wort zum Sonntag.

Die Passionszeit bietet Raum zur inneren Einkehr. Inmitten von Unruhe und Unsicherheit kann sie Mut und Zuversicht schenken. Ein Moment der Besinnung eröffnet neue Perspektiven auf das Leben, schreibt Astrid Cramer-Kausch im Wort zum Sonntag.

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Wort zum Sonntag

Mit dem Wort zum Sonntag richten sich im Wechsel die Pastorinnen und Pastoren der Nordschleswigschen Gemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, der deutschsprachigen Gemeindeteile der dänischen Volkskirche und der deutschsprachigen Gemeinde in Kopenhagen an die Leserinnen und Leser des „Nordschleswigers“. Es stellt keine Stellungnahme der Redaktion dar.

Fast hätte man es vergessen, übersehen, nicht dran gedacht …

Weil … gerade alles anders ist, nicht wie gewohnt.

Diese Zwischenzeiten kennen wir alle irgendwie.

Nicht mehr ganz krank, aber auch noch nicht gesund.

Nicht mehr ganz traurig, aber auch noch nicht vergnügt.

Nicht mehr angespannt, aber auch nicht entspannt.

Oder: Schon losgefahren, aber noch nicht angekommen.

Schon eingekauft, aber noch kein fertiges Essen auf dem Tisch.

Wach, aber noch nicht aufgestanden.

Diese Zwischentöne und Zwischenzeiten kennen wir alle.

Und in der Passionszeit sind wir auch unterwegs. Irgendwie auch dazwischen. Zwischen hier und da. Mit uns, vielleicht mit Gott, in unserer Umgebung, mit unseren Mitmenschen und in dieser Welt, die so schwierig, unruhig und auch kriegerisch geworden ist.

Ruhe finden und Halt und gleichzeitig innerlich in Bewegung bleiben und Haltung zeigen, das sind die Pole, zwischen denen wir uns wiederfinden … immer wieder.

Wie gehe ich als Christin, als Christ damit um? Heute, jetzt und auch im Blick auf die Zukunft?

Vor Ostern – also in der Passionszeit – kann es Zeit sein, sich zu besinnen und „fast en -d-lich“ im Blick auf unser Leben und unsere eigene Vergänglichkeit einen neuen Blick auf das Leben zu gewinnen.

Die Passionszeit kann eine Chance sein, Mut zu fassen, um Hoffnung zu schöpfen und um Zuversicht zu gewinnen im Blick auf Ostern.

Sich lebendig fühlen und dem Leben etwas abzugewinnen und auch, sich unter Gottes Segen etwas schenken zu lassen, dafür reicht auch fast ein Moment.

Der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus schrieb: „Es herrscht das Absurde, und die Liebe errettet davon.“

Von dem Theologen Bernhard von Clairvaux stammen die Worte: „Das Kreuz Christi ist eine Last von der Art, wie es Flügel für Vögel sind. Sie tragen aufwärts.“

Ich hoffe, wir alle finden etwas, das uns aufwärts trägt.

Zwischenzeitlich kann und wird uns genau das trösten und Halt geben.

Lass es doch manchmal

Für einen Augenblick, sein,

als ob wir gehen auf Flügeln –

so wie Menschen gehen

auf dem Weg zu einem Neubeginn.

Daß wir sehen, noch Zeit unseres Lebens,

einen Schimmer, einen Funken

deines Reiches des Friedens:

Menschen in Frieden.

Daß wir doch manchmal

für einen Augenblick, wissen,

so sicher, wie es uns gibt,

daß dauern wird deine Treue

und wer du sein wirst, einst,

in einem neuen Himmel,

auf einer neuen Erde,

wenn der Tod getötet ist:

Gott in Menschen.

Jetzt noch hat niemand

dich je gesehen.

Aber du wirst Gott sein,

neu und auf immer,

alles in allen.

(Theologe und Dichter: Huub Oosterhius)

Einen gesegneten Sonntag wünscht

Astrid Cramer-Kausch, Pastorin im Pfarrbezirk Tingleff