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Martina Lutz: Entschlossenheit auf hoher See

Martina Lutz lächelt am Wasser vor dem modernen SIMAC-Gebäude in Svendborg.
Martina Lutz vor der Svendborg international maritime academy (Simac)

Seefahrt: Frauen sind in der männerdominierten Branche selten. Martina Lutz, eine von fünf Frauen in ihrem Jahrgang, erlebt dies hautnah. Ihre Erfahrungen zeigen, wie wichtig weibliche Vorbilder und Entschlossenheit sind.

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Zusammenfassung

  • Martina Lutz aus Nordschleswig lässt sich an der SIMAC in Svendborg zur Steuerfrau ausbilden und gehört zu wenigen Frauen in ihrem Jahrgang.
  • Auf See erlebt sie die männerdominierte Arbeitswelt, fühlt sich mitunter fehl am Platz, setzt sich aber bewusst gegen Vorurteile und Rollenbilder zur Wehr.
  • Entscheidend sind für sie Verantwortungsbewusstsein, Demut in der Führung und der Appell an junge Frauen, trotz Gegenwinds ihren Weg in der Seefahrt zu gehen.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

„Wenn die Nordsee rau wird, fragt sie nicht, ob du eine Frau oder ein Mann bist – sie erwartet, dass du weißt, was du tust.“

Wenn Martina Lutz über das Meer spricht, hört man keine Schwärmerei, sondern klare Entschlossenheit. Die 22-Jährige machte 2022 ihr Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN) – und entschied sich danach bewusst für einen Weg, der sie hinaus auf See führte.

„Der Zusammenhalt an Bord ist etwas ganz Besonderes“, sagt sie. Man lebt mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen, arbeite auf engem Raum, teilt Verantwortung. „Draußen zu sein, in der Natur – Sonnenaufgang und Sonnenuntergang über dem offenen Meer, das ist ein unbeschreibliches Gefühl“, so Lutz.

Heute absolviert sie an der SIMAC (Svendborg International Maritime Academy) in Svendborg die Ausbildung zur Steuerfrau. Fünf Frauen sind in ihrem Jahrgang – bei rund 25 Studierenden. „Viel zu wenige“, sagt sie nüchtern.

„Man fühlt sich manchmal fehl am Platz.“

Dass die Seefahrt männerdominiert ist, wusste sie vorher. Aber wie sich das anfühlt, merkt man erst an Bord. Während ihrer vorgeschriebenen Seefahrzeit ist sie oft die einzige Frau auf dem Schiff.

„Man fühlt sich manchmal ein bisschen fehl am Platz“, sagt sie offen. Nicht unbedingt, weil jemand offen ablehnend sei. „Ich glaube nicht, dass die Leute es böse meinen.“ 

Bei körperlicher Arbeit auf dem Deck habe sie gelegentlich leichtere Aufgaben bekommen. Nicht, weil sie es nicht könne – sondern weil man es ihr nicht zutraue. Ihre Reaktion beschreibt sie klar: „Dann sage ich, dass ich die Aufgabe gern machen möchte. Ich glaube schon, dass ich das kann.“ Und meistens bekommt sie die Chance.

Martina Lutz übernimmt auf der Brücke das Steuer – konzentriert und mit spürbarer Verantwortung für Schiff und Crew.
Martina Lutz übernimmt auf der Brücke das Steuer – konzentriert und mit spürbarer Verantwortung für Schiff und Crew.

Momente des Zweifelns

Ob sie ihre Entscheidung jemals infrage gestellt habe? „Ja, solche Momente gab es“, sagt sie. Trotzdem habe sie nichts anderes gefunden, das sie so sehr begeistert. Die Kombination aus Praxis, Organisation und Verantwortung ist genau ihr Ding. „Ich finde es einfach spannend“, so Lutz.

Gegen Bilder im Kopf

Als sie nach einem Praktikum zu Hause erzählte, dass sie Steuerfrau werden wolle, reagierte ihre Mutter mit Sorge. Wie soll man Familie und ein Leben auf See vereinbaren? Solche Fragen kennt Martina gut.

Auch Geschichten über ältere Kapitäne, die keine Frauen an Bord haben wollen, habe sie gehört. Ihre eigenen Erfahrungen seien anders – besonders auf Schiffen mit skandinavischer Besatzung. Dort fühlt sie sich ernst genommen. 

Wichtig seien für sie weibliche Vorbilder gewesen. Während ihres Praktikums begegnete sie anderen weiblichen Auszubildenden. 

„Es hat viel bedeutet, sich in jemandem spiegeln zu können“, so Lutz. Zu sehen, dass andere Frauen denselben Weg gehen, nähme die Unsicherheit.

Verantwortung zu tragen heißt nicht, sich über andere zu stellen.

Martina Lutz

Führung bedeutet Verantwortung

Der Beruf der Steuerfrau ist stark hierarchisch organisiert. Entscheidungen haben unmittelbare Folgen. „Man muss den Überblick behalten“, sagt Martina Lutz. „Man muss Entscheidungen treffen können – und hinter ihnen stehen.“

Doch Führung bedeutet mehr als Kommandos zu geben. „Ein großer Teil des Jobs ist es, dafür zu sorgen, dass es den Leuten an Bord gut geht.“ 

Wer monatelang fern der Heimat arbeitet, braucht nicht nur Struktur, sondern auch Fürsorge. Über eine wichtige Eigenschaft spricht sie besonders deutlich: „Man sollte als Steuerfrau oder als Führungsperson auch demütig sein. Verantwortung zu tragen heißt nicht, sich über andere zu stellen.“

Sonnenaufgang und Sonnenuntergang über dem offenen Meer- Für Martina Lutz Alltag
Sonnenaufgang und Sonnenuntergang über dem offenen Meer. Für Martina Lutz ist das Alltag.

„Wenn du weißt, was du willst – dann mach es“

Was würde sie jungen Frauen sagen, die mit dem Gedanken spielen, den gleichen Weg einzuschlagen?

„Wenn du weißt, was du willst, dann solltest du es tun“, sagt sie. Das Gefühl, fehl am Platz zu sein, dürfe nicht entscheidend sein. „Je mehr Frauen dazukommen, desto weniger ungewöhnlich wird es.“

Für Martina Lutz bedeutet Mut nicht, lauter zu sein als andere – sondern trotz Gegenwind Kurs zu halten.

 

Frauen im maritimen Sektor Dänemarks

  • Gesamtbeschäftigte: 64.413

Frauen: 16.037 (24,9 %)

Männer: 48.376 (75,1 %)

Quelle: COWI auf Grundlage von Daten von Danmarks Statistik