Deutsche Minderheit

Von der Postkutsche bis zur SMS: Beim Sozialdienst weckte die örtliche Geschichte Erinnerungen

Auf unerwartet großes Interesse stieß das Treffen im Gemeindehaus in Lügumkloster.

Beim Montagstreff des Sozialdienstes in Lügumkloster berichtete Lokalhistoriker Vagn Lauritzen über die Entwicklung des dänischen Postwesens. Seine Geschichten über Postkutschen, frühere Briefmarken und bekannte Postmeister ließen die Zuhörenden tief in die Ortsgeschichte eintauchen.

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Zusammenfassung

  • Lokalhistoriker Vagn Lauritzen führte beim Montagstreff in Lügumkloster in die Geschichte des dänischen Postwesens ein.
  • Anhand lokaler Beispiele von der ersten Erwähnung 1734 bis zu Posthaus-Verlegungen wurde die Entwicklung des Postbetriebs im Ort nachgezeichnet.
  • Besondere Aufmerksamkeit galt früheren Postmeistern, historischen Gebäuden und dem Wandel von Postkarten zu moderner digitaler Kommunikation.

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Auf einen interessanten Abstecher durch die Geschichte des dänischen Postwesens nahm Lokalhistoriker Vagn Lauritzen die Teilnehmenden am Montagstreff des Sozialdienstes in Lügumkloster (Løgumkloster) mit.

Während die Gäste im Gemeindehaus „Jetzt fängt das schöne Frühjahr an“ anstimmten, strahlte draußen die Sonne. Zum Auftakt stärkten sich die 36 Teilnehmenden an Kaffee und „Wiener Brot“.

Im Vergleich zu den gewöhnlichen Montagstreffen war das Durchschnittsalter um einiges jünger als üblich. Das war den vier Konfirmandinnen und Konfirmanden zuzuschreiben, die gemeinsam mit Pastor Matthias Alpen und der Kirchenältesten Ellen Blume teilnahmen.

Die vier Jugendlichen informierten sich im Rahmen des Konfirmandenunterrichts über die Postgeschichte in der Klosterstadt.

„Wir haben uns sehr über ihre Teilnahme gefreut“, sagt Sozialdienst-Vorstandsmitglied Marion Mikkelsen Ohlsen. 

Die Veranstalter hatten nicht mit einem dermaßen großen Interesse gerechnet, sodass im Gemeindehaus schnell noch zusätzliche Stühle und Tische aus ihrem „Versteck“ hervorgeholt wurden.

Nicht nur die Briefe kamen mit der Kutsche

Vagn Lauritzen konzentrierte sich nicht ausschließlich auf die örtliche Postgeschichte, sondern ging auf die landesweite Institution ein. 

Während das dänische Postwesen 1624 gegründet wurde, stieß Lauritzen in seinen Nachforschungen darauf, dass Lügumkloster am 31. Dezember 1734 das erste Mal Erwähnung fand. Ein Brief von Tondern (Tønder) nach Odense kostete damals sechs lübische Schilling.

Ab 1810 gab es in Lügumkloster eine Beförderungsstation mit offenen und geschlossenen Postwagen, die von Pferden gezogen wurden. In den geschlossenen Kutschen wurden außer Briefen auch Menschen transportiert.

Als die ersten Briefmarken ihren Einzug hielten

„1803 gab es mit Peter Andersen Laurup den ersten Postbeförderer, der in der Markledgade wohnte“, erläutert Marion.

Sie muss nur einen Blick aus ihrem Wohnzimmerfenster werfen, um sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite neben der Zahnarztpraxis sein damaliges Domizil vorzustellen. 

Viele aus der älteren Generation erinnerten sich noch an diese Postleute. Links in der Tür der damalige Postmeister Arne Richard Kristoffersen

Ein Plakat vom 1. Januar 1844 gibt den Hinweis, dass es damals eine Expedition für Briefe und Paketsendungen in Lügumkloster gab. 

„1851 kamen die ersten Briefmarken, und das Porto war überall in Dänemark gleich.“ 

Ein Name, der aufhorchen ließ

30 Jahre lang, von 1887 bis 1917, hieß der Postinspekteur in Lügumkloster Johannes Wilhelm Hermann Heil. 

Ein Name, der einige in der Runde aufhorchen ließ, da er unwillkürlich mit dem 2018 verstorbenen früheren Hauptgeschäftsführer des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hermann Heil, in Verbindung gebracht wurde.

Die Zuhörenden erfuhren außerdem, dass zu Zeiten des Postchefs Heil eines der ersten Kaiserlichen Postämter in einem Raum in der Markedsgade im Hotel Lügumkloster eingerichtet war. 

Die Kirchenmusikschule (rechts) wurde seinerzeit als Kaiserliches Postamt gebaut. Direkt daneben (links) entstand das „Hotel zur Post“, das heute den Namen „Postgården“ trägt.

Neubauten an der Vestergade

In den Jahren 1905 bis 1908 entstanden in der Vestergade das Kaiserliche Postamt und das benachbarte „Hotel zur Post“. In dem ehemaligen kaiserlichen Postamt residiert heute die Kirchenmusikschule, und der Nachbar ist die Kneipe „Postgaarden“.

„Mit den Briefmarken entwickelte sich eine neue Kommunikationsform mit Freunden und Verwandten, die nicht im Ort wohnten. Es gab viele, die Postkarten mit Motiven aus Lügumkloster geschrieben haben“, erzählt Marion Mikkelsen Ohlsen. 

Vagn Lauritzen gab mit dem Vorlesen einiger Postkarten Einblick in den damaligen Schriftverkehr.

Kommunikation im Wandel

„Damals verschickte man Postkarten mit Bildern, heute sind es SMS“, stellt Marion fest. 

Im Zuge der Entwicklung erhielten die Postbeamten den Titel als Postmeister. In der Klosterstadt gab es 1917 den ersten Postmeister. 

Arne Richard Kristoffersen übte das Amt von 1950 bis 1967 aus. „Ihn und seinen Sohn Frode haben wir fast alle – mit Ausnahme der Konfirmanden – gekannt“, so Marion Mikkelsen Ohlsen. 

Postmeister Arne Richard Kristoffersen. Seine Uniform ist im Sonderburger Schlossmuseum zu sehen.

Bei Frode Kristoffersen handelt es sich um den vor zehn Jahren verstorbenen dänischen Journalisten, TV-Korrespondenten und EU-Parlamentarier, der in Lügumkloster beerdigt ist.

Die schicke, alte Postuniform von Arne Kristoffersen ist der Nachwelt erhalten geblieben, da sie im Museum im Schloss in Sonderburg (Sønderborg) zu sehen ist. 

Als eine Ära ausklang

Der letzte Postmeister in Lügumkloster war Viggo Stidsen Nielsen im Zeitraum von 1968 bis 1980. 

Die Postleitzahlen wurden landesweit im September 1967 eingeführt. 1989 zog die Poststelle in Lügumkloster von der Vestergade an den Dravedvej in ein neues Posthaus. 

Der Postmeister Kristoffersen (rechts) mit seiner Frau und seinem Mitarbeitertenden.

20 Jahre später reduzierte die Post ihren Auftritt in Lügumkloster auf einen Postladen in der örtlichen Bibliothek.

Anno 2026 dient das frühere Posthaus als Trainingscenter. Anlaufstelle für Postgeschäfte ist mittlerweile die Buchhandlung in der Markedsgade.

Vorstandsmitglied Georg Thomsen (rechts) dankte Vagn Lauritzen für seine interessanten Ausführungen.

„Der Vortrag war wirklich interessant. Vagn weiß sehr viel, und er konnte prompt die vielen Fragen beantworten“, fasst Marion Mikkelsen Ohlsen abschließend zusammen.