Wirtschaft

Wie „Søndertysk Gardening“ auf Alsen Wurzeln schlägt

Leben seit vier Jahren auf Alsen: Lasse und Jasmin Vollmann

Lasse und Jasmin Vollmann haben in der Kommune Sonderburg ein neues Leben begonnen – und ihr eigenes Gartenbau-Unternehmen gegründet. Unter dem Namen „Søndertysk Gardening“ gestalten sie Gärten von der Neuanlage bis zur Pflege. Wie sie den Schritt in die Selbstständigkeit in Dänemark erlebt haben, welche Erfahrungen sie im Alltag machen und welche Rolle ihr Qualitätsverständnis dabei spielt.

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Zusammenfassung

  • Ein deutsches Paar hat sich auf Alsen mit dem Gartenbau-Betrieb „Søndertysk Gardening“ selbstständig gemacht.
  • Sie bieten von Neu- und Umgestaltung über Pflege bis zu Baumfällungen ein breites Spektrum an Arbeiten an und haben dafür inzwischen Mitarbeitende eingestellt.
  • Mit dem Anspruch „deutsche Qualität“ setzen sie auf gründliche Planung und langlebige Ausführung und berichten von Chancen und Herausforderungen ihres Neustarts.

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Zwischen Erdhaufen, frischer schwarzer Erde und einem Bagger entsteht in einem Garten in Höruphaff (Høruphav) gerade etwas völlig Neues: Die alte verwucherte Hecke ist verschwunden, statt hoher Sträucher sieht man offene Flächen, Kantensteine, Terrasse und Pflastersteine – ein Garten im Werden.

Auf der nackten Erde steht Lasse Vollmann, neben ihm seine Frau Jasmin, die mit prüfendem Blick die nächste Pflanzfläche im Kopf durchgeht. Hier zeigt sich, was ihr Unternehmen „Søndertysk Gardening“ aus Miang (Mjang) auf Alsen (Als) ausmacht: eine deutsche Fachausbildung, dänischer Alltag und ihr eigener Anspruch an Qualität.

Vom Bremer Umland nach Alsen

Lasse (38) und Jasmin Vollmann (40) stammen aus der Region zwischen Bremen und Hamburg und waren dort rund zehn Jahre im Garten- und Landschaftsbau selbstständig. In Deutschland führte vor allem Garten- und Landschaftsbauer Lasse den Betrieb, während Jasmin als ausgebildete Gärtnerin wegen Mutterschutz und Familie zunächst kürzertrat und später in die Gartenpflege einstieg.

Lasse Vollmann in seinem Bagger

Sohn Kalle war beim Umzug nach Dänemark drei Jahre alt und kam direkt in einen dänischen Kindergarten. Heute ist er sechs Jahre alt, besucht die 0. Klasse einer dänischen Friskole, spricht fließend Dänisch und kann bereits lesen.

2022 wanderte die Familie in die Kommune Sonderburg (Sønderborg) aus und kaufte auf der Suche nach einem ruhigeren Leben in Miang (Mjang) einen Hof mit rund 1,8 Hektar. Genug Platz für Maschinen, Material und das Holz aus eigenen Baumfällungen, mit dem im Winter geheizt wird.

Erst angestellt, dann Neustart als Firma

Statt direkt wieder voll in die Selbstständigkeit zu gehen, ließ sich Lasse nach der Ankunft zunächst ein halbes Jahr in einem Gartenbaubetrieb in Augustenburg (Augustenborg) anstellen. Dort lernte er Materialien, Abläufe und die Arbeitskultur in Dänemark kennen. Parallel übernahm er bereits am Wochenende kleinere Aufträge – in Absprache mit dem Arbeitgeber. Als die Nachfrage immer größer wurde, war klar, dass der Schritt in eine eigene Firma in Dänemark ansteht.

Irgendwann kommt der Alltag, der Winter ist grau, und dann fragt man sich schon: Passt das alles so?

Jasmin Vollmann

Und so kam es: Im März 2023 gründeten die beiden ihr Unternehmen „Søndertysk Gardening“. Die Registrierung und der Start in die Selbstständigkeit erlebten sie im dänischen System als deutlich unkomplizierter als in Deutschland: viele Formalitäten laufen digital, die bürokratischen Hürden empfanden sie als niedriger.

Jessica Vollmann ist gelernte Gärtnerin und bietet unter anderem Heckenpflege an.

„Der Weg in die Selbstständigkeit war in Dänemark erstaunlich unkompliziert. Man gibt online an, was man machen möchte, bekommt seine CVR-Nummer – und dann darf es im Grunde schon losgehen“, erzählt Lasse.

Was „Søndertysk Gardening“ anbietet

Der Name „Søndertysk Gardening“ ist ein bewusst gewähltes Wortspiel aus „Sønderjysk“ und „tysk“ und soll die deutsch-dänische Verortung des Betriebs sichtbar machen.

„In der Region wird viel Sønderjysk gesprochen, und gleichzeitig sind wir eben ‚tysk‘. Aus diesem Wortspiel ist dann ‚Søndertysk Gardening‘ entstanden“, erklärt Jasmin. „Viele finden den Namen einfach witzig und bleiben daran hängen. Manche verstehen ihn nicht auf den ersten Blick, aber eigentlich sorgt er fast immer für ein Lächeln“, sagt Lasse.

Hier in einem Wohngebiet in Höruphaff legt das Unternehmen einen komplett neuen Garten an.

Lasse verantwortet vor allem die großen Projekte: Pflasterarbeiten, Einfahrten, Stützmauern, komplette Neuanlagen und Umgestaltungen, meist mit Bagger und anderen Maschinen. Jasmin kümmert sich gemeinsam mit einer Kollegin um die laufende Grünpflege: pflanzen, Hecken schneiden, Rasen mähen, Unkraut entfernen – alles, was Gärten langfristig gepflegt und nutzbar hält.

Ein wichtiges Standbein, gerade außerhalb der Hauptsaison, sind Baumfällungen und Spezialfällungen mit Hebebühne in engen Gärten oder nahe Gebäuden. Das Holz wird auf Wunsch vor Ort gehäckselt oder als Stammholz beim Kunden belassen; vieles landet aber auch bei den Vollmanns, wird gespalten und als Brennholz genutzt.

Höhen und Tiefen nach dem Auswandern

Die ersten Jahre in Dänemark beschreiben Lasse und Jasmin als Mischung aus großer Herzlichkeit und typischen Auswanderer-Zweifeln. Sie fühlten sich im Dorf in Mjang herzlich und schnell angenommen, doch nach etwa anderthalb Jahren sei das anfängliche „Urlaubsgefühl“ verflogen.

Um auch im Winter Aufträge zu erhalten, haben sich die Vollmanns auf Spezial-Baumfällungen spezialisiert. Auf dem Foto fällt Lasse Vollmann eine von Pilz befallene Kastanie, die sehr nah an einer Scheune stand.

„Natürlich gab es Höhen und Tiefen. Nach dem Umzug fühlt sich vieles erstmal wie Urlaub an – aber irgendwann kommt der Alltag, der Winter ist grau, und dann fragt man sich schon: Passt das alles so?“, erzählt Jasmin.

Und die Frage stand im Raum: Wie kommt ein junges Gartenbauunternehmen durch die ruhigeren Monate? Um die Winterzeit zu überbrücken, setzten sie früh auf Baumfällung und Schnittarbeiten, die auch bei milderen Temperaturen ohne starken Frost möglich sind. 

Wachstum statt Dauer-Überstunden

Die Auftragslage entwickelte sich schnell positiv. Bald mussten Lasse und Jasmin Anfragen ablehnen, weil sie zu zweit nicht mehr hinterherkamen. Gleichzeitig merkten beide, dass sie erneut in ein Muster rutschten, das sie aus Deutschland kannten: zu lange Tage, zu wenig Freizeit, sinkende Lebensqualität.

Im Frühjahr 2026 zogen sie die Konsequenz: Seit dem 1. April arbeiten eine dänische Mitarbeiterin und ein deutscher Mitarbeiter bei „Søndertysk Gardening“. Sie verstärken jeweils Lasses und Jasmins Team. 

Jasmin und Lasse Vollmann mit einer ihrer Maschinen, mit denen sie ihr Unternehmen betreiben.

Die Entscheidung, Angestellte einzustellen, war für das Paar ein mutiger, aber bewusster Schritt. Sie wollten den Betrieb weiterentwickeln, ohne selbst dauerhaft an der Grenze der Belastbarkeit zu arbeiten – und gleichzeitig mehr Kundenanfragen bedienen können.

„Deutsche Qualität“ im dänischen Garten

Auf ihrer Außendarstellung werben Lasse und Jasmin mit „deutscher Qualität“ – dahinter steckt mehr als ein Slogan. Lasse, ausgebildeter Garten- und Landschaftsbauer im sogenannten „grauen Bereich“, beschreibt die eigene Arbeitsweise als besonders gründlich und technisch durchdacht. 

Beim Pflastern etwa achten sie genau auf Gefälle, Tragfähigkeit und Schichtaufbau: Wie dick ist die Schotterschicht? Wie viele Zentimeter Sand sind sinnvoll? Wo braucht es Beton- oder Randkanten, damit sich eine Einfahrt nicht verschiebt, wenn Autos in Kurven einfahren?

Immer wieder werden sie gerufen, um Flächen auszubessern, die von anderen Firmen angelegt wurden und schon nach wenigen Jahren massive Mängel zeigen: abgesackte Bereiche, verschobene Steine, Spurrinnen. Häufig liegt das an zu dicken Sandschichten oder fehlenden Kanten, die den Belag nicht halten. Auch beim Obstbaumschnitt erlebt Jasmin regelmäßig „verschnittene“ Bäume, bei denen ohne fachliche Kenntnisse einfach drauflos beschnitten wurde.

Lasse Vollmann sagt: „Gerade beim Pflastern schauen wir sehr genau auf Gefälle, Unterbau und Material. Es soll nicht nur schön aussehen, sondern auch nach Jahren noch stabil sein.“

„Wenn wir von deutscher Qualität sprechen, meinen wir unseren eigenen Anspruch: gründlich arbeiten, technisch sauber planen und so bauen, dass es viele Jahre hält“, betont Lasse. Ein Garten solle nicht nur im ersten Sommer gut aussehen, sondern auch nach Jahren noch stabil sein und funktionieren.

Die Schaufel des Baggers ruht, nur die dunkle, frisch bewegte Erde erzählt noch davon, was hier in den vergangenen Stunden passiert ist – und wird. Lasse und Jasmin stehen Seite an Seite in dem noch nackten Garten in Höruphaff – und man ahnt, dass sie schon genau sehen, wie hier bald ein fertiger Garten entsteht. Solide gebaut wie ihr neues Leben in Dänemark.