Kultur und Soziales

Wenn Kochen verbindet: Wie aus Fremden eine Gemeinschaft wird

In der Küche des „NygadeHuset“ wird gemeinsam gekocht. Das Projekt richtet sich an Menschen, die Gemeinschaft suchen.

Mit Essen, Musik und Gesprächen schafft Aabenraa Live ein Angebot für Menschen, denen Gemeinschaft fehlt – und trifft damit einen Nerv. 

Veröffentlicht

Zusammenfassung

  • Im NygadeHuset bringt das Projekt „Aabenraa Live Social“ einsame Menschen beim gemeinsamen Kochen zusammen.
  • Rund zehn Teilnehmende zwischen 30 und 60 Jahren erleben neue Gemeinschaft, gemeinsame Konzertabende und wachsende Freundschaften.
  • Finanziert durch die deutsch-dänische Kulturvereinbarung übernimmt die Gruppe künftig Essensstände bei Festivals und sucht weitere Mitstreiter.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Der Duft von frischen Gewürzen zieht durch das „NygadeHuset“. In der Küche wird geschnippelt, gelacht, abgeschmeckt. Hände greifen ineinander, Aufgaben wechseln, jemand ruft nach Salz. Es ist kein Restaurant – hier entsteht Gemeinschaft.

Ziel: Menschen zusammenbringen

Der kommunale Veranstalter Aabenraa Live hat mit „Aabenraa Live Social“ ein neues Projekt gestartet. Die Idee: Menschen zusammenbringen, die im Alltag oft allein bleiben. Menschen, denen es schwerfällt, Teil einer Gemeinschaft zu sein, wie Initiator Thomas Mathiesen sagt. „Genau für diese Menschen wollen wir ein Angebot schaffen“, fügt er hinzu.

Seit März treffen sich rund zehn Teilnehmende regelmäßig. Frauen und Männer zwischen 30 und 60 Jahren, wie Mathiesen das Alter schätzt. Einige sind arbeitslos, andere alleinstehend, aus anderen Gründen sozial isoliert oder wollen einfach nur ihr Netzwerk erweitern. Was sie verbindet: der Wunsch, wieder Anschluss zu finden oder Teil einer neuen Gemeinschaft zu sein.

Bringt Freude ins Leben

Für Teilnehmerin Ruth Faber ist genau das der Kern: „Für mich ist ein Netzwerk wichtig. Ich bin ein sehr sozialer Mensch, komme gern mit Leuten zusammen und freue mich, hier eine neue Gemeinschaft gefunden zu haben.“ Sie liebt es zu kochen und Musik zu hören – beides kommt hier zusammen. „Das Projekt bringt Freude ins Leben. Das spüre ich bei mir, aber auch bei den anderen.“

Ruth Faber sucht neue Netzwerke.

Sie kam über einen Bekannten dazu. „Ich fand das sofort interessant und habe mich bei Thomas gemeldet.“ Heute ist sie Teil der Gruppe – und sieht, was entsteht: „Es ist schwer, eine Gemeinschaft aufzubauen. Hier ist es gelungen.“ Besonders die gemeinsamen Abende bleiben ihr im Kopf. „Wir freuen uns jedes Mal aufs Neue. Und wir machen auch den Künstlerinnen und Künstlern eine Freude, wenn wir sie mit gutem Essen bewirten.“

„Einer der Teilnehmer hat nach dem letzten Treffen zu mir gesagt: ‚Das war der schönste Tag in meinem Leben‘", erzählt Mathiesen. Ein Satz, der ihm im Gedächtnis bleibt. Er ist sichtlich gerührt – auch noch Tage danach. „Das sei die Arbeit dann Wert", findet er. 

Professionell begleitet

Aabenraa Live

  • ist eine unabhängige Einrichtung, die das Kulturleben in der Kommune fördert;
  • koordiniert und veranstaltet auf breiter Ebene Konzerte und Musik-Events;
  • soll sowohl die etablierte als auch eine neue Musikszene stärken;
  • soll neue Konzertformate und künstlerische Entwicklungsprojekte über Stadtgrenzen hinweg in der gesamten Kommune Aabenraa anstoßen.

2022 ist Aabenraa Live von der „Staatlichen Kunststiftung“ (Statens Kunstfond) zum Genre- und Netzwerkveranstalter ausgerufen worden. Damit ist die Einrichtung verpflichtet, breit angelegte musikalische Veranstaltungen, verteilt über die ganze Kommune, anzubieten.

Aabenraa Live arbeitet zusammen mit

  • NygdeHuset,
  • Sønderjyllandshallen,
  • Arena Aabenraa,
  • Stampenborg,
  • Damms Gård,
  • Ensted Folk, Rock & Viseforening,
  • KulturBoxen,
  • Sankt Jürgenskirche,
  • Galleri: Kunst elsker Aabenraa.

In der Küche steht Esben Krogh. Früher arbeitete er unter anderem im „Restaurant Fakkelgaarden“, heute ist er Lehrer an einer Freischule und begleitet das Projekt als Koch. Er leitet die Gruppe in der Küche an, plant die Menüs, verteilt Aufgaben und bringt mit seiner Küchenerfahrung Struktur in den Ablauf.

Koch Esben Krogh managt die Küche mit sicherer Hand.

Gemeinsam bereitet die Gruppe Mahlzeiten zu – nicht nur für sich selbst. Auch die Künstlerinnen und Künstler, die später im „NygadeHuset“ auftreten, werden bewirtet. Danach sitzen alle zusammen, essen, kommen ins Gespräch – und gehen anschließend gemeinsam zum Konzert.

Schon jetzt zeigt sich, was möglich ist. „Die Stimmung hat sich schon beim zweiten Treffen verändert“, sagt Mathiesen. Die Gruppe wachse zusammen, erste Beziehungen entstehen. Das findet auch Ruth Faber. „Es hat sich eine Gruppendynamik entwickelt. Wir verstehen uns gut“, berichtet sie.

Kochen für viele als Spitzenaufgabe

Der Höhepunkt soll der Sommer werden. Beim Festival am Brundlund Slot übernimmt die Gruppe einen eigenen Essensstand. Auch beim Jazzfestival im Herbst ist eine ähnliche Aufgabe geplant. Die Aufgabe dann: Gemeinsam Verantwortung übernehmen und sichtbar sein – das gehöre zum Konzept, so Thomas Mathiesen.

Geplant sei auch ein gemeinschaftliches Essen (fællesspisning), für das die Gruppe kochen soll. Dort sollen sich Bürgerinnen und Bürger dann anmelden und teilnehmen können. So werde noch mehr Gemeinschaft gefördert, ist sich Mathiesen sicher. 

„Wir wollten soziale Verantwortung übernehmen“, sagt der Leiter. Und vielleicht auch ein Beispiel geben. Für andere Kommunen, für andere Initiativen.

Schon jetzt zeigt sich, was möglich ist. Und es dürfen gern noch mehr Menschen dazukommen. Wer Interesse hat, kann sich bei Aabenraa Live melden und auch jetzt noch teilnehmen.

Mittelalte Person im schwarzen T-Shirt lehnt lächelnd mit verschränkten Armen an einer hellen Wand.
Thomas Mathiesen hat mit seinem Team das Projekt „Aabenraa Live Social“ entwickelt.

Das Projekt läuft zunächst an fünf bis sechs Terminen im Jahr – vom Frühjahr bis zum Herbst. Finanziert wird es durch die deutsch-dänische Kulturvereinbarung, die Aabenraa Live über vier Jahre hinweg jährlich mit 100.000 Kronen unterstützt.