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Fuglsang baut die Zukunft – und die nächste Generation liefert den Algorithmus

Christian Fuglsang hat das Programm für die neue CO₂-neutrale Energiezentrale der Fuglsang-Mälzerei entwickelt. Im Herbst soll sie den Betrieb aufnehmen.

In der Haderslebener Mälzerei Fuglsang entsteht eine Energiezentrale, die künftig selbst steuert, wann sie Strom nutzt. Die Software dafür hat Christian Fuglsang entwickelt – Ingenieur aus der Unternehmerfamilie.

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Zusammenfassung

  • In der Mälzerei Fuglsang in Hadersleben entsteht eine CO₂-neutrale Energiezentrale mit großen Wärmespeichern.
  • Ein von Christian Fuglsang entwickelter Algorithmus steuert automatisiert, wann günstiger Strom zum Erwärmen und Speichern von Wasser genutzt wird.
  • Die Anlage stabilisiert bei Überschussstrom das Netz, senkt langfristig Kosten und ermöglicht die CO₂-neutrale Malzproduktion.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Christian Fuglsang bleibt stehen und schaut nach oben. Neben ihm ragen zwei riesige Wassertanks in die Höhe, dahinter steht ein neues Gebäude. Rohre ziehen sich über das Gelände der Mälzerei. Am Firmensitz in Hadersleben (Haderslev) entsteht zurzeit die CO₂-neutrale Energiezentrale der Fuglsangs. Im Klartext: Im Endeffekt entstehen keine CO₂-Emissionen. Nach zahlreichen Investitionen in Energieoptimierung ist dies nun die Energiewende 2.0 bei Fuglsang.

Der 25-jährige Ingenieur erläutert die Baupläne der Energiezentrale der Fuglsang-Mälzerei.

Einfach gedacht, kaum zu überblicken

Vier Jahre Planung sind dem Neubau vorausgegangen, „vor allem Genehmigungen, Abstimmungen mit der Kommune haben ihre Zeit gebraucht“, sagt Claes Fuglsang. Er ist der technische Direktor des Familienunternehmens und Vater von Christian. Sein Sohn Christian, ausgebildet an „Danmarks Tekniske Universitet“ (DTU), ist der Mastermind der Anlage.

Noch sieht das Ganze aus wie eine große Baustelle.

Wenn der Strom billig ist, fährt die neue Anlage hoch und erwärmt Wasser. Die Wärme muss nicht sofort verbraucht werden, sondern kann in den zwei Tanks von jeweils 3.000.000-Liter gespeichert werden. Wird der Strom teurer oder steigt der Bedarf im Betrieb, greift die Anlage auf diese gespeicherte Wärme zurück.

Der Algorithmus übernimmt

Diese Entscheidungen trifft künftig nicht mehr ein Mensch, sondern Christians Software.

„Eigentlich ist das alles ganz einfach“, sagt er und lächelt. Aber bei Fuglsang wird es doch kompliziert: Strompreise, Speicherstände und Produktionsabläufe greifen in seinen Algorithmen ineinander.

Hinzu kommen permanente Aktualisierungen der Strompreisprognosen für die kommenden sieben Tage, die abhängig von Wind und Sonne sind. Daraus entsteht eine Unzahl an Möglichkeiten, „mehr als die Anzahl der Atome im Universum“.

Luftaufnahme der im Bau befindlichen CO₂-neutralen Energiezentrale von Fuglsang mit großen Wärmespeichertanks am Firmensitz in Hadersleben

Hilfe von „Julia“

Fuglsang hat für diese Abläufe die Software entwickelt – mithilfe der Programmiersprache „Julia“ werden Christians Algorithmen die Energiezentrale steuern. Dafür hat der junge Ingenieur bereits viel Anerkennung aus der Energie-Branche bekommen und eine eigene Firma gegründet: „Fuglsang Green Engineering“ mit Sitz in Kopenhagen.

Innovationspreis und einer der besten seines Jahrgangs

Mehr noch: Fuglsangs Masterarbeit, die sich mit dieser Art der Prozessoptimierung in Energiesystemen befasst. 2024 hat DTU ihm dafür den Innovationspreis in der Kategorie Masterarbeiten „Grøn Dyst“ verliehen. Im selben Jahr war Fuglsang in seiner Sektion unter den Top-3-Finalisten für die beste Masterarbeit seines Jahrgangs.

Jetzt darf sich der 25-Jährige auch im Familienunternehmen an der Ripener Landstraße beweisen. Sein Programmgerüst steht. Schritt für Schritt entsteht auch die Energiezentrale an jenem Ort, an dem einst das alte Packhaus stand.

Mit seiner Software hat Christian Fuglsang bereits für einiges Aufsehen in der Branche gesorgt. Auch hat der 25-Jährige seine eigene Firma gegründet.

Die Energieernte

In den Neubau zieht demnächst auch eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ein. Sie wird Energie verdichten, die beiden riesigen Tanks speichern sie – und die Rohrleitungen verteilen sie im Betrieb, wenn sie benötigt wird. CO₂-neutral. Mehr noch: wenn die Strompreise ins Minus gehen, bei zu viel Windmühlen- und Sonnenstrom, schöpft die Anlage Überschussstrom aus dem Netz, womit sie das Stromnetz stabilisiert.

„Wir nutzen intern alle Formen und selbst kleine Mengen von Energie, die bei uns anfallen – wir ernten sozusagen Überschussenergie“, sagt Christian Fuglsang.

Fit für die Zukunft

Die Berechnungen haben ergeben, so Fuglsang, dass sich die Investition in fünf bis acht Jahren amortisiert haben wird: „Noch wichtiger ist: Mit der Anlage machen wir den Betrieb fit für die Zukunft, erfüllen die Anforderungen unserer Kunden – und können Malz CO₂-neutral herstellen.“