Bildung

Zwei Sprachen, ein Unterricht: Ein besonderes Lernkonzept an der LAS

Unterrichten gemeinsam: Frauke Andresen Steiner (links) und Angela Kittel.

Bildung: Ein einzigartiges Unterrichtskonzept fördert den Austausch. Deutsch- und Dänischlehrerin arbeiten zusammen, um kulturelle Unterschiede zu vermitteln. Einblicke in eine besondere Lernatmosphäre.

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Zusammenfassung

  • An der Ludwig-Andresen-Schule unterrichten eine Deutsch- und eine Dänischlehrerin gemeinsam in einer zweisprachigen Stunde.
  • Anlassbezogen, etwa zur Folketingswahl, vergleichen die Kinder spielerisch Politik, Sprache und Alltag in Deutschland und Dänemark.
  • Mit Identitätsheften und Gesprächen über Mehrsprachigkeit stärken sie ihr Gefühl für eigene Wurzeln und erleben mehrere Nationalitäten als Bereicherung.

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„Ved nogen, hvilken særlig dag det er i Danmark i dag?“, fragt Frauke Andresen Steiner in die Klasse. „Heute ist Dienstag“, lautet die schnelle Antwort eines Schülers. Die Lehrerin schmunzelt.

Das ist zwar richtig, worauf Frauke Andresen aber eigentlich hinauswollte: An diesem Tag wird das Folketing gewählt.

Dieses kurze Frage-Antwort-Spiel ist zugleich ein Paradebeispiel für den Charakter des Unterrichts, der an jenem Märzmorgen im Klassenzimmer der 3. Klasse der Ludwig-Andresen-Schule (LAS) in Tondern (Tønder) stattfindet. Mit den Sprachen wird hier selbstverständlich wild hin- und herjongliert.

Gemeinsam lehren, gemeinsam lernen

Deutschlehrerin Angela Kittel und Dänischlehrerin Frauke Andresen unterrichten beide Sprachen gemeinsam – einmal pro Woche für zwei Schulstunden. Abwechselnd führt zunächst die eine, dann die andere durch den Unterricht.

Jetzt leitet Andresen Steiner die Stunde – was nicht bedeutet, dass Angela Kittel nicht vollkommen präsent ist. Sie sitzt etwas seitlich neben der Tafel, während die Kollegin davor steht.

Die Folketingswahl haben sie heute zum Anlass genommen, um einige Unterschiede zwischen Deutschland und Dänemark zu besprechen.

Angela Kittel und Frauke Andresen Steiner schauen in die Identitätshefte der Schülerinnen und Schüler.

Die beiden Lehrerinnen ergänzen sich gut: Zunächst erklärt Frauke Andresen, wie Wahlen in Dänemark ablaufen, anschließend ergänzt Angela Kittel, wer in Deutschland die politischen Entscheidungen trifft. Die Klasse hört aufmerksam zu und arbeitet engagiert mit – von Langeweile keine Spur.

Ein besonderes Projekt ist das Identitätsheft der Schülerinnen und Schüler. Darin haben sie Körperteile in den Farben verschiedener Landesflaggen gestaltet – ganz nach ihrem persönlichen Empfinden.

Der Kopf ist dänisch – der Bauch deutsch

So entstehen Körper mit mehreren „Nationalitäten“: deutsch, dänisch, aber auch niederländisch oder italienisch. Eine Schülerin hat etwa ihre Beine dänisch rot-weiß gestaltet, die Füße hingegen in den Farben der deutschen und dänischen Flagge.

„Vielleicht sind die Beine dänisch, weil du in Dänemark lebst, und die Füße deutsch-dänisch, weil du auch manchmal über die Grenze fährst“, interpretiert Frauke Andresen.

Die Stimmung ist locker, und die Schülerinnen und Schüler haben merklich Spaß an dem Unterricht und den Themen rund um das deutsch-dänische Miteinander und dem Erkunden ihrer Identität.

Alle sind sich einig: Mehrere Nationalitäten zu haben, ist ein Geschenk. Man könne sich immer die „rosine i pølseenden“ heraussuchen, sagt Andresen Steiner lachend. Ihre Kollegin wird neugierig: „Das kenne ich nicht. Was bedeutet dieser Spruch?“ Gemeinsam wird übersetzt – und schnell das deutsche Pendant gefunden: „Man pickt sich die Rosinen heraus.“

Gemeinsam Parallelen und Gegensätze erkennen

Und auch solche Situationen sind es, die diese Form des Unterrichts so besonders machen. Alle werfen in den Topf, was sie wissen – auf Deutsch und auf Dänisch. So werden Parallelen in Grammatik und Sprichwörtern oder auch Traditionen gefunden – oder es wird erkannt, wo sich die beiden Sprachen und Nationen doch stark voneinander unterscheiden.

Es ist ein Miteinander, in dem jeder Input individuell und wertvoll ist.

„Wir sind sehr glücklich, wie es läuft, und merken auch, dass die Schüler Spaß haben“, sagt Frauke Andresen nach dem Unterricht. Sie seien richtig enttäuscht, wenn nur eine der beiden Lehrerinnen zum Unterricht auftaucht.

Es ist das dritte Jahr, in dem sie gemeinsam unterrichten. „Wir sind mittlerweile ein richtig gut eingespieltes Team und ergänzen uns sehr gut“, fügt Angela Kittel hinzu.

Beide möchten dieses Unterrichtkonzept nicht mehr missen und hoffen, dass auch andere Schulen sich inspirieren lassen.