Deutsche Minderheit 

Kirchenvertretertagung in Tingleff: Die Nordschleswigsche Gemeinde zwischen leisen Tönen und mehr Demokratie

Drei Personen stehen lächelnd in einem Konferenzsaal mit Holzvertäfelung
Bischöfin der Nordkirche Nora Steen (Mitte) mit dem wiedergewählten Senior der Nordschleswigschen Gemeinde, Matthias Alpen, und seiner ebenfalls wiedergewählten Stellvertreterin, Cornelia Simon.

Gemeinschaft: Die Nordschleswigsche Gemeinde stärkt ihre demokratischen Strukturen. Matthias Alpen bleibt Senior, während Horst Leithoff als Kirchenältester neu gewählt wird. Weitere Personalentscheidungen und ein Ausblick auf kommende Veranstaltungen wurden präsentiert.

Veröffentlicht Geändert

Zusammenfassung

  • Die Kirchenvertretertagung in Tingleff betonte die Bedeutung leiser, unspektakulärer Formen kirchlichen Wirkens und des sensiblen Hörens auf Zwischentöne.
  • Matthias Alpen wurde demokratisch als Senior bestätigt, neue Kirchenälteste und Mitarbeitende traten ihre Ämter an, während die Gemeinde stabile Finanzen vorweisen kann.
  • Berichtet wurde zudem über anstehende Aktionen wie das Ansgar-Jubiläum und eine Radtour der Bischöfin sowie über synodale Debatten zu Klimaschutz, Finanzlage und dem Umgang mit rechten Tendenzen.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Sanfte Klaviermusik durchdrang die Flure, gespielt von Kirchenmusiker Mirko March. Es war eine atmosphärische Begrüßung in der Aula der Deutschen Nachschule Tingleff. 

Die Kirchenvertretertagung der Nordschleswigschen Gemeinde hingegen ging zackiger vonstatten. Nachdem alle Plätze besetzt waren, drückte die Vorsitzende Mary Tarp aufs Tempo und übergab nach wenigen Sekunden das Wort an Bischöfin Nora Steen, die eigens aus Schleswig (Slesvig) anreiste, um die Andacht zu halten.

Frau mit Brille und grünem Pullover lächelt in einem beleuchteten Flur.
Bischöfin Nora Steen

Nordschleswigsche Gemeinde: Sensibilität für das Leise 

Sie baute auf die Tageslosung auf, die Gottes Wirken im Stillen beschreibt (1. Könige 19, 11-12). Eine alte Geschichte, die so frisch sei, als wäre sie erst geschrieben worden, sagt Steen. Sie erzählt die Geschichte des Propheten Elija auf dem Weg zum Berg Horeb. Elija, der sich in seinem Dienst aufgerieben hat und sterben will, wird von Gott ermutigt, aufzustehen und weiterzumachen. In einer Höhle am Berg erfährt er schließlich Gottes Gegenwart in einem „leisen Säuseln“. 

Die Kernbotschaft: Gott zeigt sich oft nicht im Spektakulären, dem Sturm, dem Erdbeben oder dem Feuer, sondern im sanften, leisen Wirken – den ruhigen Tönen. 

„Wir kennen das Gefühl, drehen uns im Hamsterrad. Wir tun und machen“, so Steen. Blicke man dann auf die Kirchenaustritte, frage man sich, wofür man immer neue Ideen entwickelt. 

Mary Tarp berichtete wenig später über 17 verstorbene Mitglieder, 29 Austritte und drei beendete Mitgliedschaften, denen 15 Neueintritte gegenüberstehen. 

Steen schlägt den Bogen zu einer „ganz besonderen Gemeinde, mit einer besonderen Aufgabe“. Die Nordschleswigsche Gemeinde sei „Brückenbauer zwischen Ländern, Kulturen und auch christlichen Kulturen.“ Dabei müsse man gut geschult sein, „auf die leisen Töne, die Zwischentöne zu hören.“ Es brauche Sensibilität für das Leise, auf das, was zwischen lauten Tönen gesagt werde. 

Seniorwahlen mit „demokratischem Rückenwind“

An diesem Mittwochabend in der Nachschule Tingleff stehen auch die Wahlen zum Senior und der Stellvertretung an. Der Losungstext passe daher gut zu dem Tag, so Steen. Eine Führungsperson brauche zwar auch mal eine laute Stimme, müsse aber genauso die Tonalität treffen.  

Für die anstehende Wahl zum Senior hat der Pastorenkonvent im Vorfeld Matthias Alpen vorgeschlagen. Neu ist, dass die Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter nach einer Satzungsänderung, die im vergangenen Jahr nach einer Idee von Nora Steen ausgearbeitet und Ende März genehmigt wurde, demokratisch über den Vorschlag abstimmen können. 

„Die Umsetzung der Satzungsänderung ging richtig schnell und war eine tolle Zusammenarbeit“, lobt die Bischöfin. „Es ist kein Wunder, aber ein Hoffnungszeichen.“ Hier in die Kirchenvertretertagung gehöre diese Wahl hin. 

Auch Nora Steen warb vorab für die Wiederwahl Alpens. Er bringe viel für diese Aufgabe mit. Der gelernte Tischler Alpen sei „in seiner Person immer für eure Gemeinde mit da“, so die Bischöfin im Hinblick auf die vielen Termine und Zuständigkeiten, aber auch als Pastor im Pfarrbezirk Hoyer-Lügumkloster. Dabei lobte sie die gute Zusammenarbeit.

Matthias Alpen bleibt Senior der Gemeinde

Wenig später wird Matthias Alpen mit 39 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen wiedergewählt. „Es freut mich natürlich, und eine geheime, demokratische Wahl gibt es einen ganz anderen Rückenwind, einen demokratischen Rückenwind. Insofern bin ich froh, dass es geklappt hat.“

Auch seine Stellvertreterin Cornelia Simon wird einstimmig im Amt bestätigt. 

Neu ist auch eine Aufgabenbeschreibung für den Senior. Waren die Aufgaben lange „unsichtbar“, sind diese nun schwarz auf weiß in der Satzung zu finden. 

Matthias Alpen vertritt die Gemeinde nach außen, in der Minderheit und nach innen. Er hat Kontakt zu dänischen Bischöfen zur Nordkirchengemeinde und schaut auch immer wieder über die Grenze. Die Leitung der Nordschleswigschen Gemeinde benötige am meisten Zeit, konstatierte Alpen vor der Wahl in einer kurzen Bewerbungsrede. „Der Senior ist Ansprechpartner.“ Gleichzeitig müsse er in Zukunft neue Impulse setzen und Weichen stellen – für die Minderheit und die Mitglieder der Gemeinde.

Kirchenältester im Pfarrbezirk Buhrkall wird abgelöst

Auch eine weitere Wahl gab es. Der Kirchenälteste im Pfarrbezirk Buhrkall, Georg Thomsen, stellte sich nicht wieder auf. Seine Nachfolge übernimmt Horst Leithoff, der ohne Gegenstimmen bei einer Enthaltung gewählt wurde. Angela Andresen wurde einstimmig als Stellvertreterin im Amt bestätigt. 

Wechsel auch im Kirchenbüro 

Mary Tarp zog ein positives Fazit in ihrem Bericht und gab auch eine neue Personalie bekannt. Weil Thea Blume Christensen als Buchhalterin im Kirchenbüro einen Neuanfang wagt, musste die vakante Stelle neu besetzt werden. Mit Mette Pedersen aus Lügumkloster (Løgumkloster) wurde eine Kandidatin ausgewählt, die bereits am kommenden Montag beginnt. 

Frau überreicht einer anderen Frau in einem Saal einen Blumenstrauß
Die Vorsitzende Mary Tarp (rechts) verabschiedet Thea Blume.

Gedacht wurde auch dem früheren Pastor Gerhardt Schmidt, der von 1968 bis 1982 in Lügumkloster die kirchliche Arbeit prägte. Er verstarb kürzlich im Alter von 89 Jahren.

Geschäftsführer Gerd Lorenzen ließ die Jahresrechnungen abnicken. Die Nordschleswigsche Gemeinde verfügt über ausgeglichene Finanzen und konnte für den Förderverein sogar einen Überschuss verbuchen. 

Ansgar-Jubiläum und Sommer-Radtour

In seinem Bericht als Senior wies Matthias Alpen auf das Ansgarjubiläum in diesem Jahr hin. Viele deutsche und dänische Veranstaltungen finden zwischen dem 21. und 24. Mai statt. Nora Steen und Bischöfin Marianne Christiansen werden einen Tag lang auf der Strecke zwischen Haithabu und Ribe pilgern. Die Kirchenvorstände der Minderheit kommen am 21. Mai in Ribe zusammen. Für den Termin sind noch wenige Restplätze frei. 

Ebenfalls in diesem Jahr radelt Bischöfin Nora Steen durch Nordschleswig. Vom 14. bis zum 16. August können Interessierte „ein Stück des Weges mitfahren“ oder an den Rastplätzen auf Steen treffen. Die mehrtägige Route stehe zwar noch nicht endgültig fest, so Alpen, doch die Fahrradfähre von Langballigau nach Ekensund (Egernsund) soll den Start markieren. 

Mann mit Mikrofon spricht in einem Saal vor sitzendem Publikum
Matthias Alpen warb für zwei Veranstaltungen in diesem Jahr.

Bericht von der Synode 

Elke Hußmann berichtete als Delegierte der Nordschleswigschen Gemeinde von den Aktivitäten der Landessynode, wo das Minus im Haushalt das Plus übersteigt. 

Auch hier habe man einen Zukunftsprozess angestoßen, so Hußmann. Dabei sei kein gemeinsamer Plan für die Nordkirche beschlossen worden, sondern individuelle Lösungen für verschiedene Bereiche als sinnvoller erachtet worden. 

Der Klimaschutz spielte auch eine große Rolle – von den Gebäuden über Energie bis zur Mobilität. 2040 will die Nordkirche klimaneutral sein. 

Der Sprengelbericht trug als Leitmotiv „Verhärtet eure Herzen nicht“ und wies auf die Gefahren von Rechts für die Demokratie hin. Hußmann selbst nahm an einem Workshop teil, wie man auf rechte Parolen reagieren kann. Sie mahnte dazu, auch in  Dänemark den Blick auf die vergangenen Wahlen zu richten und nicht die Augen vor Ressentiments und Fremdenfeindlichkeit zu verschließen. 

Menschen sitzen an Tischen und hören einem Vortrag vor einer Projektionsfläche zu
Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter traten mit den beiden Kandidierenden für den BDN-Vorsitz in regen Austausch.

Zum Abschluss der Tagung stellten sich die beiden Kandidierenden für den Vorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Stephan Kleinschmidt und Claudia Knauer, den Anwesenden vor, bevor der Abend bei Kaffee, Brötchen und Torte ausklang.