GASTKOMMENTAR

Einfach mal die Zusage einhalten

Sieht den Tag als wichtigen Erinnerungsanstoß: Claudia Knauer
Wer zusagt, sollte im Fall des Falles auch absagen, findet Claudia Knauer (Archivfoto).

Die Geschwindigkeit des gesellschaftlichen Wandels nimmt zu. Künstliche Intelligenz revolutioniert Arbeitsbereiche in kürzester Zeit. Leider haben sich auch die Manieren verändert – und das nicht immer zum Besseren, findet Claudia Knauer.

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Gastkommentar

Dieses ist ein Gastkommentar von einer Person, die nicht Teil der Redaktion des „Nordschleswigers” ist. Dieser Text gibt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Dass sich Gesellschaften verändern, ist ein alter Hut. Wir leben nicht mehr als Jägerinnen und Sammler. Wir bilden keine kleinen Dorfgemeinschaften mehr und die Königinnen und Könige haben in den seltensten Fällen noch ernsthaft etwas zu sagen. Die Veränderungen in den vergangenen Jahren zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie immer schneller und schneller stattfinden.

Die Eisenbahn, die ab ca. 1830 zunächst in England und später in Europa etabliert wurde, hat das Leben der Menschen über viele Jahrzehnte hinweg gemächlich verändert. Viele hatten zunächst gar keinen Zugang, die Linien waren begrenzt, die Geschwindigkeit überschaubar.

Das Internet wurde in den 90ern massentauglich und mit den Smartphones ab 2007 noch einmal weiter verbreitet. Innerhalb weniger Jahre hat es unsere Kommunikation vollständig auf den Kopf gestellt, Beleidigungen im Netz Tor und Tür geöffnet und schlussendlich zur Abschaffung der Briefpost via Post Nord in Dänemark geführt.

Die künstliche Intelligenz hat innerhalb von Monaten ganze Arbeitsbereiche umgewirbelt. Musik wird schon lange nicht mehr mit der Hand gemacht, ab jetzt komponiert die Maschine, schreibt Bücher, entscheidet in Einstellungsverfahren, schreibt Doktorarbeiten und stellt Diagnosen.

Die Geschwindigkeitszunahme scheint auch für den Wandel beim Benehmen zu gelten. Was gestern noch höflich und selbstverständlich war, ist heute offenbar überflüssig und Schnee von gestern. Noch vor ein paar Jahren hat man sich zu Veranstaltungen angemeldet und ist dann auch tatsächlich gekommen. Heute meldet man sich vielleicht an (vielleicht auch nicht), kommt dann aber nicht. Etwas anderes ist vielleicht spannender oder man hat einfach keine Lust und warum sollte man sich anstrengen? Absagen ist offenbar etwas für Feiglinge. Die anderen merken ja, dass man nicht kommt.

Dass jemand, ob als Veranstalter oder Privatperson, sich Mühe gemacht, geplant, vielleicht eingekauft und gekocht hat – geschenkt. Ist halt so. Unverbindlichkeit allerorten. Diese gesellschaftliche Erosion hat in einer Eile um sich gegriffen, dass es nur schaudern kann. Und die Politik liefert da keine guten Gegenbeispiele. Gewählt für eine Partei? Ja, aber deshalb muss man doch nicht dabei bleiben. Im neu gewählten Parlament gibt es bereits vor der ersten Sitzung drei fraktionslose Abgeordnete – zwei gingen selbst, einer wurde gegangen. Warum sich binden, wenn doch um die Ecke etwas angeblich Besseres locken kann?

Weil es schlechtes Benehmen ist! Weil es Menschen, ob Gastgeber oder Wählerin, verletzt!

Es bleibt zu hoffen, dass es auch hier einen ganz schnellen Wandel gibt: Hin zur Zusage, die eingehalten wird. Hin zu Gästen, die sich Mühe geben, dass die Einladung für alle zum Erfolg wird. Hin zu Politikern, die ihre Versprechen einhalten (zugegeben, Letztes mag sehr utopisch sein.)