Geschichte

Neue Vermittlungsformen sollen mehr Menschen den  Zugang in Museen erleichtern

Mikkel Leth Jespersen legte als Vorsitzender des Vereins „Historisk Samfund for Sønderjylland“ einen Rückblick auf die vielen Aktivitäten des Verbandes vor, der laufend Bücher zur Geschichte Nordschleswigs veröffentlicht.

Die Vorstandsleiterin des Verbundes „Museum Sønderjylland“, Mette Bock, sieht eine „Demokratisierung“ des Kulturerbes als Aufgabe der nordschleswigschen Museen. Die frühere Kulturministerin plädierte bei der Jahresversammlung des Geschichtsvereins „Historisk Samfund for Sønderjylland“ in Ballum für eine enge Zusammenarbeit über die Landesgrenze hinweg in Zeiten internationaler Erschütterungen.

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Zusammenfassung

  • Mette Bock kündigt im Museumsverbund neue Reformen und Vermittlungsformen an.
  • Archive und Sammlungen werden digitalisiert, um das Kulturerbe breiter zugänglich zu machen.
  • Die Museen setzen auf grenzüberschreitende Zusammenarbeit und stärken regionale Identität.

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Die seit rund einem Jahr amtierende Spitzenfrau des nordschleswigschen Museumsverbundes „Museum Sønderjylland“, die frühere Kulturministerin Mette Bock, hat weitere Neuerungen und Reformen im Betrieb der Museen unter anderem in Tondern (Tønder), Sonderburg (Sønderborg), Apenrade (Aabenraa) und Hadersleben (Haderslev) angekündigt. 

In ihrem Vortrag während der Jahresversammlung des Geschichtsvereins „Historisk Samfund for Sønderjylland“ in der Tagungsstätte Klægager in Ballum wies Mette Bock, die als Vorstandsleiterin tituliert wird, auf die erfolgreiche finanzielle Absicherung der reichen Museumslandschaft Nordschleswigs im Zuge der jüngsten Museumsreform hin. 

Die auch als frühere Chefin von „JydskeVestkysten“ und Medienexpertin bekannte und inzwischen als Pastorin tätige Theologin rühmte die von der kulturellen Vielfalt geprägten Museen im Verbund „Museum Sønderjylland“. 

„Wir haben mit dem vornehmen Standort Schloss Sonderburg oder auch dem liebenswürdigen Museum Hoyer Mühle Häuser von landesweiter Spitzenposition“, so Bock, die den Neid vieler Museen in Dänemark wegen der seit der Kommunalreform 2007 nach Nordschleswig fließenden staatlichen Mittel betonte. 

Diese Förderung habe sich der Museumsverbund aber auch verdient, weil sich seitdem die Museen gemeinsam in einer finanziellen Verwaltung, Vermittlung und Forschung ebenso wie in Sammlungen organisieren. Das sei sichtbar im gemeinsamen Archiv in Rothenkrug (Rødekro). 

Mette Bock, hier mit dem BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen, bei einem Besuch im Medienhaus in Apenrade

Wie intensiv an der Zukunft der nordschleswigschen Museen gearbeitet werde, sei anhand der bevorstehenden Sanierung des auf Kunst und Kulturgeschichte spezialisierten Museums in Tondern ebenso zu sehen, wie an den gerade vorgestellten Plänen für ein neues Museum in Apenrade. 

Erleichterter Zugang in die Museen eine zentrale Aufgabe

„Es geht dabei um neue Vermittlungsformen“, so Mette Bock, die als eine zentrale Aufgabe die Erleichterung des Zuganges in Museen für noch viel mehr Menschen als bisher sieht. Eine „Demokratisierung des Kulturerbes“ sei erforderlich. Das geschehe im Archiv in Rothenkrug, in dem über 300.000 Gegenstände aus den Beständen der einzelnen Häuser des Museums Sønderjylland nicht nur verwahrt, sondern auch digitalisiert und damit zu großen Teilen Interessierten kostenlos per Internet zugänglich gemacht werden. 

Aufräumen war nötig

„Es war auch ein umfangreiches Aufräumen nötig“, sagte Bock zur früheren Situation, in der alle Museen Dinge irgendwo gelagert hatten. „Wir hatten jede Menge Pferdefuhrwerke, die kaum ausgestellt werden konnten“, berichtete sie. Jetzt könnten auch Schulklassen das Archiv in Rothenkrug aufsuchen und an Gegenständen selbst forschen oder Untersuchungen anstellen. 

Wir können noch viele Ressourcen aus unseren Museen herausholen.

Mette Bock

Die Vorstandsvorsitzende des Museums nannte es in einer Zeit vieler internationaler Krisen und der Auflösung internationaler Zusammenarbeit als besonders wichtig, dass die nordschleswigschen Museen den Menschen die eigene Identität deutlich machten und dabei über die Grenze hinweg insbesondere mit dem Nachbarn in Schleswig-Holstein zusammenarbeiten und auch die Minderheiten im Grenzland in ihr Wirken. 

„Wir können noch viele Ressourcen aus unseren Museen herausholen“, meinte Bock und berichtete über internationale Forschungen im Museum Gramm (Gram), das zum Thema Entwicklungsgeschichte der Wale aktuell einen Doktoranden aus Peru zu Gast hat. 

„Die Museen unterstützen auch das Potenzial der Region als Wohnsitz und Ziel von Touristen“, so die frühere Ministerin. Nach dem Vortrag legte im Rahmen der Jahrestagung von Historisk Samfund for Sønderjylland dessen Vorsitzender Mikkel Leth Jespersen seinen Jahresbericht vor. Er betonte wie Mette Bock die Partnerschaft seines Vereins mit „Museum Sønderjylland“. 

Enge Zusammenarbeit mit lokalhistorischen Vereinen

„Wir arbeiten auch eng mit den vielen lokalhistorischen Vereinen in Nordschleswig zusammen“, so Jespersen, dessen Verband neben Kreisverbänden in Tondern, Hadersleben, Apenrade und Sonderburg auch eine Sektion in Südschleswig umfasst. Er erwähnte wie Mette Bock im Museumsbereich auch Kooperationen mit Einrichtungen der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Als Beispiele nannte er gemeinsame Auftritte bei den „Historischen Tagen“ in Kopenhagen. 

Verteuerung der Portoausgaben

Als großes Problem nannte Leth Jespersen die extrem verteuerten Portoausgaben, die es seinem Verein erschwerten, die Mitgliederzeitschrift oder Bücher zuzusenden. Er konnte vor den rund 80 Teilnehmenden während der Generalversammlung über eine wieder leicht steigende Mitgliederzahl berichten, die sich bei rund 2.000 stabilisiert habe. 

Mit Gelder der A.P. Møller Stiftung wurden viele Häuser in Ballum restauriert.

Die Teilnehmenden hatten auch Gelegenheit, die gelungene Restaurierung des Gebäudeensembles um die Ballumer Kirche in der Nähe des Tagesortes zu besichtigen.