Natur und Umwelt

Wenn der Himmel lebt: Jetzt ist Hochsaison für Zugvögel in der Tonderner Marsch

Sort Sol im Vordergrund, im Hintergrund Tondern

Zwischen Ballum, Röm und Margrethenkoog rasten derzeit tausende Vögel – wer genau hinschaut, erlebt Natur von internationalem Rang.

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Zusammenfassung

  • Entlang der Westküste zwischen Ballum, Röm und der Tonderner Marsch rasten derzeit Millionen Zugvögel im Wattenmeer.
  • Besonders gut zu beobachten sind Ringelgänse und zahlreiche Watvögel an Orten wie Ballumer Schleuse, Römdamm und in verschiedenen Kooggebieten.
  • Zusätzlich lockt die „Schwarze Sonne“ der Stare sowie eindrucksvolle Massenstarts der Zugvögel viele Naturfreunde frühmorgens und abends an.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Wer in diesen Wochen an der Westküste unterwegs ist, sollte den Blick öfter in den Himmel richten – oder ins Watt. Denn zwischen Ballum Schleuse (Ballum Sluse), Römdamm (Rømø Dæmning) und Tonderner Marsch (Tøndermarsken) spielt sich derzeit eines der größten Naturschauspiele Nordeuropas ab.

April und Mai sind Hochsaison für den Vogelzug. Millionen Zugvögel nutzen das Wattenmeer als Rastplatz auf ihrem Weg von Afrika in die Arktis – und die Kommune Tondern (Tønder) liegt mitten auf dieser Route.

Ein kurzer Zwischenstopp – mit enormer Bedeutung

Für viele Arten ist das Wattenmeer nicht irgendeine Station, sondern die wichtigste überhaupt. Hier fressen sie sich innerhalb weniger Wochen Energiereserven an – oft genug, um ihr Körpergewicht nahezu zu verdoppeln. Es gilt für den Weiterflug Richtung Norden, möglichst viel Energie zu tanken. 

Große Gruppe von Watvögeln sucht bei Ebbe im flachen Wattenmeer nach Nahrung.
Die Ringelgänse fressen sich im nordfriesischen und nordschleswigschen Wattenmeer für ihren Weiterflug jetzt gerade Energiereserven an. Auf den Halligen werden deshalb alljährlich um diese Zeit die Ringelganstage gefeiert.

Die Stimme des Frühlings: Die Ringelgans ist zurück

Das ist derzeit zu beobachten

Watvögel (jetzt besonders zahlreich)

  • Großer Brachvogel – leicht erkennbar am langen, gebogenen Schnabel
  • Uferschnepfe – elegant, oft in Trupps unterwegs
  • Alpenstrandläufer – häufig in großen Schwärmen
  • Knutt (Knuttsstrandläufer) – oft tausendfach vertreten
  • Goldregenpfeifer – auffällig durch ihr kontrastreiches Gefieder
  • Rotschenkel – mit roten Beinen und lautem Ruf
  • Säbelschnäbler – schwarz-weiß und mit aufgebogenem Schnabel

    Enten und Gänse

  • Spießente – elegant mit langem Schwanz
  • Pfeifente und Krickente – noch auf dem Durchzug
  • Ringelgans – typischer Frühlingsgast, oft in größeren Gruppen
  • Nonnengans – bevorzugt im Gegensatz zu anderen Arten salzarme Nahrung und fliegt oft weit, um Süßwasser zu trinken

    Greifvögel (mit etwas Glück)

  • Wanderfalke – jagt spektakulär über dem Watt
  • Seeadler – regelmäßig zu sehen, besonders in ruhigen Gebieten
  • Rohrweihe oder Kornweihe – jagt niedrig über den Wiesen

  • Besondere Arten

  • Austernfischer – lautstark und sehr präsent an der Küste 

  • Kiebitz – mit auffälligem Balzflug über den Wiesen

  • Kiebitzregenpfeifer – warnen mit ihren markanten Rufen auch andere Vogelarten vor Gefahr

  • Trauerseeschwalbe – kehrt Ende April aus Afrika zurück 

  • Sumpfohreule – mit Glück auch am späten Nachmittag zu sehen

Ein besonders typischer Frühlingsgast ist die Ringelgans. Ihr knurrender Ruf hat ihr den dänischen Namen „knortegås“ eingebracht. Dieser markante Laut ist derzeit vielerorts zu hören.

Die Tiere kommen zu Zehntausenden aus ihren Winterquartieren in Westeuropa und legen im Wattenmeer eine mehrwöchige Pause ein, bevor sie in die arktischen Brutgebiete ziehen. Vogelbeobachtungsstationen auf der Insel Röm bieten besonders gute Möglichkeiten, sich das Spektakel anzusehen und anzuhören.

Eule sitzt auf einem Holzpfahl in einer grasigen Marschlandschaft
Mit etwas Glück kann die Sumpfohreule auch am späten Nachmittag beobachtet werden. Früher hat diese Eulenart auch in der Marsch gebrütet; es besteht nun die leise Hoffnung, dass sie sich wieder hier ansiedeln.

Hier lohnt sich das Fernglas besonders

Wer die Vogelwelt erleben will, muss nicht weit fahren. Einige der besten Beobachtungsplätze liegen direkt vor der Haustür:

Ballumer Schleuse: Einer der Top-Spots: Bei Ebbe Nahrungssuche im Watt, bei Flut große Rastansammlungen

Römdamm (Rømødæmningen): Vögel aus nächster Nähe beobachten – ideal auch für Einsteiger

Röm – Juvre Koog: Gänse, Watvögel und mit Glück Greifvögel wie Kornweihen

Tonderner Marsch/Margrethenkoog: Tausende Watvögel, besonders rund um den Salzwassersee

Wiedau und Magisterkoog: Heimat der seltenen Trauerseeschwalbe

Wenn tausende Vögel gleichzeitig starten

Wer etwas Geduld mitbringt, kann ein besonders eindrucksvolles Schauspiel erleben: den Abflug Richtung Norden.

Dann steigen tausende Vögel nahezu gleichzeitig auf und verschwinden Richtung Arktis – oft nonstop über mehrere tausend Kilometer.

Möglich wird das nur durch die „Fettreserven“, die sie sich im Wattenmeer anfressen – ein weltweit einzigartiges Naturphänomen.

Zwei Wattvögel stehen auf einer grünen Uferzone am Rand des Wattenmeers.
Zwei schnäbelnde Austernfischer

„Schwarze Sonne“ über der Marsch

Nicht nur der gemeinsame Start von Vogelschwärmen ist ein wahrer Hingucker. Ein ganz besonderes Naturschauspiel lässt sich noch bis etwa Mitte April rund um Tondern erleben: die sogenannte „Schwarze Sonne“ (Sort Sol). Dabei sammeln sich tausende, manchmal sogar hunderttausende Stare am Abend über den Feuchtgebieten der Tonderner Marsch – etwa am Ruttebüller See (Rudbøl Sø), im Magisterkoog oder rund um Haasberger See (Hasbjerg Sø) auf deutscher Seite bei Aventoft (Avntoft).

Drei Vögel fliegen vor grauem, wolkenlosem Himmel.
Zwei todesmutige Säbelschnäbler versuchen mit ihren Attacken ihre Jungen am Boden vor dem Raubfraß durch den Seeadler zu schützen.

Kurz bevor sie in die Schilfgebiete einfliegen, formen die Schwärme eindrucksvolle, sich ständig verändernde Muster am Himmel. Wie ein lebendiger Organismus ziehen die Vögel ihre Bahnen, verdichten sich, lösen sich wieder auf – und verdunkeln dabei mitunter tatsächlich das Abendlicht. Dieses faszinierende Zusammenspiel dient vor allem dem Schutz vor Greifvögeln und zieht jedes Jahr zahlreiche Naturfreunde und Fotografinnen an die Westküste. 

Allerdings gibt es auch Abende, an denen die Stare nicht von Greifvögeln aufgeschreckt oder anderweitig gestört werden. In den Fällen finden die gigantischen Vogelschwärme innerhalb von wenigen Minuten im Schilf ein Bett für die Nacht – zur Enttäuschung der wartenden Touristinnen und Touristen. Am nächsten Abend kann es dafür umso spektakulärer zugehen. Auch hier ist also Geduld gefragt.

Gruppe weißer Watvögel steht im flachen Wasser vor einer Küstenlinie im Wattenmeer.
Löffelenten nutzen die Rast zur Gefiederpflege.

N(icht n)ur der frühe Vogel fängt den Wurm

Frühaufsteherinnen und Frühaufsteher haben im Wattenmeer die besten Chancen auf eindrucksvolle Beobachtungen – und gelungene Fotos. Idealerweise steht die Sonne dabei im Rücken, um die Vögel optimal vor die Linse zu bekommen. Ein Blick in den Gezeitenkalender lohnt sich ebenfalls: Bei Flut sammeln sich viele Arten an den Hochwasserrastplätzen dicht am Deich, statt weit draußen im Watt. Gute Beobachtungsmöglichkeiten bietet unter anderem die Wiedauschleuse, wo auch große Aussichtsfernrohre zur Verfügung stehen.

Doch auch später am Tag kommen Naturfreundinnen und -freunde auf ihre Kosten: Über den kleinen Grenzübergang Sieltoft (Siltoft) geht es – gleich rechts – in den Rickelsbüller Koog, von wo sich ein weiter Blick über Salzwiesen und Watt eröffnet – und damit beste Voraussetzungen für spannende Tierbeobachtungen.