Dänemark wurde nach der Karriere zur Heimat

Goldheld Brian Greer dachte erst: Wo bin ich denn hier gelandet?

Brian Greer
Der Kanadier Brian Greer kam 2003 nach Woyens und ist seitdem in Dänemark geblieben.

Torwart Brian Greer war beim sensationellen Gewinn der dänischen Eishockey-Meisterschaft 2006 der Fels in der Brandung. Der 51-jährige Kanadier schwärmt von einem der Höhepunkte seiner Karriere in einem Land, das auch nach dem Karriereende weiter seine Heimat ist, obwohl der Weg nicht ohne Hindernisse war.

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Zusammenfassung

  • Ehemaliger Torwart Brian Greer erinnert sich an seine Anfangszeit in der alten Eishalle von Woyens und den besonderen Charakter des Standorts.
  • Er war Schlüsselspieler beim Meistertitel 2006 mit Sønderjyske und hebt vor allem die außergewöhnliche Teamchemie und unbekannte Helden hervor.
  • Nach Verletzungen, Vereinswechseln und aufenthaltsrechtlichen Problemen baute er sich in Dänemark ein neues Leben im Digitalmarketing auf.

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Das Bild hat er noch klar im Kopf. Brian Greer kann sich gut an seinen ersten Besuch in der alten Eishalle in Woyens (Vojens) erinnern, die alte Blechscheune, wo er drei Jahre später den größten Erfolg seiner Karriere feiern sollte.

„Ich sehe noch deutlich vor mir, wie Søren Stockfisch (damaliger Sportchef, d. Red.) mir voller Stolz und Freude die alte Eishalle gezeigt hat. Ich habe nur diese kleine Eisfläche mit dem Maschendrahtzaun drumherum gesehen und dachte: Wo bin ich denn hier gelandet? Aber als die Spiele dann erst begannen, bin ich auf andere Gedanken gekommen. Das war ein toller Ort zum Eishockeyspielen, auch wenn mein Trikot nach den Spielen nach Zigaretten stank – die Atmosphäre war einzigartig“, sagt Brian Greer zum „Nordschleswiger“.

Karin Riggelsen
Brian Greer (unten rechts) mit der Meistermannschaft 2006 (Archivfoto).

Der in Ottawa aufgewachsene Kanadier trug maßgeblich zum sensationellen Gewinn der dänischen Meisterschaft vor 20 Jahren bei und ist auch nach seinem Karriereende in Dänemark geblieben. Der 51-Jährige lebt mit seiner dänischen Lebenspartnerin Joan Bernard in Kolding, wo 2007 auch die gemeinsame Tochter Malou zur Welt kam.

Seine europäische Karriere begann 1997 mit sechs Spielzeiten bei den Bracknell Bees in England, bevor er 2003 nach Woyens (Vojens) kam, wo der Eishockeyklub damals noch IK Sønderjylland hieß. 2004 kam der Namenswechsel zu Sønderjyske, der Meistertitel folgte in seinem dritten Woyenser Jahr.

Magische Chemie im Team

„Die erste Saison war schwierig. Wir hatten eine gute Gruppe von Spielern, viele davon standen auch in der Meistermannschaft ein paar Jahre später, aber uns fehlte die Breite. In der Meister-Saison gab es diese besondere Chemie in der Mannschaft. Auf dem Papier waren wir gar nicht so gut, aber diese magische Chemie hat uns als Mannschaft viel besser gemacht, als wir eigentlich waren. Wir hatten eine solch gute Kameradschaft und hatten so viel ‚Leadership‘ im Team, und zur guten Chemie hat auch Mario Simioni beigetragen – das war einfach eine wundervolle Erfahrung“, erzählt der Torwart.

Mario
Trainer Mario Simioni und dahinter Kapitän Brad Rooney bei der Siegerehrung 2006 (Archivfoto).

Leute wie Starverteidiger Chris Bartolone oder Brad Rooney, David Burgess und Dejan Matejic aus der ersten Sturmreihe oder Dean Fedorchuk, Kim Lykkeskov und Søren Nielsen aus der zweiten machten oft die Schlagzeilen, doch für Greer war der Schwede Jonas Vesterlund ein stiller Held.

„Jonas Vesterlund hätte locker in einer der ersten beiden Sturmreihen spielen können, hat aber hervorragend die dritte Sturmreihe angeführt, die ohne Probleme die gegnerische Topreihe egalisiert und somit für eine gute Balance im Team gesorgt hat“, meint Brian Greer, der von Anfang an ein gutes Gefühl hatte, aber erst im Finale an einen Titelgewinn glaubte.

Im Halbfinale vor dem Aus

„Ich wollte nicht zu weit nach vorn blicken, sondern im Moment bleiben. Als wir erst im Finale standen, dachte ich, okay, hier geht was, aber wir standen im Halbfinale schon vor dem Aus, als ‚Tiffi‘ (Søren Nielsen, d. Red.) aus dem Nichts zwei Tore zauberte. Wir waren nach dem Halbfinale so ausgelaugt, dass wir im ersten Finale weniger als zwei Tage später abgeschlachtet worden sind“, erinnert sich der Torwart, doch nach der 3:8-Auftaktpleite gegen AaB gewann Sønderjyske vier der nächsten fünf Finalspiele und wurde dänischer Meister.

„Ich kann mich noch an das letzte ‚Faceoff‘ erinnern. ‚JJ‘ (Jan Jensen, d. Red.) ist alleine aufs leere Tor zugelaufen, aber das Tor habe ich gar nicht mehr gesehen, weil mich Brad Rooney so hart umarmt hat, dass ich fast hingefallen wäre. Nachher war ich so müde, dass ich mich in der Umkleidekabine erst einmal auf den Boden legen musste, bevor wir tagelang gefeiert haben“, erzählt der Kanadier.

Brian Greer stellte 2006 in der Finalserie gegen AaB seine Mobilität unter Beweis (Archivfoto).

Nach der Meister-Saison verließ er Sønderjyske und wechselte zum Finalgegner AaB, wo er bereits im Laufe der Saison unterschrieben hatte.

„Ich wollte gar nicht gehen und habe mich sogar im Dezember um einen neuen Vertrag bei Sønderjyske bemüht, aber man hatte mit den fünf Topleuten verlängert und sich dafür entschieden, mit den übrigen Spielern bis nach Saisonende zu warten. Darauf konnte ich nicht warten, und als AaB mich kontaktierte, habe ich dort unterschrieben“, so Brian Greer.

Eine komplette Saison ausgefallen

Der Torwart verletzte sich, als AaB im Halbfinale der Saison 2006/07 Sønderjyske ausschaltete, und fehlte in der Finalserie, die gegen Herning verloren wurde. Nach einem Jahr in Aalborg kehrte er nach Woyens zurück, wo ihn eine neue Verletzung außer Gefecht setzte.

„Ich habe mir einen Schlüsselbeinbruch zugezogen und bin falsch behandelt worden – das hat mich die gesamte Saison gekostet“, ärgert sich Brian Greer.

Karin Riggelsen
Eishockeymeister 2006 (Archivfoto)

Der Schlüsselbeinbruch bereitete ihm auch außerhalb der Eisfläche Probleme, denn kurz nach seiner Verletzung kam Tochter Malou zur Welt.

„Nach der Geburt hatte meine Frau Probleme mit der Rippe. Keiner von uns durfte etwas heben. Und das mit einem neugeborenen Kind. Zum Glück hatten wir Dan Ceman und seine Frau Mel, die zu uns rüberkamen und eine unentbehrliche Hilfe waren“, erzählt der Kanadier.

Körper machte nicht mehr mit

In der Meistersaison 2009 stand er immer mehr im Schatten von Patrick Galbraith und bekam kein Angebot zur Vertragsverlängerung. Danach hängte er noch eine Saison bei den Odense Bulldogs dran, bevor er seine Schlittschuhe an den Nagel hängte.

„Mein Körper hat entschieden, dass Schluss war. Meine Hüfte machte nicht mehr mit“, so Brian Greer, der auch außerhalb der Eisfläche Probleme bekam.

Brian Greer
Brian Greer kämpfte nach dem Karriereende mit den dänischen Behörden.

Der Kanadier wollte in Dänemark bleiben, stand aber vor dem Rauswurf.

„Das war kompliziert. Die eine Behörde hat mir die Erlaubnis gegeben, ein Eigenheim zu kaufen, aber die andere Behörde verweigerte mir die Erlaubnis, hierzubleiben. Die wollten mich rauswerfen. Ich durfte für fast ein Jahr nicht arbeiten, musste aber meine Rechnungen bezahlen“, erzählt der 51-Jährige, der sich nach der erhaltenen Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis im digitalen Marketing selbstständig machte. Damit beschäftigt er sich weiterhin, mittlerweile bei „BeautyCos.dk“, nachdem er zwischenzeitlich auch bei „Nicehair.dk“ war.

Traum vom Eigenheim auf dem Land

„Leider hatte ich die vergangenen fünf, sechs Jahre mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen“, so Brian Greer, der sich aber durch seine Gleichgewichtsstörungen nicht aus der Bahn werfen lässt und weiter von einem Eigenheim auf dem Land träumt, das er mit den eigenen Händen renovieren will.

„Das Instand setzen von Dingen ist mit den Jahren ein Hobby von mir geworden“, sagt der Kanadier, der gerne mit den Händen arbeitet, die 2006 die dänische Eishockey-Meisterschaft festhielten.