20 Jahre nach der ersten dänischen meisterschaft

Der unmögliche Traum vom Meistertitel, der am Ende doch wahr wurde

Eishockeymeister 2006
Søren Nielsen trinkt nach dem Meistertitel 2006 Sekt aus der Trophäe.

Søren Nielsen hatte die mageren Jahre mitgemacht, als die Eishockey-Mannschaft aus Woyens vergeblich den Anschluss an die Spitze suchte. Der Traum vom Meistertitel verschwand nie, obwohl er den Woyensern so oft entrissen wurde. Im „Nordschleswiger“-Interview spricht Søren Nielsen über die bewegenden Tage vor 20 Jahren, als Sønderjyske sensationell dänischer Meister wurde.

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Zusammenfassung

  • Der frühere Stürmer Søren Nielsen erinnert sich an die euphorische Stimmung in Woyens vor dem Meistertitel 2006.
  • Nach vielen mageren Jahren führte Sønderjyske mit Nielsens entscheidenden Toren im Halbfinale den Außenseiterweg bis zum Titel.
  • Die vier Tage dauernden Feierlichkeiten mit den Fans und Nielsens frühes Karriereende wegen Rückenproblemen prägen seine Bilanz.

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Søren Nielsen konnte es nicht glauben und musste es mit eigenen Augen sehen, welche Euphorie in Woyens (Vojens) herrschte. Die Stadt stand vor exakt 20 Jahren kopf. Es war Karfreitag, 14. April 2006, das sechste und womöglich entscheidende Finale um die dänische Eishockey-Meisterschaft war noch neun Stunden entfernt, dennoch war die Menschenmenge vor der alten Eishalle überwältigend.

„Ich habe mich um 10 Uhr ins Auto gesetzt und bin hingefahren, um zu sehen, ob es wirklich richtig war, aber da hatten sich wirklich um die 1.000 Leute versammelt und feierten vor der alten Halle eine Party in ihren Klappstühlen. Das war der Wahnsinn. Wir haben versucht, unseren Fokus zu wahren, aber das hat uns ganz klar beeinflusst. Die ganze Stadt hat nur über Eishockey gesprochen. Das war eine tolle Zeit, und ich weiß das zu schätzen, dass ich das noch mitmachen durfte“, sagt Søren Nielsen zum „Nordschleswiger“.

Søren Nielsen
Søren Nielsen denkt gerne an den Meistertitel von 2006 zurück.

Die Mannschaft hielt dem Druck stand und machte mit einem 3:0-Sieg gegen AaB den ersten Titelgewinn der Sønderjyske-Geschichte perfekt, 24 Jahre nach der dritten Meisterschaft von Vojens IK. 

Seitdem war man zwischenzeitlich in die Zweitklassigkeit abgestiegen, hatte vergeblich den Anschluss zur dänischen Spitze gesucht und war vor der Saison 2005/06 von vielen als Favorit auf den letzten Tabellenplatz eingestuft worden. Søren Nielsen hatte 1994 sein Debüt gegeben und viele magere Jahre mitgemacht.

Die große Stunde von Søren Nielsen im Halbfinale

„Es hat viele schwere Zeiten gegeben, massenhaft sogar, aber es ist immer die Liebe zum Eishockeysport gewesen, die mich angetrieben hat. Wir haben nicht viel dafür bekommen, und es freut mich, dass die Liebe zu dem, was man immer schon gemacht hat, am Ende belohnt worden ist. Viele haben sich nicht getraut, es laut zu sagen, aber als Woyenser Junge hatte ich immer den Traum von einem Meistertitel, obwohl einem der Traum oft genommen wurde. Der Traum war da, aber man musste auch realistisch bleiben. Esbjerg und Herning waren in diesen Jahren schon sehr weit vor uns“, meint der 48-Jährige, der damals wie heute unter dem Kosenamen „Tiffi“ bekannt ist.

Der Überraschungs-Dritte der regulären Saison konnte im Playoff-Viertelfinale Esbjerg mit 4:1 Siegen ausschalten und bot im Halbfinale dem hohen Favoriten aus Herning die Stirn. Es kam zu einem siebten und entscheidenden Spiel in Herning. Sønderjyske geriet mit 0:2 in Rückstand und stand schon vor dem Aus, als die große Stunde von Søren Nielsen schlug. Er erzielte die letzten zwei Tore zum 3:2-Sieg, der nicht nur grenzenlosen Jubel bei Spielern und Fans auslöste, sondern auch Tränen bei Trainer Mario Simioni.

Søren Nielsen jubelt mit Felipe Larranaga nach seinem 3:2-Siegtreffer im siebten und entscheidenden Halbfinale gegen Herning Blue Fox.

„Meine zwei Tore hatten natürlich eine große Bedeutung dafür, dass wir am Ende mit den Goldhelmen dastehen konnten, aber das ist nicht das, was für mich im Vordergrund steht. Dass wir zu der Zeit überhaupt gegen Herning eine Chance haben würden und dann auch noch das siebte und entscheidende Spiel in deren Höhle gewinnen konnten, das war für mich sehr überraschend“, so Søren Nielsen.

Das Meisterteam 2006

Tor: Brian Greer, Patrick Galbraith, Mads Nielsen.

Verteidigung: Chris Bartolone, Brian Casey, Felipe Larranaga, Peter Hindkjær, Daryl Andrews, Kasper Kjems, Morten Callesen, Kasper Storm, Rune Knabenhans.

Sturm: Dejan Matejic, Brad Rooney, David Burgess, Dean Fedorchuk, Kim Lykkeskov, Søren Nielsen, Jonas Vesterlund, Casper Winther, Lars Foder, René Holm, Per Juhl, Jan Jensen, Mads Lund, Simon Lyngholm.

Die Sønderjyske-Mannschaft war nicht mehr zu stoppen und setzte sich in der Finalserie gegen AaB mit 4:2 Siegen durch. Für Sønderjyske war es der erste von sechs dänischen Meistertiteln innerhalb von zehn Jahren.

Vier Tage lang gefeiert

„Ich kann mich an das entscheidende Tor von JJ (Jan Jensen, d. Red.) erinnern, aber nicht an das Spiel. Ich weiß nicht einmal mehr, wie es ausgegangen ist, aber ich kann mich an die vier Tage danach erinnern, zumindest das meiste davon“, lacht der Stürmer.

„Das war der Wahnsinn, alle haben vier Tage lang gefeiert. Wir hatten damals ein extrem enges Verhältnis zu den Fans. Das war nicht nur unsere Meisterschaft, sondern auch deren Meisterschaft. Ich erinnere mich an den Vormittag nach dem Titelgewinn. ‚Lykke‘ (Kim Lykkeskov, d. Red.) und ich hatten nur wenige Stunden geschlafen und waren auf dem Weg in die Eishalle, als Hugo von ‚Blue Brigade‘ mit seiner Gitarre bei den Hütten auf dem Campingplatz neben der Eishalle saß und wir um 11 Uhr vormittags lange mit den Fans gefeiert haben. Das war ein außergewöhnliches Erlebnis“, erinnert sich Søren Nielsen.

Karin Riggelsen
Die Meistermannschaft von 2006

Fast wäre es gar nicht dazu gekommen, denn eine Rückenverletzung zwang ihn zu einer halbjährigen Pause.

„Der Rücken machte nicht mit, und ich bin vor Weihnachten nicht aufs Eis gegangen. Ich war am Ende so verzweifelt, dass ich in die alternative Behandlung gegangen bin, obwohl ich davon überhaupt kein Anhänger war.“

„Ich wurde ein Teil vom Erfolg, sogar ein wichtiger Teil davon. Ich bin dankbar, dass ich das noch mitmachen durfte, denn die Rückenprobleme kehrten zurück. Die nächsten zwei Jahre machte ich nur rund 50 Prozent der Spiele, und ich musste aufhören“, erzählt Søren Nielsen, der im Alter von 30 Jahren seine Karriere beenden musste – nach 117 Toren und 123 Torvorlagen in 537 Spielen für Vojens IK/Sønderjyske.

Karin Riggelsen
Søren Nielsen gewann nach dem Titel 2006 auch zwei Bronzemedaillen.

Dazu kommen nicht weniger als 1.047 Strafminuten. Mit 163 Strafminuten in einer Saison hält er auch den Klubrekord und war die Nummer eins unter den Strafbankkönigen der Liga. Der elffache Nationalspieler war bis auf die Saison 2000/01, als er Mario Simioni nach Odense folgte, immer für seinen Heimatverein aktiv.

Søren Nielsen war zehn Jahre lang als Jugendtrainer von Vojens IK tätig und holte mit seinen Mannschaften drei dänische Meisterschaften. Zum Abschluss war er in der Saison 2018/19 Co-Trainer von Mario Simioni in der Vizemeister-Mannschaft von Sønderjyske. 

Der 48-Jährige lebt in Hadersleben (Haderslev) und arbeitet als Sozialpädagoge bei „Fonden Tagkærgaard“, wo er einen 14-jährigen Jungen mit besonderen Bedürfnissen betreut.