Nachruf

Gisela Schirrmacher: Ein Leben voller Engagement

Gisela Schirrmacher (links) wurde für den jahrzehntelangen Einsatz im Sozialdienst geehrt (Archivfoto).

Jahrzehntelanges Ehrenamt und persönliche Stärke zeichneten sie aus. Die Familie erinnert sich an ein erfülltes Leben.

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Zusammenfassung

  • Der Artikel würdigt das bewegte Leben von Gisela Schirrmacher, die in Felstedt aufwuchs und früh Mut, Neugier und Verbundenheit zur deutschen Minderheit zeigte.
  • Beruflich setzte sie sich als Setzerin in einem Männerberuf durch, blieb technisch auf der Höhe der Zeit und arbeitete bis über das Rentenalter hinaus in verschiedenen Redaktionen.
  • Trotz persönlicher Schicksalsschläge engagierte sie sich jahrzehntelang ehrenamtlich im Sozialdienst Tingleff und der Deutschen Selbsthilfe Nordschleswig und blieb bis zuletzt selbstständig, weltoffen und ihrer Familie eng verbunden.

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Aufgewachsen in Felstedt (Felsted) als einziges Kind von Harald Jørgensen und Marie Christine Christensen erlebte sie eine behütete Kindheit. Früh zeigte sich ihre Neugier – und auch ihr Mut. Sie ging zur Akrobatik und in die Tanzschule, trat mit ihrer Gruppe auf. Weil sie klein war, stand sie bei den Menschenpyramiden ganz oben. Zu Hause übte sie mit ihrem Vater – mit Geduld und Vertrauen, wie sie später oft erzählte.

Die Deutsche Schule Feldstedt war für sie mehr als ein Lernort. In der Hausmeisterwohnung lebte sie Tür an Tür mit anderen – und fand Freundschaften, die ein Leben lang hielten. Eine davon verband sie mit Heimke Sass, später Schmidt.

Beruflich in der „Männerwelt“

Nach dem Realexamen an der Deutschen Schule Apenrade (Aabenraa) ging Gisela Schirrmacher ihren eigenen Weg. Sie wurde Setzerin – in einer Zeit, in der dieser Beruf fest in Männerhand war. In Pattburg (Padborg) begann sie ihre Lehre als einzige Frau. 

Sie arbeitete mit Bleibuchstaben und Setzkasten, erlebte den Wandel über Wachsvordruck bis hin zur digitalen Technik. In Flensburg (Flensborg) war sie bei  „Flensborg Avis“ tätig, später – nach der Familienzeit – viele Jahre bei „Aabenraa Ugeavis“. Erst zwei Jahre nach dem regulären Rentenalter legte sie die Arbeit nieder.

Ein Schicksalsschlag

1966 heiratete sie Heinz Schirrmacher. Sechs Jahre später zog die Familie von Flensburg nach Feldstedt. Tochter Heike war ihr Ein und Alles. Doch das Leben stellte sie früh auf die Probe: 1978 starb ihr Mann nach kurzer, schwerer Krankheit. Gisela Schirrmacher blieb mit ihrer achtjährigen Tochter zurück.

Mit Heinz’ Schwester Friedel Schmidt verband sie bis zuletzt eine enge Freundschaft.

1980 lernte sie Heinz Asmussen kennen, zog mit Heike zu ihm nach Pepersmark (Pebersmark) und später nach Tingleff (Tinglev). Dort übernahm sie für die Kinder Jörg und Anja Verantwortung – Aufgaben, die weit über das Alltägliche hinausgingen. Zwischen Anja und ihr entstand eine enge Verbindung, die beide als Mutter-Tochter-Verhältnis beschrieben.

1996 zog Gisela Schirrmacher nach Apenrade. Bis zuletzt lebte sie dort selbstständig. Sie war „selvhjulpen“, wie man auf Dänisch sagt – jemand, der sich selbst zu helfen weiß.

Vielseitig interessiert

Ihr Leben war reich an Interessen – auch wenn manche nur für eine Zeit blieben. Sie hielt Bienen, nähte Kleider, strickte mit Vorliebe farbige Muster. Später widmete sie sich der Ahnenforschung. 

Sie liebte den Garten, gestaltete zu jeder Jahreszeit Blumenschmuck aus eigenen Pflanzen. Sie las viel, ging ins Theater, wanderte mit dem Heimatwanderclub und war oft unterwegs. Die Reiselust führte sie in viele Länder und auf verschiedene Kontinente.

In Apenrade gehörten lange Spaziergänge mit ihrer Freundin Irene zum Alltag.

Die Welt interessierte sie. Nachrichten, Zeitungen – darunter „Der Nordschleswiger“ – und Gespräche. Sie wollte wissen, was geschieht. Und sie hörte zu.

In der Minderheit engagiert

Über Jahrzehnte engagierte sie sich ehrenamtlich: von 1992 bis 2022 im Vorstand des Sozialdienstes Tingleff, davon 28 Jahre als Kassiererin. Bereits zuvor war sie von 1976 bis 2012 im Vorstand der Deutschen Selbsthilfe Nordschleswig aktiv.

Wer ihr begegnete, erlebte eine Frau, die offen war, hilfsbereit und verlässlich. Sie langweilte sich nie. Sie lebte zwar allein – aber war nie einsam. Auch schwere Zeiten trug sie mit Haltung. 1997 erkrankte sie an Brustkrebs und wurde wieder gesund. 2020 kam die Krankheit zurück. Dieses Mal blieb sie. Gisela Schirrmacher nahm es an – ohne Klage. Sie blickte auf das Helle. „Hun så kun det lyse.“ Sie ging ihren Weg „med oprejst pande“. Sie war stark, berichtet die Familie. So behalten sie Gisela Schirrmacher in Erinnerung.

Enge Verbindung zu den Menschen

Bis zuletzt blieb sie eingebunden in das Leben ihrer Familie. Seit der Rückkehr ihrer Tochter nach Nordschleswig im Jahr 2023 war der Donnerstag ein fester Tag: gemeinsam essen, mit Heike und Anja – Zeit teilen. Eine Gewohnheit, die bleiben wird, wie die beiden ihr noch vor Kurzem versicherten.

Gisela Schirrmacher hinterlässt ihre Tochter Heike mit Ehemann Henrik, Anja mit Ehemann Henrik, zwei Enkel und einen Urenkel.

Und sie hinterlässt viele Erinnerungen an eine Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nahm – und dabei nie den Blick für andere verlor.

Die Trauerfeier findet am Sonnabend, 18. April, ab 13 Uhr in der Kirche zu Hohe Kolstrup (Høje Kolstrup) aus statt.