Deutsche Minderheit

Autorenlesung in Tondern über eine Liebe im Schatten der Besatzung

Älterer Mann im Freien hält ein Buch vor der Brust, Stadtpanorama im Hintergrund.
Manfred Ertel war rund 40 Jahre lang als Journalist für den „Spiegel“ tätig. Nun ist er Rentner und hat die spannende Liebesgeschichte der Eltern seiner Frau Krista aufgeschrieben.

Verbotene Gefühle, historische Brüche, ein fast vergessenes Kapitel: In Tondern erzählt ein ehemaliger „Spiegel“-Korrespondent die wahre Geschichte einer dänisch-deutschen Liebe im Krieg – und warum sie bis heute nachwirkt.

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Zusammenfassung

  • In Tondern stellt der frühere „Spiegel“-Journalist Manfred Ertel sein Buch „Grethe und der Deutsche“ über eine dänisch-deutsche Liebesgeschichte während der Besatzungszeit vor.
  • Das Buch basiert auf der wahren Geschichte von Grethe und dem deutschen Soldaten Kurt, deren Beziehung trotz gesellschaftlicher Ächtung und politischer Spannungen über Jahre Bestand hat.
  • Die Lesung wird von lokalen deutschen Institutionen organisiert und beleuchtet ein wenig bekanntes Kapitel der dänischen Besatzungszeit sowie Ertels persönlichen Bezug zur Geschichte.

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Frederikshavn, Spätsommer 1940: Eine junge Dänin begegnet einem deutschen Soldaten. Was wie eine flüchtige Begegnung beginnt, wird zu einer Liebe gegen alle Widerstände – in einer Zeit, in der genau das eigentlich unmöglich ist.

Diese Geschichte steht in der kommenden Woche im Mittelpunkt einer Lesung in Tondern (Tønder): Der Journalist und Autor Manfred Ertel stellt am Mittwoch, 22. April, um 15 Uhr im Brorsonhaus sein Buch „Grethe und der Deutsche“ vor.

Geschichte mit persönlichem Bezug

Ertel, der fast 40 Jahre lang für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ arbeitete und als Skandinavien-Korrespondent zahlreiche dänische Politikerinnen und Politiker sowie Königin Margrethe interviewte, erzählt darin die wahre Geschichte von Grethe und Kurt. Sie verliebt sich in einen Soldaten der deutschen Besatzung – und kämpft über Jahre hinweg um diese Beziehung: gegen gesellschaftliche Ächtung, politische Umstände und persönliche Verluste.

Buchcover von „Grethe und der Deutsche“ mit altem Foto eines sich umarmenden Paares.
Das Buchcover von Manfred Ertels biografischem Roman

Die Geschichte ist nicht nur historisch bemerkenswert, sondern auch persönlich: Ertel ist mit der Tochter des Paares verheiratet – der deutschen Politikerin Krista Sager, ehemalige Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Die deutsch-dänische Liebesgeschichte ist damit zugleich Teil der Familiengeschichte seiner Frau. Sie und ihr Zwillingsbruder wurden 1953 in Bremen geboren, verbrachten wegen einer schweren Erkrankung der Mutter die ersten Lebensjahre in Frederikshavn. Das ist dem renommierten Nachschlagewerk „Munzinger“ zu entnehmen, wie auch die Feststellung, dass die Kinder zweisprachig aufwuchsen.

Eine kleine Randnotiz mit Augenzwinkern über das Paar Sager/Ertel: Während sie als bekennende Anhängerin des FC St. Pauli gilt, war er zeitweise Aufsichtsratsvorsitzender beim Stadtrivalen Hamburger SV.

Manfred Ertel und Siegfried Matlok beim Interview im Kopenhagener DK4-Studio auf Nørrebro.

Ein besonderes Kapitel der Besatzungszeit

In den vergangenen Monaten stellte Ertel sein Buch in Kopenhagen, Apenrade (Aabenraa) und Sonderburg (Sønderborg) vor. Während die Veranstaltung in Apenrade wegen starken Schneefalls nur begrenzt Publikum anzog, war das Interesse in Sonderburg und Kopenhagen deutlich größer. Jetzt hat auch das geneigte Publikum an der Westküste Gelegenheit, dieses Buch kennenzulernen. 

Es beleuchtet ein bislang wenig erzähltes Kapitel der Besatzungszeit in Dänemark – und zeigt, wie komplex die Beziehungen zwischen Däninnen und Deutschen in jener Zeit waren.

Neben seiner Tätigkeit als Autor ist Ertel auch weiterhin als politischer Beobachter präsent: Noch im Februar war er in einem Fernsehinterview des dänischen Senders DK4 zu sehen, in dem er gemeinsam mit dem ehemaligen „Nordschleswiger“-Chefredakteur Siegfried Matlok aktuelle politische Entwicklungen in Deutschland einordnete.

Die Lesung in Tondern wird von der Deutschen Bücherei, dem Sozialdienst Tondern sowie dem deutschen Gemeindeteil der Christkirche organisiert.