Ausbildung

E-Auto oder Verbrenner: Das ist hier die Frage

Gruppe von Personen betrachtet die geöffnete Motorhaube eines schwarzen Oldtimers in einer Werkstatt.
Der Oldtimer von Bürgermeister Riber Jakobsen (l.) weckt Interesse bei der neuen Kfz-Mechanikergeneration.

Ab dem kommenden Jahr müssen sich Auszubildende der Berufsschule EUC Syd entscheiden, in welche Richtung sie gehen wollen. Auch wenn es immer mehr Elektroautos gibt, ist das Benzin- und dieselbetriebene Auto noch nicht abgeschrieben, ist sich unter anderem ein Ausbilder sicher. 

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Zusammenfassung

  • Am EUC Syd in Lundsbjerg diente ein fast 100 Jahre altes Ford-T-Modell als Anschauungsobjekt für Kfz-Auszubildende.
  • Die Ausbildung wird ab August in klassischen Automechaniker und Autotechniker mit Schwerpunkt Elektroautos aufgeteilt, um den Wandel auf dem Automarkt abzubilden.
  • Es werden mehr Elektroautos erwartet, aber es gibt auch Zukunftschancen für Verbrenner mit alternativen Kraftstoffen wie E-Fuels und Biobeimischungen.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Der Geruch von Öl liegt in der Luft. Um ein altes Auto herum stehen Auszubildende für den Kfz-Mechanikerberuf. Das Auto ist ein Hingucker. Sie schauen genau hin, hören zu. Es ist nicht irgendein Fahrzeug, das in der Werkstatt am EUC Syd auf dem Lundsberg (Lundsbjerg) – einem Industriegebiet bei Apenrade (Aabenraa) steht. Es ist ein Stück Autogeschichte.

Die Anfänge der Motormobilität

Bürgermeister Jan Riber Jakobsen hat seinen Oldtimer mitgebracht. Ein Ford-T-Modell, fast 100 Jahre alt, 22 PS stark, maximal 70 Stundenkilometer schnell. Technik, die heute schlicht wirkt – und gerade deshalb fasziniert. Keine Elektronik hilft beim Fahren. „Es ist eine Maschine, die man meistert“, beschreibt Riber Jakobsen das Fahren. Bremsen? Es gibt nur ein paar Trommelbremsen an der Hinterachse. „Das wird mit dem Motor gemacht und viel Gefühl für das Gaspedal“, erklärt er. Weiter.

Das Ford T-Modell hat noch Holzspeichen an den Rädern. Eine Kupplung gab es damals noch nicht. Ausbilder Johannes Hansen (r.) ist fasziniert von dem Stück Technikgeschichte.

„So hat alles angefangen“, sagt Jakobsen und zeigt auf den Motor. Die Auszubildenden rücken näher. Fragen kommen schnell: Wie funktioniert das? Wie fährt sich so ein Auto?

EUC Syd

 EUC Syd

  •  „Erhvervsuddannelsescenter Syd“ (Berufsbildungszentrum Süd)
  • Standorte: in Apenrade (Aabenraa), Sonderburg (Sønderborg), Hadersleben (Haderslev) und Tondern (Tønder)
  • bietet praxisnahe Ausbildungen in verschiedenen Handwerks- und Technikberufen

Aufgaben und Angebote:

  • Ausbildung von Lehrlingen in Berufen wie Kfz-Mechatronik, Bau, Metall, Energie, Transport und IT
  • Kombination aus schulischem Unterricht und praktischer Ausbildung im Betrieb (duales System)
  • Weiterbildung und Qualifizierung für Erwachsene
  • enge Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region
  • Vorbereitung junger Menschen auf den Arbeitsmarkt

Das ist die Vergangenheit, wissen die jungen Menschen. Sie sehen ihre Zukunft jedoch weiterhin bei Fahrzeugen.

In welche Richtung soll es gehen?

Denn während vorne ein alter Verbrenner steht, geht es in der Werkstatt längst um die mobile Zukunft. Johannes Hansen, Ausbildungslehrer, erklärt, dass sich die Ausbildung verändert. „Ab August können die Lehrlinge wählen: klassischer Automechaniker oder Autotechniker“, sagt er. Letzteres bedeutet vor allem eines – Arbeit an Elektroautos. Die Ausbildung teilt sich in zwei Bereiche – und reagiert damit auf die Veränderung auf dem Automarkt. 

Auch schon heute hat das E-Auto Einzug in die Ausbildungsstätte genommen und ist – wenn auch kleiner –Teil der Ausbildung.

Der Wandel ist da

Ein Wandel, der länger stattfindet, denn „in Dänemark werden inzwischen mehr Elektroautos neu zugelassen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor“, sagt Ausbilder Kenneth Andersen. Auch im Bestand verschiebt sich das Bild: Elektroautos holen auf, Diesel verlieren an Bedeutung.

Das hat Gründe. E-Autos gelten als klimafreundlicher im Betrieb, stoßen lokal kein CO₂ aus, fahren leise, brauchen weniger Wartung. Kein Ölwechsel, weniger bewegliche Teile. Für viele wirkt das wie die logische nächste Stufe.

Pro und Contra Verbrenner

Und doch ist das Bild nicht eindeutig. Denn auch Verbrenner haben noch Argumente auf ihrer Seite: Reichweite, schnelle Betankung, bewährte Technik. Gerade im Alltag vieler Menschen – etwa auf dem Land – spielen diese Punkte weiter eine Rolle. Dazu kommt ein aktueller Faktor: die Preise.

Benzin und Diesel sind teuer. Das spüren auch Autofahrerinnen und Autofahrer in Nordschleswig. Für viele wird das E-Auto dadurch attraktiver – vor allem, wenn zu Hause günstig geladen werden kann. Gleichzeitig sind die Anschaffungskosten für Elektroautos oft noch hoch. Das sagen auch die jungen Auszubildenden in der Werkstatt: Viel zu teuer für ein Anfängerauto. Noch, denn auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind die E-Autos inzwischen gut zu bekommen – auch zu relativ erschwinglichen Preisen. Allerdings steigt derzeit – wegen der Kraftstoffpreise – die Nachfrage nach der Elektro-Alternative.

Auch das klassische Handwerk wird benötigt

Doch zurück in der Werkstatt. Der alte Ford steht still, die Diskussion über die Zukunft in der Kfz-Branche läuft.

Johannes Hansen ist überzeugt: „Wir werden weiterhin Handwerker brauchen, die Autos warten.“ Auch in der E-Auto-Zeit. Denn auch Elektroautos gehen kaputt, brauchen Diagnose, Reparatur, Fachwissen. „Technik verändert sich – aber sie verschwindet nicht.“

Für ihn ist die Richtung klar: „Die Zukunft wird mehr Elektroautos als Verbrenner haben.“

Noch liegt der Schwerpunkt der Ausbildung bei EUC Syd bei der Kfz-Mechanikerausbildung. Ausbilder Kenneth Andersen (r.) ist überzeugt, dass es diese auch weiterhin geben wird.

Kraftstoffalternativen sind auf dem Weg

Ganz so eindeutig sieht es der Bürgermeister nicht. Jan Riber Jakobsen glaubt, dass auch andere Kraftstoffe in Zukunft eine Rolle spielen könnten und so den Verbrennermotor am Leben halten, klimafreundliche Alternativen zu Benzin und Diesel. E-Fuels zum Beispiel – synthetische Kraftstoffe, die CO₂-neutral hergestellt werden könnten. Noch sind sie teuer und kaum verbreitet. Aber die Idee steht im Raum.

Auch Kenneth Andersen hält das für möglich. „Es kann Ersatzbrennstoffe geben“, sagt er. „Aber der Weg dahin ist noch weit.“

Ein erster Schritt ist bereits sichtbar: E10-Kraftstoff. Benzin mit einem Anteil an Biokraftstoff. Eine Übergangslösung, die zeigt, dass auch der klassische Motor sich verändert.

Nach dem „historischen Besuch“ gehen die Auszubildenden zurück an ihre Arbeit. Einige werden künftig an Elektromotoren schrauben, andere an klassischen Antrieben. Vielleicht an beiden. Die Zukunft fährt elektrisch – aber nicht nur elektrisch.