Natur und Umwelt

Wolf oder Fuchs: Rätsel um Kalbsriss

Der Wolf ist ein kritisch diskutiertes Tier, das erneut in der heimischen Fauna Fuß gefasst hat (Symbolfoto).

Ein totes Kalb bei Apenrade wirft Fragen auf: War hier ein Wolf am Werk? Fachleute haben sich das getötete Tier angeschaut und für Klarheit gesorgt. Doch wie bewerten Landwirtschaftsorganisationen und Naturschutzverbände das Auftauchen des Wolfes insgesamt?

Veröffentlicht

Zusammenfassung

  • Ein totes Kalb bei Apenrade löste zunächst den Verdacht eines Wolfsrisses aus, erwies sich aber nach Untersuchung als bereits verendet.
  • Der Fall zeigt, wie schnell der Wolf in den Fokus gerät und wie kontrovers seine Rückkehr zwischen Landwirtschaftsverband und Naturschützern bewertet wird.
  • Rechtlich ist der Wolf streng geschützt, während Herdenschutzmaßnahmen wie Elektrozäune gefordert werden und Fachstellen zu gründlicher Prüfung jedes Verdachts raten.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Ein totes Kalb lag vor Kurzem auf der Weide nahe Apenrade. Tobias Hansen, Landwirt und Viehzüchter, sucht nach einer Erklärung. Das Tier ist angefressen. Für ihn liegt der Verdacht nahe: Es war ein Wolf, wie er noch am Tag des Geschehens vermutete. 

Vorerst Erleichterung 

Er ließ den Fall prüfen. Ein Biologe untersuchte das Tier am Tag darauf, kam allerdings zu einem anderen Ergebnis. Das Kalb sei bereits verendet. Erst danach hätten kleinere Raubtiere, etwa ein Fuchs, daran gefressen, so der Experte. Für Hansen ist das zum einen eine Erleichterung. „Dann war es wohl kein Wolf. Das ist ja auch gut zu wissen“, sagt er. Gleichzeitig ist es für ihn jetzt ein Verlust, denn wäre es tatsächlich ein Wolf gewesen, wäre eine Entschädigung möglich – allerdings unter bestimmten Voraussetzungen.

Der Fall zeigt jedoch auch, wie schnell der Wolf in den Blick gerät – selbst dann, wenn er am Ende keine Rolle spielt.

Thema Wolf in vielen Bereichen aktuell

Der Wolf ist seit seiner Rückkehr nach Dänemark ein Thema, das stark bewegt. 2012 tauchte er erstmals nach rund 200 Jahren wieder auf. Seitdem wandern Tiere aus Deutschland ein, einzelne Paare bilden Reviere, erste Rudel entstehen. Fachleute registrieren die Tiere vor allem in dünn besiedelten Teilen Jütlands.

Mit dem Wolf kehrt ein Raubtier zurück, das viele lange nur aus Geschichten kannten. Entsprechend unterschiedlich fallen die Reaktionen aus. Für manche ist er ein Zeichen für eine intakte Natur. Für andere steht er für Unsicherheit im Alltag.

Landwirte wünschen sich mehr Einfluss auf Wolfspopulation

Der Landwirtschaftsverband Landbrug & Fødevarer erkennt an, dass der Wolf nach EU-Recht geschützt ist. Gleichzeitig sieht er Konflikte. Der Verband verweist auf Angriffe auf Nutztiere und auf Sorgen in ländlichen Gebieten. Dänemark sei dicht besiedelt und intensiv genutzt. Ein großes Raubtier bringe daher Probleme mit sich, heißt es vom Verband. Langfristig setzt sich der Zusammenschluss dafür ein, den Schutzstatus anzupassen, damit sich die Bestände stärker steuern lassen. Auf nationaler Ebene fordert er vor allem Werkzeuge, mit denen Tierhalter ihre Tiere schützen können, sowie einen Ausgleich für Verluste.

Verhalten bei einer Wolfsbegegnung

  • Ruhe bewahren und nicht in Panik geraten
  • Dem Tier nicht nachlaufen und keinen Kontakt suchen
  • Langsam zurückweichen und Abstand vergrößern
  • Sich groß machen (aufrecht stehen, Arme heben), ohne aggressiv zu wirken
  • Nicht wegrennen, da dies Jagdverhalten auslösen kann
  • Hunde sofort anleinen und nah bei sich halten
  • Keine Fütterung und keine Essensreste offen liegen lassen
  • Sichtungen in Wohngebieten an lokale Behörden oder Naturschutzstellen melden

Quelle: Naturstyrelsen.dk

Naturschutzverein möchte anderen Umgang mit den Tieren

Eine andere Perspektive bringt der dänische Naturschutzverband „Danmarks Naturfredningsforening“ ein. Für sie gehört der Wolf zur ursprünglichen Natur des Landes. Er habe eine Funktion im Ökosystem, indem er vor allem schwache Tiere bei Reh und Hirsch reißt. Dadurch könne er zur Gesundheit der Bestände beitragen. Die Organisation betont, dass Konflikte real sind, sieht aber Lösungen eher im Umgang als im Abschuss.

Rechtslage: Wolf ist geschützt

Rechtlich ist die Lage klar: Der Wolf ist durch die europäische Gesetzgebung geschützt. Ein gezieltes Töten ist verboten. Nur wenn Behörden einen sogenannten Problemwolf feststellen, kann eine Ausnahme greifen. Als Problemwolf gilt ein Tier, das wiederholt Nutztiere angreift, seine Scheu verliert oder sich Menschen nähert. Selbst dann darf ein Abschuss nur erfolgen, wenn es keine andere Lösung gibt und der Bestand insgesamt nicht gefährdet wird, heißt es auf der Internetseite.

Was kann helfen?

Stromführende Zäune können vor Wolfsangriffen schützen. Solche Zäune gelten als wirksam, wenn sie korrekt aufgebaut sind: mehrere stromführende Drähte, dicht am Boden und in passender Höhe. Daten aus den vergangenen Jahren zeigen, dass Angriffe hinter funktionierenden Schutzanlagen selten sind.

In der Praxis bleibt das jedoch eine Herausforderung. Unebenes Gelände kann Lücken schaffen. Pflege kostet Zeit. Nicht jeder Betrieb kann sofort umrüsten. Hier setzt eine zentrale Frage an: Wer trägt die Last, wenn ein geschütztes Tier Konflikte verursacht?

Wölfe verlieren Furcht vor Menschen

Gleichzeitig wächst die Unsicherheit in der Bevölkerung, vor allem dort, wo Wölfe nahe an Siedlungen gesichtet werden. Fälle wie kürzlich, als ein Wolf ein Mädchen verfolgte, sorgen für große Aufmerksamkeit und prägen das Bild bei den Menschen stark. Treffen kommen vor, verlaufen aber meist ohne Gefahr – vor allem, wenn sich die Menschen an bestimmte Verhaltensweisen halten.

Ein weiterer Punkt ist die Wahrnehmung. Kadaver, Spuren oder Risse lassen sich oft schwer einordnen. Wie im Fall von Tobias Hansen kann ein Tier bereits tot gewesen sein. Erst danach kommen andere Tiere hinzu. Ohne genaue Analyse entstehen schnell falsche Schlüsse. Deshalb raten Fachstellen, jeden Verdacht prüfen zu lassen.