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Sirenen-Comeback nach über 30 Jahren: Flensburg plant 35 Standorte für eine Million Euro

Flensburg bekommt wieder Sirenen. Der Ausbau kostet eine Million Euro.

Schon lange vor der Jahrhundert-Sturmflut hat die Stadt Flensburg beschlossen, wieder ein Sirenennetz in der Stadt aufzubauen. Doch ein aufwendiges Gutachten und die hohe Nachfrage verzögern das Projekt.

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Zusammenfassung

  • Flensburg plant nach Jahrzehnten wieder ein flächendeckendes Sirenennetz zum Bevölkerungsschutz.
  • Ein Schallgutachten empfiehlt 35 Standorte auf vor allem städtischen Gebäuden für rund eine Million Euro.
  • Fördermittel des Bundes und Lieferengpässe könnten Zeitplan und Finanzierung des Projekts verzögern.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Als vor mehr als 30 Jahren nach Ende des „Kalten Krieges“ die letzten Sirenen in Flensburg abgebaut worden sind, ahnte vermutlich niemand, dass diese später wieder einmal benötigt werden würden. 

Doch spätestens seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine vor gut vier Jahren wurde klar, dass sich die Zeiten geändert haben und die Warnung der Bevölkerung wieder mehr an Bedeutung gewinnt.

Sirenen sollen gesamtes Stadtgebiet beschallen können

„Wir haben festgelegt, wieder ein Sirenennetz aufzubauen, und deshalb ist dieses Thema nach wie vor sehr aktuell für uns“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Doch bislang wurde noch keine einzige der geplanten Sirenen, an deren Tonfolge man den Grund der Warnung erkennen kann, im Stadtgebiet installiert.

Das hat seinen Grund vor allem in der aufwendigen und langwierigen Planung. Denn es soll sichergestellt werden, dass die auf- und abschwellenden Heultöne trotz der Geografie mit Höhenunterschieden dann auch überall in der Stadt zu hören sind.

Schallgutachten schlägt 35 Sirenen in Flensburg vor

„Dafür haben wir ein Schallgutachten erstellen lassen, dessen Ergebnisse seit Kurzem vorliegen“, erklärt Teschendorf. Daraus ergibt sich: Es werden rund 35 Sirenen benötigt, um die über 90.000 Einwohner in der Stadt flächendeckend warnen zu können.

Das Gutachten gibt nicht nur Auskunft über die Anzahl der Sirenen, auch die ungefähre Positionierung wird dort vorgeschlagen. 

„Wir schauen dann, ob wir städtische Gebäude in diesem Bereich haben, die wir für die Installation der Technik nutzen können“, kündigt Teschendorf den weiteren Fortgang der Standortsuche an. 

Dass die Stadt vor allem eigene Gebäude nutzen möchte, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen muss dann keine Miete für den Standort bezahlt werden – „und auch im Falle von Wartungsarbeiten ist das für uns einfacher“, sagt der Stadtsprecher.

Sirenennetz soll rund eine Million Euro kosten

Mit Vorliegen des Schallgutachtens und der Anzahl der Sirenen hat die Stadt mittlerweile auch Klarheit über die Kosten für das lautstarke Sirenennetz, das die Warnungen über Apps wie „Nina“ oder „Katwarn“ ergänzen soll. 

„Wir rechnen mit Kosten von rund einer Million Euro, also rund 30.000 Euro pro Standort“, summiert Clemens Teschendorf die geplante Investition auf. Dafür sollen moderne, elektrische Sirenen angeschafft werden, die auch über einen Akku für den Betrieb bei einem Stromausfall verfügen.

Unklar ist bislang, wie hoch die Bezuschussung für das Vorhaben aus Bundesmitteln ausfällt. „Möglicherweise könnte die Förderung im Idealfall die Hälfte der Anschaffungskosten betragen“, zeigt sich der Pressesprecher der Stadt dahin gehend optimistisch, dass die Stadt nicht den gesamten Betrag alleine stemmen muss.

Wartezeit: Hohe Nachfrage nach Sirenen

Doch trotz konkreter Zahlen kann sich die Beschaffung und Installation noch weiter in die Länge ziehen. Die nächste Beratung und Beschlussfassung über das Vorhaben steht am 29. April im Ausschuss für Bürgerservice, Schutz und Ordnung an. Wenn die Finanzmittel freigegeben sind, geht es an die Ausschreibung. 

„Da müssen wir schauen, wer die Sirenen liefern und aufbauen kann“, erklärt Clemens Teschendorf. Hier droht der Stadt nach dem langen Warten auf das Schallgutachten der nächste Flaschenhals: 

„Da in ganz Deutschland in puncto Sirenen aufgerüstet wird, haben wir es mit einer schwierigen Verfügbarkeit zu tun“, so Teschendorf. Zur Überbrückung der Zeit bis zur Installation der festen Sirenen hat die Stadt bereits zwei mobile Sirenen beschafft.

Während Sirenen in der Stadt selbst seit Jahrzehnten der Vergangenheit angehören, sind diese im Umland weit verbreitet. Dort dienen sie neben der Warnung der Bevölkerung auch der Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehren als Ergänzung zu den digitalen Meldeempfängern. 

Das typische Aufheulen der Sirenen ist den Menschen dort gut bekannt – nicht zuletzt, weil diese es jeden Samstag um 12 Uhr mit einem Probealarm auf sich aufmerksam machen.