Energie

Westküstenleitung geht ans Netz: Neue Stromverbindung bis zur Grenze

Ab Dienstag, 10. März, läuft auch in der Kommune der Strom durch die neue Hochspannungsleitung (Archivfoto).

Nach elf Jahren Planung und Bau nimmt Energinet die 400-kV-Leitung von Holstebro bis zur deutsch-dänischen Grenze bei Seth in Betrieb. Die Trasse soll mehr Wind- und Solarstrom transportieren und die Stromkapazität zwischen Dänemark und Deutschland deutlich erhöhen.

Veröffentlicht Geändert

Zusammenfassung

  • Energinet nimmt schrittweise die 172 Kilometer lange 400-kV-Westküstenverbindung von Holstebro bis zur deutsch-dänischen Grenze in Betrieb.
  • Das Projekt stärkt die Versorgungssicherheit, erhöht die Handelskapazität nach Deutschland und verbessert die Nutzung des Viking Link nach England.
  • Die Trasse ist zentral für die Einspeisung von mehr Wind- und Solarstrom, die Elektrifizierung von Verkehr und Wärme sowie den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

„Das ist ein gutes Gefühl, dass wir jetzt so weit sind, dass wir die Leitung unter Spannung setzen können“, sagt Christian Jensen, Chefprojektleiter beim staatlichen Netzbetreiber Energinet.

Was 2015 begann, ist elf Jahre später an der Ziellinie angelangt. Nun ist so weit, dass Energinet die insgesamt 172 Kilometer lange 400-Kilovolt-Hochspannungsverbindung von Holstebro im Norden bis zur dänisch-deutschen Grenze bei Seth (Sæd) in Betrieb nehmen kann.

Das Unternehmen bezeichnet die Inbetriebnahme als einen großen und wichtigen Meilenstein. 

„Die Bauarbeiten wurden in nur zweieinhalb Jahren ausgeführt. Die restlichen acht Jahre wurden für Genehmigungen, Zulassungen und Enteignungsverfahren verwendet“, geht aus einer Pressemitteilung hervor.

Verzögerungen gab es mehrfach durch das Wetter. Außerdem haben archäologische Funde und Enteignungen sowie Auflagen im Zusammenhang mit geschützten Tierarten den Projektfortschritt weiter verlangsamt.

Die zwei letzten Etappen gehen ans Netz

Die Westküstenverbindung, die als eine wichtige Voraussetzung für die zukünftige Stromversorgung Dänemarks gilt, ist in drei Etappen unterteilt. 

Während der mittlere Abschnitt zwischen Esbjerg und Tarm/Skjern, auch „Endrup-Skovstrup“ genannt, bereits seit Oktober 2025 unter Strom steht, wird die südlichste Achse Endrup-Seth am Dienstag, 10. März, angeschlossen.

Das Bauprojekt von Energinet endet an der Grenze. Südlich der Grenze hatte der dortige Stromnetzbetreiber Tennet sein Vorhaben von der Grenze bis zum Umspannwerk in Klixbüll (Klægsbøl) bereits im Herbst 2023 abgeschlossen. 

„Im Herbst 2025 haben wir die beiden Übertragungsnetze bei Seth zusammengekoppelt und ab morgen läuft es“, erläutert Christian Jensen am Telefon. 

Maximale Kapazität über die Grenze hinweg

Christian Jensen bezeichnet die Westküstenverbindung als einen großen Teil der Verstärkung, an der Energinet derzeit arbeitet. Sie sei wichtig für die Sicherstellung der Stromversorgung in ganz Dänemark.

„Dass die Westküstenleitung bald fertiggestellt ist, bedeutet unter anderem, dass wir die maximale Kapazität im Übertragungsnetz über die dänisch-deutsche Grenze erreichen, und die Verbindung Viking Link nach England besser nutzen können“, sagt Jensen, der das Vorhaben über die Jahre begleitete.

„Dank der guten Zusammenarbeit mit Lieferanten, Grundstückseigentümern und Bauunternehmen ist es gelungen, alles zusammenzubringen. Wir haben lange Zeit gebraucht, um die notwendigen Genehmigungen zu erhalten, aber in den vergangenen zweieinhalb Jahren war die Arbeit für alle Anwohnenden sichtbar“, so Jensen.

Ein wichtiger Baustein in der grünen Transformation

„Die Westküstenverbindung ist eine Voraussetzung dafür, dass deutlich mehr Strom aus Windkraft und Solaranlagen in das Stromnetz eingespeist und im Land verteilt sowie zu den Steckdosen der Verbraucher transportiert werden kann“, erklärt Jensen.

Die Stromtrasse sei auch wichtig, damit der Stromverbrauch vervielfacht werden könne, während fossile Brennstoffe schrittweise durch grünen Strom ersetzt werden – zum Beispiel in Elektroautos, im Wärmesektor und durch mehr Rechenzentren.

Die Karte zeigt die grenzüberschreitende Stromtrasse von Endrup bei Esbjerg bis Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein.

„Dadurch kann die maximale Handelskapazität über die dänisch-deutsche Grenze von 2.500 auf 3.500 MW erhöht werden. Energinet kann außerdem die maximale Kapazität der Viking-Link-Verbindung nach England auf 1.400 MW erhöhen“, teilt Jensen mit.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Die Direktorin der Stromübertragung bei Energinet, Nina Høegh Jensen, widmet sich den Herausforderungen bei großen Stromnetzprojekten. Sie bezeichnet die Westküstenverbindung als ein deutliches Beispiel für die Stärken und die Herausforderungen von Energinet.

Die eigentliche Anlage wurde in relativ kurzer Zeit gebaut. Der Weg dorthin sei jedoch sehr lang gewesen, da vor Baubeginn acht Jahre vergingen.

„Das sagt viel über die Rahmenbedingungen und Hindernisse aus, die das Tempo der grünen Transformation gebremst haben. Wenn wir die Gesellschaft schneller elektrifizieren und mehr grünen Strom zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern bringen wollen, müssen wir Entscheidungen treffen und große Stromnetzprojekte deutlich schneller umsetzen können als heute“, sagt die Direktorin.

Es stehen noch einige Aufgaben auf dem Zettel

Auch mit der Inbetriebnahme stehen noch einige Arbeiten an der Westküsten-Stromtrasse aus. Fahrplatten müssen eingesammelt, die Felder aufgeräumt werden und die Grundstücksbesitzenden erhalten Entschädigung für Ernteausfälle.

Energinet weist darauf hin, dass 400-kV-Freileitungen bei feuchtem Wetter Geräusche verursachen können. Besonders, wenn die Leitungen noch neu sind, können sie hörbare Geräusche erzeugen.

Darum halten sich die unterirdischen Leitungen in Grenzen

Auf der ganzen Strecke laufen die Leitungen nur auf 26 Kilometern unterirdisch. Das hängt laut Energinet damit zusammen, dass Kabel im Boden das Risiko erhöhen, das elektrische Rauschen im Netz zu verstärken. 

In der Kommune Tondern (Tønder) gibt es zwischen Seth und Rohrkarr (Rørkær) und bei Bredebro auf insgesamt fünf Kilometern unterirdische Leitungen.

Das Budget von Energinet sieht laut Christian Jensen eine Investition in Höhe von 4,8 Milliarden Kronen für das Gesamtprojekt von der Grenze bis Idomlund bei Holstebro vor. Im Kostenvoranschlag inbegriffen ist der Abbau einer bestehenden 150-Kilovolt- Freileitung außerhalb Nordschleswigs.