Glaube

Steine, Trommeln und afrikanische Farben: So wurde in Tondern Weltgebetstag gefeiert

Innenraum der Christkirche Tondern mit dekoriertem Mittelgang und sitzender Gemeinde.
Der Vorbereitungskreis bestand auch in diesem Jahr wieder aus Vertreterinnen der deutschen und dänischen Kirchengemeinde der Christkirche und der Tonderner Freigemeinde. Die katholische Gemeinde war in diesem Jahr nicht dabei.

Beim Gottesdienst zum Weltgebetstag in der Christkirche verband sich die Atmosphäre eines besonderen Abends mit einem ernsten Thema: dem Leben von Frauen in Nigeria. Wie die Besucherinnen und Besucher ihre „Lasten“ ablegten – und warum der Mittelgang der Kirche zum Blickfang wurde.

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Zusammenfassung

  • In der Christkirche in Tondern wurde der Weltgebetstag mit nigerianisch geprägter Dekoration und Liturgie gefeiert.
  • Ein zentrales Ritual bestand darin, mitgebrachte Steine als Zeichen persönlicher Sorgen in einem Kreis abzulegen.
  • Deutsche, dänische und afrikanische Lieder, Trommelrhythmen und ein afrikanisches Büfett förderten Austausch und Gemeinschaft nach dem Gottesdienst.

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Schon beim Betreten der Christkirche in Tondern (Tønder) wurde deutlich, dass dieser Weltgebetstagsgottesdienst ein besonderer sein würde. Am Eingang begrüßte Gemeindeglied Eike Adzersen die Besucherinnen und Besucher – gekleidet in einen afrikanischen Kaftan mit passender Kopfbedeckung.

„Dieses originale Gewand hat mir meine Schwester ausgeliehen. Ein afrikanischer Gast hat ihr den Kaftan als Geschenk mitgebracht“, erklärte die deutsche Gemeindepastorin Dorothea Lindow schmunzelnd und fand, dass Eike Adzersen, dieses traditionelle Kleidungsstück ungemein gut stand. Dieser Meinung waren auch andere, deshalb musste die Tonderanerin mehrfach in die vorgehaltenen Handykameras lächeln.

Person in bunt gemustertem afrikanischen Gewand steht in einer Kirche und lächelt.
Eike Adzersen war in dem afrikanischen Kaftan ein wahrer Blickfang.

Adzersen war nicht nur ein toller Blickfang, sondern hatte außerdem eine ungewöhnliche Aufgabe: Sie bat jeden Ankommenden, sich aus einem Jutebeutel einen Stein zu nehmen. Welche Bedeutung dieser später bekommen würde, zeigte sich erst im Verlauf des Gottesdienstes.

Afrikanische Eindrücke im Mittelgang

Auch der Mittelgang der Kirche zog viele Blicke auf sich. Die Frauen des ökumenischen Vorbereitungskreises hatten ihn mit afrikanischen Stoffen, Figuren und Mitbringseln dekoriert. Besonders auffällig waren ein (unechtes) Zebrafell und der Schädel eines Watussirindes – beides Leihgaben aus einem Tonderner Möbelhaus.

Mit afrikanischen Stoffen und Symbolen geschmückter Mittelgang einer Kirche mit Zebramuster und Kreuz.
Das Zebrafell war einer der Hingucker der Deko im Mittelschiff.

Die Dekoration griff das diesjährige Thema des Weltgebetstags auf. 2026 stammte die Liturgie doch von Frauen aus Nigeria. Ihre Texte und Lieder erzählten vom Alltag in einem Land, das für viele Frauen von körperlich schwerer Arbeit, Armut, Gewalt und Unsicherheit geprägt ist.

Ein Stein für die eigenen Sorgen

Im Zentrum des Gottesdienstes stand ein symbolisches Ritual. Unter dem Motto „Kommt! Bringt eure Last“ waren die Besucherinnen und Besucher eingeladen, ihren Stein nach vorn zu bringen und in einem aus bunten Tüchern gelegten Kreis abzulegen.

Kreis aus vielen Steinen, von bunten Tüchern umrahmt, auf dunklem Stoff ausgelegt.
Die Steine symbolisierten die kleinen und großen Sorgen der Tonderanerinnen und Tonderaner.

Während in den Texten vom Leben der Frauen in Nigeria die Rede war – von Angst vor Entführungen, von Armut und von den Folgen der Gewalt durch die Terrororganisation Boko Haram –, dachten die Teilnehmenden über ihre eigenen Sorgen nach.

Nach und nach füllte sich der Kreis im Mittelgang mit größeren und kleineren Steinen.

Das besondere am Weltgebetstagsgottesdienst in Tondern ist nicht nur die Mischung aus Deutsch und Dänisch, Freikirche und Volkskirche, sondern auch die Tatsache, dass sich der Vorbereitungskreis nicht „stur“ an das offizielle Material hält. So trug Sandra Petersen Adzersen ein eigenes Gedicht auf Deutsch vor.

Lieder aus Afrika

Mann mit Trommel und Frau mit Blatt vor einer Gruppe sitzender Menschen in einem Saal.
Im Brorsonhaus wurden die afrikanischen Lieder unter der stimmungsvollen Begleitung eines ukrainischen Trommlers wiederholt.

Musikalisch prägte eine Mischung aus deutschen, dänischen und afrikanischen Liedern den Abend. Vor Beginn des Gottesdienstes wurden die Melodien gemeinsam geübt, begleitet von Organist Steen Wrensted Jensen.

Später erklangen einige der Lieder noch einmal im Brorsonhaus – diesmal mit Trommelbegleitung. Ein Ukrainer, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt, sorgte mit seinen Rhythmen für eine besondere Atmosphäre.

Begegnungen beim Büfett

Tisch mit verschiedenen warmen Speisen und einem Teller mit gebratenen Kochbananen bei einem Büfett.
Herzhaftes und Süßes gab es zu kosten.

Der Saal des Brorsonhauses füllte sich schnell mit Besucherinnen und Besuchern aus den verschiedenen Gemeinden. Einige mussten wegen des großen Andrangs sogar früher gehen und kamen deshalb nicht in den Genuss des Büfetts mit afrikanisch geprägten Speisen, die die Damen des Vorbereitungskreises gekocht und gebacken hatten. Die Bandbreite reiche von herzhaften Gerichten bis zu süßen Kostproben.

Menschen stehen in einem Gemeindesaal an einem runden Büfettisch und füllen ihre Teller.
Zettel verrieten den Inhalt der verschiedenen Töpfe und Schalen.

Bevor das Büfett eröffnet wurde, erzählte Cornelia aus dem Vorbereitungskreis von einer Afrikareise und von den Begegnungen mit Menschen und Tieren auf dem Kontinent. Die große Hilfsbereitschaft, die ihr während dieser Zeit entgegengebracht wurde, sei ihr noch in bester Erinnerung, erzählte sie.

Der Weltgebetstag in Tondern klang mit netten Gesprächen an den Tischen aus.