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NRV diskutiert über zukunftsfähige Strukturen

Rüdiger Bartling plädierte bei der NRV-Jahreshauptversammlung für strukturelle Veränderungen im Verband.

Die Jahreshauptversammlung des Nordschleswigschen Ruderverbands löste intensive Diskussionen über die Zukunft des Verbands aus. Rüdiger Bartling vom Apenrader Ruderverein brachte dabei Vorschläge ein, die die Struktur des NRV verändern sollen. Die Debatte machte deutlich: Es ist Zeit, über Nachwuchsarbeit und Vereinsbeteiligung nachzudenken.

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Zusammenfassung

  • Bei der Jahreshauptversammlung des Nordschleswigschen Ruderverbands ist intensiv über eine Reform der Verbandsstruktur diskutiert worden.
  • Reformvorschläge des Apenrader Rudervereins zur Stärkung der einzelnen Vereine und zur Digitalisierung der Verwaltung fanden nur teilweise Zustimmung.
  • Einigkeit besteht darüber, dass Nachwuchsgewinnung, Jugendarbeit und moderne Angebote für Kinder und Familien künftig stärker im Mittelpunkt stehen müssen.

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„Ich bin der Meinung, es muss sich etwas verändern. Ich wünsche mir, dass in den Vereinen über die Zukunft des Verbands diskutiert wird und darüber, wie wir trotz aller Herausforderungen gemeinsam bestehen können“, sagt Rüdiger Bartling vom Apenrader Ruderverein (ARV) mit Nachdruck. 

Der Anlass: Bei der Jahreshauptversammlung des Nordschleswigschen Ruderverbands (NRV) am vergangenen Sonnabend diskutierten etwa 40 Mitglieder in Apenrade (Aabenraa) über die Zukunft des Verbands.

Antrag: Weniger Verwaltung, mehr Eigenverantwortung

Gastgeber ARV hatte mehrere schriftliche Anträge eingereicht, die die Struktur des NRV modernisieren sollen. Bartling begründet dies damit, dass sich die nordschleswigschen Rudervereine unterschiedlich entwickeln, die Nachwuchsarbeit stockt und traditionelle Strukturen nicht mehr zu den aktuellen Herausforderungen passen.

Wie mehr Mitglieder für die Rudervereine gewonnen werden können, stand im Mittelpunkt der Forderungen von Rüdiger Bartling (Archivbild).

Er wünscht sich, den einzelnen Vereinen mehr Gewicht zu geben, während der Verband in erster Linie koordinierend tätig sein soll. Die Vereine hätten laut ihm in den vergangenen Jahren eigene Strategien entwickelt, um Mitgliederzahlen und Aktivitäten zu sichern. „Diese de facto Dezentralisierung könne nicht durch mehr Posten und Verwaltung im Vorstand gelöst werden“, so Bartling.

Die Bedingungen ändern sich, und es wäre seltsam, wenn sich die Verbandsstruktur nicht anpassen müsste.

Rüdiger Bartling

Sein Antrag zur Änderung der Vorstandsstruktur wurde abgelehnt – nur die ARV-Mitglieder stimmten dafür. Dennoch löste die Debatte eine lebhafte Diskussion aus, die die Versammlung um eine Stunde verlängerte.

„Immerhin gab es Diskussionen, und das fand ich schon sehr positiv. Das betraf auch die anderen beiden Vorschläge“, kommentiert Bartling.

Digitalisierung und Jugendförderung im Fokus

Neben der Strukturfrage stellte der ARV zwei weitere Anträge:

  • Digitale Mitgliederverwaltung: Einführung von „Go Member“ prüfen – ein digitales System für Verwaltung, Kommunikation und Aktivitätsplanung, um die Vereine moderner zu vernetzen.
  • Jugendarbeit: Mitgliedschaft im Jugendverband und mögliche Vorteile einer engeren Zusammenarbeit prüfen, um Familien, Kinder und Jugendliche besser für Rudersport zu begeistern und Synergien zwischen Vereinen und Schulen zu schaffen.

Der Deutsche Ruderverein Gravenstein (DRG), der durch seine Landsportabteilung eine gute Verbindung zum Jugendverband habe, könne diesbezüglich als positives Beispiel dienen. „Es gelingt ihnen vielleicht besser als in anderen Vereinen, Jugendliche und Familien dort abzuholen, wo sie stehen. Es gibt Synergien, die insbesondere Sport- und Ruderlehrer betreffen“, so Bartling.

NRV-Vorstand reagiert: Strukturfragen bleiben offen

Chris Eisenkrämer vom NRV-Vorstand sieht die Situation differenziert. Der Antrag zur Strukturänderung sei zwar abgelehnt worden, die eingebrachten Punkte würden jedoch in abgeänderter Form als Arbeitsaufträge weiterbearbeitet. 

„Das Hauptanliegen beim Antrag zur Strukturänderung des Vorstands war, den Vereinen mehr Stimmrecht zu geben. Das Problem ist jedoch, dass die wirklichen Fachleute im Rudersport oder Wettkampfsport dann kein Stimmrecht mehr hätten.“

Bartling entgegnet: „Wozu braucht man Fachkompetenz, wenn es fast keine Rennruderer mehr gibt? Das macht den Apparat beschwerlich. Auch die Teilnahme an Wanderruderfahrten ist rückläufig. Die Bedingungen ändern sich, und es wäre seltsam, wenn sich die Verbandsstruktur nicht anpassen müsste.“

Chris Eisenkrämer sieht vor allem bei der Gewinnung junger Mitglieder noch Potenzial (Archivbild).

Auf die Frage, ob er strukturelle Veränderungen für notwendig hält, antwortet Eisenkrämer: „Dass grundsätzlich darüber diskutiert und nachgedacht wird, ist sicherlich ein guter Ansatz. Dadurch kommen neue Impulse, und vielleicht kommt man auf Ideen, an die man noch gar nicht gedacht hat.“

Wir müssen neue, insbesondere jüngere Mitglieder gewinnen.

Chris Eisenkrämer

Auch Eisenkrämer betont die Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung: „Wir vermissen Kinder und Jugendliche. Seitdem Thomas Ihnen als Ruderlehrer da ist, ist es besser geworden. Wir haben aber auch zu wenige Regattaruderer und zu wenige Teilnehmer bei Wanderruderfahrten. Das ist entscheidend für die öffentliche Wahrnehmung. Wir müssen neue, insbesondere jüngere Mitglieder gewinnen.“

Er unterstreicht: „Rudern ist gesund, man ist draußen in der Natur, und alle großen Muskelgruppen werden beansprucht.“

Jahresbericht 2025: Aktive Vereine und stabile Mitgliederzahlen

NRV-Vorsitzender Jan Hoff zog in seinem Jahresbericht ein insgesamt positives Fazit: Vereinsübergreifende Veranstaltungen wie der Ergo-Cup auf dem Knivsberg oder das Ruderzelt beim Knivsbergfest wurden rege genutzt. Auch die Schulregatta in Gravenstein (Gråsten) sei wieder eine erfolgreiche Veranstaltung für junge Ruderinnen und Ruderer gewesen.

Die Mitgliederzahlen seien insgesamt stabil, und Trainingslager böten Potenzial für Zuwachs. Hoff dankte den Schulen des Deutschen Schul- und Sprachvereins (DSSV) für die „gute Zusammenarbeit” sowie den Vereinen, Helferinnen und Helfern und dem Vorstand für ihr Engagement. Er betonte die Bedeutung eines respektvollen Umgangs und gemeinsamer Freude am Rudern.

Wahlen bei der Jahreshauptversammlung

  • Jan Hoff ist einstimmig als NRV-Vorsitzender wiedergewählt worden.
  • Angelika Feigel ist als Wanderruderwartin zurückgetreten; eine Nachfolge ist noch nicht gefunden worden.
  • Anton Hirschauer legt sein Amt als Pressewart nieder; Kenneth Drexel ist neu gewählt worden.