ZUSCHRIFT

Von der Seitenlinie aus betrachtet

Marc-Oliver Klages war rund zehn Jahre Ruderlehrer beim Nordschleswigschen Ruder-Verband.

Der ehemalige NRV-Ruderlehrer Marc-Oliver Klages äußert sich kritisch über die Reformbereitschaft seines alten Arbeitgebers.

Veröffentlicht Geändert

Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

Die Generalversammlung 2026 des NRV ist Geschichte. Und ist der NRV selbst auch bald Geschichte? Selbst nahezu zwei Jahre nach meinem Rauswurf aus dem Amt des Ruderlehrers lese ich gelegentlich noch den Nordschleswiger und versorge mich auch sonst über andere Informationskanäle über das, was an meiner alten Wirkungsstätte so passiert. Wie hieß es so schön in meinem Kündigungsschreiben: „Es werden neue Ideen und Impulse benötigt.“ Bis auf ein neues Gesicht im Amt des Ruderlehrers scheint sich nicht viel getan zu haben. Um es gleich vorwegzunehmen: Ich betrachte Thomas Ihnen als einen hochgeschätzten Kollegen und lasse nichts auf ihn kommen. Und in Bezug auf neue Ideen und Impulse scheint sich ja der Apenrader Ruderverein einige Gedanken gemacht zu haben, um Vereine und Verband für die Zukunft zu rüsten. 

Man kann vom ARV und seiner Vorstandsriege halten, was man will. Die Bootshalle sieht eher wie eine übervolle und unaufgeräumte Lagerhalle aus, der ARV war einer der ersten Vereine, die sich Paddlern geöffnet haben und mit Rüdiger Bartling habe ich so manche lautstarke Diskussion über gewisse Themen gehabt. Aber immer auf Augenhöhe (das war zumindest mein Eindruck). Und der ARV hat in Sachen Mitgliederzahlen, Jugend und Finanzen offensichtlich einen Turn-around geschafft. Chapeau!!! Nun bringt der ARV drei meiner Meinung nach richtungsweisende Anträge in die Generalversammlung. Entrümpelung der Verbandsstrukturen, Digitalisierung und Fokus und auf die Jugendarbeit sind äußerst wichtige Themen, die unbedingt bearbeitet werden müssen. Und was passiert bei der Abstimmung? Die Anträge werden einfach vom Tisch gewischt. Da fühle ich mich an meine eigenen bescheidenen Versuche erinnert, eine neue Idee im NRV zu implementieren. Was soll man nun davon halten? Ist der ARV für den Nordschleswigschen Ruderverband einfach zu progressiv? Oder wollen die anderen Vereine einfach in ihrer gemütlichen Position des „Bloß nichts verändern“ verharren in der guten Hoffnung, dass es sich schon irgendwie bessern wird? 

Dazu ein Zitat vom berühmten Physiker Albert Einstein: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und trotzdem zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Mir drängt sich dieser Gedanke nicht nur auf, er hat sich mit den Jahren immer mehr verfestigt. Und die Hauptakteure im Verband, ob nun auf Zeit gewählt oder als Ehrenvorsitzende bis an ihr Lebensende mit Sitz im Vorstand finden keinen Ausweg daraus (wollen sie das überhaupt?). Im Vergleich zu den anderen Mitgliedsvereinen im NRV machen die Apenrader scheinbar einige Dinge richtig. Nicht umsonst hat es Wanderungen von Rennruderern (Masters wie Senior A) von Sonderburg nach Apenrade gegeben, man holt sich externe Trainerkapazität aus Flensburg, vertritt eine Jugendliche vom ARV regelmäßig die Farben des NRV bei Wettkämpfen. 

Und der große DRH? Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass die bisherige Wanderruderwartin des NRV nun ihre Mission erfüllt hat (mich los zu werden) und sich nun in ihren Club zurückziehen kann und ihr Ding macht. Ob das die Jugendlichen im DRH dazu motivieren kann, sich auf mehr Wettkämpfen mit der Konkurrenz zu messen, bleibt abzuwarten. 

Alles in Allem scheint der NRV trotz des Wechsels in der Personalie des Ruderlehrers immer noch nicht wieder in ruhigeren Gewässern angekommen zu sein. Wie sonst sind die Worte des Vorsitzenden Jan Georg Hoff zu deuten, der einen respektvollen Umgang miteinander anmahnt. Es scheint ja unter der Oberfläche ziemlich zu brodeln. 

Es bleibt zu hoffen, dass es nicht mit einer Eruption endet und am Ende gar nichts mehr übrig ist.