Nachruf

Sie bediente im Schlachterladen – und lernte dabei Dänisch

Ältere Frau lächelt in einem Straßencafé in die Kamera.
Katharina Plaasch konnte sich auch an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen.

Geschäft, Familienalltag, Neuanfang im Harz und Rückkehr in die Heimat: Tondern prägte über Jahrzehnte das Leben von Käthe Plaasch. Trotz schwerer Zeiten bewahrte sie sich ihre Fröhlichkeit – und wurde vielen als „Käthe Schlachter“ unvergessen.

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Zusammenfassung

  • Die Tonderanerin Käthe Plaasch, bekannt als „Käthe Schlachter“, ist im Alter von 97 Jahren gestorben.
  • Sie führte jahrzehntelang einen Schlachterladen in der Uldgade, zog später in den Harz und kehrte im hohen Alter nach Tondern zurück.
  • Ihr Leben war geprägt von harter Arbeit, Fürsorge und Mut, und sie bleibt vielen als fröhliche, zugewandte Persönlichkeit in Erinnerung.

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Tondern (Tønder) hat eine seiner eher unbekannten Persönlichkeiten verloren: Katharina Margaretha Plaasch, von fast allen nur „Käthe Schlachter“ genannt, ist am 11. März im Alter von 97 Jahren gestorben.

Geboren wurde sie am 21. August 1928 in Klintum bei Niebüll (Nibøl). Ihr Leben führte sie früh nach Tondern, wo sie mit ihrem ersten Ehemann, dem Schlachtermeister Heinrich Petersen, einen kleinen Laden in der Uldgade betrieb, den dessen Vater seinerzeit gegründet hatte. In dem Haus spielte sich ein Großteil ihres Alltags ab – zwischen Kundschaft, Familie und harter Arbeit.

Intensive Jahre im „Flurladen“

Ganz nebenbei lernte sie dort auch die dänische Sprache. „Learning by doing“, wie es in der Familie heißt: beim Bedienen im kleinen „Flurladen“, im Gespräch mit den Menschen aus der Stadt. Es ist eine dieser kleinen, typischen Grenzlandgeschichten.

Gleichzeitig zog sie vier Kinder groß – Angelika sowie die Zwillinge Broder und Erich und ihren jüngsten Sohn Peter. Alle wurden in der Uldgade geboren und wuchsen dort auf. Es waren intensive Jahre, die ihr viel abverlangten.

Dass sie sich später von ihrem Mann trennte, war damals in Tondern alles andere als selbstverständlich. „Sie hat gewartet, bis wir Kinder groß waren“, erinnert sich Tochter Angelika. Diese Entscheidung habe sie als Tochter geprägt: „Du musst dir deine finanzielle Unabhängigkeit bewahren. – Ich selbst war daher immer berufstätig.“

1972 begann für Käthe Plaasch ein neues Kapitel. Auf einer Reise lernte sie ihren zweiten Ehemann Rudolf Plaasch kennen und zog zu ihm in den Harz. In Bad Sachsa fand sie ein neues Zuhause und arbeitete viele Jahre als Pflegekraft im Krankenhaus Braunlage. Auch dort zeigte sich, was sie auszeichnete: Fürsorge, Verlässlichkeit und ein offenes Herz.

Der mutige Schritt zurück

Als ihr Mann 1991 starb, hatte sie ihn bis zuletzt gepflegt. Wenige Jahre später, 1995, starb auch ihr erster Ehemann in Tondern. Das Haus in der Uldgade stand leer – und wurde zum Ausgangspunkt für eine weitere mutige Entscheidung.

Auf die Frage ihres Sohnes Broder, ob sie sich eine Rückkehr vorstellen könne, sagte sie Ja. 1996 zog Käthe Plaasch nach knapp zweieinhalb Jahrzehnten im Harz zurück in das Elternhaus ihrer Kinder. Es war ein Schritt zurück zu ihren Wurzeln – und zugleich ein Neuanfang im hohen Alter.

Das Haus wurde wieder zum Mittelpunkt der Familie. Geburtstage, Feste und Begegnungen mit Verwandten aus Deutschland und Dänemark prägten diese Zeit. Käthe Plaasch genoss das Zusammensein – und blieb dabei immer die lebensfrohe, zugewandte Frau, als die sie viele kannten.

Auch körperliche Einschränkungen konnten daran wenig ändern. Spaziergänge wurden kürzer, der Rollator zum ständigen Begleiter. Doch sie fand ihren eigenen Rhythmus: ein paar Schritte gehen, sich setzen, den Blick auf die Wiedau genießen oder das Leben in der Innenstadt beobachten – und immer offen sein für einen kurzen Plausch.

Mutter mit Filmstarqualitäten

„Unsere Mutter wurde auf ihre alten Tage sogar zum Filmstar“, erzählt Tochter Angelika mit einem Schmunzeln. Für Fernsehberichte über besondere Angebote im örtlichen Pflegeheim stand beziehungsweise saß Käthe Plaasch vor der Kamera. Selbst als die Demenz zunehmend Raum in ihrem Leben einnahm, blieb ihr fröhliches Wesen unverändert.

„Unsere Mutti, Oma, Farmor und Oldemor war ein außergewöhnlich liebevoller und positiver Mensch“, schreibt die Familie. Ihre Fröhlichkeit wirkte ansteckend, ihr Lachen bleibt sicherlich vielen im Gedächtnis.

Die letzten Jahre verbrachte sie zunächst im Pflegeheim „Leos Plejecenter“, wo sie sich wohl und gut aufgehoben fühlte; sie freute sich über die vielen Besuche von Familie, Freundinnen und Freunden sowie Bekannten. Da dieses Pflegeheim nicht mehr zeitgemäß ist und deshalb geschlossen wurde, erfolgte kürzlich der Umzug in das „Richtsens Plejecenter“.

Käthe Plaasch hinterlässt drei Kinder (Sohn Peter verstarb 2018), drei Enkelkinder und drei Urenkel. Der Kontakt auch zur Familie ihres zweiten Mannes im Harz ist über all die Jahre hinweg bestehen geblieben.

Ihr Leben war von Arbeit, Fürsorge und Mut geprägt – und trotz aller Herausforderungen bewahrte sie ihre Zuversicht. In Tondern aber wird sie für viele immer eines bleiben: Käthe Schlachter aus der Uldgade.

Die Beerdigung findet am Dienstag, 24. März, von der Christkirche in Tondern aus statt. Beginn des Trauergottesdienstes ist um 11 Uhr. Die Trauerfeierlichkeiten enden am Grab auf dem Tonderner Friedhof.