Deutsche Minderheit

Vom stillen Mädchen zur engagierten Lokalpolitikerin: Randi Damstedt wird 50

Randi Damstedt liebt es, in der Natur zu sein.

Zwischen Nordjütland, Belgien und Nordschleswig: Die Gymnasiallehrerin hat viele Stationen erlebt – und in Tondern ihr Zuhause und ihr politisches Engagement gefunden.

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Die gebürtige Nordjütin Randi Damstedt hat seit 2015 ihren Lebensmittelpunkt in Tondern (Tønder). 

Zusammenfassung

  • Randi Damstedt, Gymnasiallehrerin und Kommunalpolitikerin der Schleswigschen Partei, lebt seit 2015 mit ihrer Familie in Tondern.
  • Nach Studien- und Arbeitsjahren in Kopenhagen, Deutschland und Belgien fand sie im Tønder Gymnasium beruflich eine Heimat und engagierte sich in der Schule und Kommunalpolitik.
  • Zum 50. Geburtstag erzählt sie über ihr gesellschaftliches Engagement, ihre Verwurzelung in der deutschen Minderheit und ihre Liebe zur Natur.

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Zwischen dem Heimatort der Kommunalpolitikerin bei Hjørring und Frederikshavn und der Wiedaustadt liegen ungefähr 340 Kilometer, doch der Weg nach Nordschleswig für Randi Damstedt war keineswegs schnurgerade. Sie machte einen „Umweg“ über mehrere Länder.

Vor 50 Jahren stand ihre Wiege sechs Kilometer von dem Ort Tårs entfernt. „Ich bin mit meinen Eltern und zwei jüngeren Brüdern weit draußen auf dem Land aufgewachsen“, erzählt die Gymnasiallehrerin, die am Mittwoch, 18. März, ihren 50. Geburtstag feiert.

Erste Station in Kopenhagen

Nachdem sie ihr Abitur in der Tasche hatte, verschlug es sie als Erstes in die dänische Hauptstadt, um an der Universität Geschichte und Deutsch zu studieren. „Ich wollte auf jeden Fall nicht Gymnasiallehrerin sein“, sagt die noch 49-Jährige lachend.

Ihr schwebte damals eher ein Beruf in einem Archiv, einem Museum oder als Selbstständige mit eigenem Beratungsunternehmen vor.

Erfahrungen aus einer Grenzregion

Von Kopenhagen aus packte sie ihre Siebensachen, um nach Aachen zu ziehen, wo ihr damaliger Mann wohnte. Dort absolvierte sie eine Ausbildung zur Gymnasiallehrerin.

„Ich wurde dann zur Grenzgängerin, da wir nach Kelmis, dem deutschsprachigen Teil von Belgien, zogen, ich aber weiterhin in Deutschland arbeitete.“

In der Zeit in Belgien wurden auch die Töchter Ida und Liv geboren. „Es gefiel mir nicht, an einer deutschen Schule zu unterrichten. Es war mir zu steif und hierarchisch. Ich empfand es als merkwürdig, sich im Kreis der Kolleginnen und Kollegen zu siezen“, so Randi Damstedt.

Als Dänin sei es ihr schwergefallen, sich im steifen deutschen Schulsystem mit den vielen Regeln zurechtzufinden.

Randi Damstedt geht am Mittwoch, 18. März, in ein neues Jahrzehnt.

Von Belgien aus ging es von einem Grenzgebiet in das nächste. Und zwar ins deutsch-dänische, da Randi Damstedt eine Stelle am Gymnasium in Tondern bekam.

Mit dem Arbeitsplatz als zweitem Zuhause

„2009 wurde ich am Tønder Gymnasium angestellt, und darüber bin ich immer noch enorm froh. Das ist weiterhin mein zweites Zuhause“, sagt Damstedt 17 Jahre später. 

Die Familie ließ sich damals in Süderlügum (Sønderløgum) nieder. „Die Verhältnisse als Grenzgänger waren damals kompliziert, und die Kinder durften zum Beispiel keine Schule in Dänemark besuchen“, erinnert sich die zweifache Mutter.

Die Zeit im Ausland habe ihr die Augen für eine andere Perspektive geöffnet. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in Dänemark in einem Wohlfahrtsstaat leben. Wir haben so viele Privilegien, über die wir uns gar nicht im Klaren sind.“

„Mir hat es vom ersten Moment an gut in Tondern gefallen. Es ist eine angenehme Stadt für Familien mit Kindern. Die Kinder haben den Kindergarten und die Ludwig-Andresen-Schule besucht, und es gibt viele Angebote wie Kunstunterricht, Fußball und Volleyball“, erwähnt die Jubilarin.

In die Minderheit und die Politik hineingeschlittert

Der deutschen Sprache wegen sei die Wahl des deutschen Kindergartens natürlich gewesen. 

Während der Schulzeit ihrer Töchter engagierte sie sich als Schulvereinsvorsitzende an der Ludwig-Andresen-Schule (LAS). Inzwischen sind ihre Töchter 19 und 17 Jahre alt.

Durch die deutschen Einrichtungen hat sie auch die Stadträte der Schleswigschen Partei (SP), Louise Thomsen Terp und Jørgen Popp Petersen, kennengelernt. 

Randi Damstedt hat sich als Vorsitzende der LAS engagiert (Archivfoto).

Sie gehörte vor fünf Jahren der Visionsgruppe der SP an. Eine Vorfrage des SP-Kommunalvorsitzenden Christian Andresen wegen einer Kandidatur für die Kommunalwahl 2021 beantwortete sie mit „Setz mich einfach auf die Liste“. Wie gesagt, so getan.

 „Und so bin ich in die Politik gekommen“, erinnert sich Randi Damstedt. Beim damaligen SP-Wahlerfolg verdoppelte die Partei ihre Mandatszahl von zwei auf vier, und sie zog neben dem ebenfalls neugewählten Leif Hansen, Jørgen Popp Petersen und Louise Thomsen Terp in den Kommunalrat ein.

Meine Motivation ist das gesellschaftliche Engagement und der Wunsch, mich dort einzubringen, wo ich lebe. Ich kann einfach nicht anders.

Randi Damstedt

Auch ihre erneute Kandidatur bei der jüngsten Kommunalwahl war von Erfolg gekrönt, und die SP verdoppelte ihre Mandatszahl auf acht.

Die Antriebsfeder für ihr politisches Engagement

„Die Politik lässt einen irgendwie nicht mehr los. Es ist spannend, daran mitzuwirken, Dinge anzustoßen. Hat man einmal damit angefangen, verfolgt man die Themen weiter und bleibt dran“, so ihre persönliche Erfahrung.

Randi Damstedt (rechts) als Neugewählte bei der Konstituierung 2021 mit der SP-Fraktionsvorsitzenden Louise Thomsen Terp (links) und dem ebenfalls damals neu gewählten Leif Hansen (Archivfoto).

„Meine Motivation ist das gesellschaftliche Engagement und der Wunsch, mich dort einzubringen, wo ich lebe. Ich kann einfach nicht anders“, sagt Randi Damstedt.

Es sei zudem sehr motivierend, mit anderen Menschen zusammen zu sein, denen es genauso geht. Dabei bezieht sie sich nicht nur auf die Arbeit und das Miteinander in der SP-Fraktion. „Es gibt auch in den anderen politischen Gruppen sehr viele nette Menschen“, sagt Damstedt.

Für sie gehe es in der Stadtratspolitik nicht um eine Revolution, sondern zu einem großen Teil darum, die guten Dinge zu bewahren. Dies komme nicht von allein, sondern dafür müsse gearbeitet werden und neue Vorstöße seien erforderlich.

Ein weiteres politisches Kapitel

Nachdem sie einige Jahre lang Stadtratsluft geschnuppert hat, ist sie jetzt bereit, für die SP weitere Schritte zu gehen. 

„Ich stelle mir vor, dass es spannend ist und habe, nachdem ich nachgedacht hatte, Ja gesagt“, sagt sie zur Aufforderung, für den stellvertretenden Vorsitz der Schleswigschen Partei zu kandidieren. 

Während der Apenrader Stadtratspolitiker Erwin Andresen aus Uk (Uge) auf der Hauptversammlung am 22. April für den Vorsitz kandidiert, ist auf dem Vizeposten eine Doppelspitze mit Randi Damstedt und Dorthe Andresen (Nolde) angestrebt.

„Wir haben die gleichen Werte, aber verschiedene Hintergründe und sehen verschiedene Perspektiven. Daraus wird ein Ganzes“, erklärt die SP-Politikerin.

„Ich fasse mich als Teil der deutschen Minderheit auf“, so Randi Damstedt.

Ein ruhiges und zurückhaltendes Mädchen

Die kleine Randi hatte sich nicht vorgestellt, einmal Politikerin zu werden. „Ich habe mich als junger Mensch zwar für Politik interessiert und fand es spannend. Aber ich war ein stilles Mädchen und hatte damals nicht den Mut, vor einer Versammlung das Wort zu ergreifen. Das kam erst spät in meinem Erwachsenenleben“, erklärt Randi Damstedt.

Randi Damstedt lebt gerne in Tondern.

In ihrer Freizeit stehen für Randi Damstedt ihre Familie, ihr Partner und ihre Freundinnen und Freunde an erster Stelle. 

Ein Faible für Fossilien

„Ich liebe es, in der Natur zu sein“. Die Naturliebhaberin zieht es auch ans Meer, da sie leidenschaftlich gerne Fossilien sucht.

„Dann schalte ich von der Politik und der Arbeit ab und habe den Kopf frei.“ Zudem liest sie sehr gerne. „Das habe ich immer schon getan. Seien es Romane oder Nachrichten – ich kann mir gar nicht vorstellen, nicht zu lesen“, sagt Damstedt.

Die Sache mit dem neuen Jahrzehnt lässt sie gelassen auf sich zukommen.

„Es ist fein, 50 Jahre alt zu werden. Ich kenne viele Menschen, die 50 geworden sind. Sie sind immer noch froh, und es macht Spaß, mit ihnen zusammen zu sein. Daher habe ich keine Angst davor“, erklärt Randi Damstedt mit einem Lächeln.