Folketingswahl 2026

Wer früh in Kopenhagen sein will, muss abends losfahren

Der Venstre-Politiker Jesper Bierbaum aus Woyens kritisiert die Fahrpläne bei Bus und Bahn: Nordschleswig werde dabei abgehängt.

Ein Frühtermin in Kopenhagen klingt nach Alltag. Für Menschen in Nordschleswig wird daraus schnell ein unfreiwilliger Hotelabend in der Hauptstadt. Das kostet Zeit und Geld. Der Woyenser Folketingskandidat Jesper Bierbaum macht Busse und Bahn zum Wahlkampfthema. Unterstützung bekommt er ausgerechnet von einem politischen Gegner.

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Zusammenfassung

  • Folketingskandidat Jesper Bierbaum kritisiert die Bahnverbindungen nach Kopenhagen.
  • Frühtermine in der Hauptstadt erzwingen oft teure Hotelübernachtungen oder umständliche Alternativrouten.
  • Bierbaum macht die unzureichende Anbindung zum Wahlkampfthema, während der Folketingsabgeordnete Jesper Petersen sich zwar über kürzere Fahrzeiten freut, aber das Problem fehlender Frühverbindungen bestätigt.

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Mittwochnachmittag in Woyens (Vojens). Die Frühlingssonne taucht den Bahnsteig in warmes Licht, als wolle sie den Ort ein wenig einladender machen. Im Wartehäuschen auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen sitzt Jesper Bierbaum und sagt: „Wir haben in Nordschleswig ein Problem – ein ziemlich großes sogar.“

Keine Sache der Bequemlichkeit

Bierbaum weiß, wovon er spricht: Seine Frau Lene arbeitet in Kopenhagen. Dank der dänischen Bahn gerät jede Reise mit Frühtermin in der Hauptstadt zum Abenteuer.

„Gut, dass es Onlineschalten gibt“, sagt der Politiker. Aber es komme durchaus vor, dass Lene Bierbaum morgens in Kopenhagen sein muss – und dann beginnt bei den Bierbaums nicht nur die Reise-, sondern auch die Familienplanung. Nicht nur bei ihnen.

Lene Bierbaum ist ebenfalls politisch aktiv. Ihr Arbeitsplatz liegt offiziell in Kopenhagen. Ihre Reiseplanung ist jedes Mal auch eine Familienplanung.

Kostspielige Frühtermine

Für Bierbaum geht es mehr als um Bequemlichkeit. „Es geht darum, dass Menschen im Landesteil nicht benachteiligt werden. Ich habe das Gefühl, dass die Kopenhagener Politik in ihrer ganz eigenen Blase lebt. Nordschleswig scheint nicht dazuzugehören.“

Nordschleswig zahlt dabei drauf, im wahrsten Sinne des Wortes: Denn eine Übernachtung in Kopenhagen ist nicht preisgünstig. Bleibt als Alternative das Flugzeug. „Man könnte von Woyens oder Rothenkrug aus nach Sonderburg fahren und dort den Flieger nach Kopenhagen nehmen. Das ist auch kein Schnäppchen“, überlegt Bierbaum. Kein Problem ist die Reise ab der Nachbarkommune Kolding: Wer von dort aus startet, habe gute Karten, stellt Bierbaum fest. Es scheint, als würde die historische Grenze entlang der Königsau (Kongeå) zugleich die Grenze des politisch und damit des verkehrstechnisch Machbaren sein.

Damit endet das Problem nicht, seufzt Jesper Bierbaum: „Steigt man in Woyens aus dem Zug, ist der Bus gerade weg. Wieder warten.“

Der sozialdemokratische Folketingsabgeordnete Jesper Petersen (rechts), stammt ebenfalls aus der Region Woyens. Ihm ist das Problem nicht fremd. Hier ist Petersen mit dem ukrainischen Botschafter in Dänemark zu sehen.

Jesper Petersen: Früh geht's nicht

Der Sozialdemokrat Jesper Petersen bestätigt das Problem. Der Folketingsabgeordnete stammt aus Hammeleff (Hammelev), einem Dorf nur wenige Kilometer von Woyens entfernt.

„Mit der Bahn kann man tatsächlich keine Sitzung am frühen Morgen erreichen“, sagt Petersen. Auch an den abendlichen Verbindungen hapere es, weil die Verbindungen nicht immer gut zeitlich aufeinander abgestimmt sind.

Jesper Bierbaum ist das Warten auf Bus und Bahn nicht fremd. Von Kolding aus – jenseits der historischen Königsau-Grenze – ist die Reiseverbindung in die Hauptstadt kein Problem.

Kleiner Trost: Die Reisezeit wird kürzer

Jesper Petersen verweist im Gegenzug darauf, dass die Strecke schneller geworden sei: „Von Woyens nach Kopenhagen sind es zwei Stunden und 23 Minuten.“ Noch kürzere Reisezeiten erwartet er, wenn die Bahnstrecke über Westfünen fertig ist. Das ändert allerdings nichts daran, dass ein morgendlicher Termin in der Hauptstadt für die Menschen von Nordschleswig aus unerreichbar ist, möchten sie am selben Tag mit dem Zug anreisen.

Wer trägt die Verantwortung? Für den Venstre-Politiker Bierbaum stehen das staatliche Bahnunternehmen DSB und die Politik auf Christiansborg in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass Nordschleswig nicht auf dem sprichwörtlichen Abstellgleis landet.