ZUSCHRIFT

Grenze überqueren, Sprache erleben: Ein Deutschunterricht auf Reisen

Deutschschülerinnen und -schüler aus Dänemark besuchen das Schifffahrtsmuseum in Kiel, um Sprache und Stadt im Rahmen ihres Unterrichts praktisch zu erleben.

Englisch dominiert den Alltag vieler dänischer Jugendlicher – Deutsch hören sie oft nur im Klassenzimmer. Der Haderslebener Deutschlehrer Henrik Heinemeier versucht das zu ändern: Er nimmt seine Schülerinnen und Schüler mit über die Grenze, lässt sie Passanten interviewen und zeigt ihnen, wie Sprache im echten Leben funktioniert. In seiner Zuschrift berichtet er, warum solche Erfahrungen für dänische Jugendliche wichtiger sind als jede Grammatikstunde.

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Zuschriften

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Welche Rolle spielen andere Fremdsprachen als Englisch im heutigen dänischen Bildungssystem? Die Antwort muss lauten, eine untergeordnete, denn die englische Sprache dominiert im Internet, im Fernsehen und in der gesamten Popkultur.

Auch in Nordschleswig ist es heute so, dass dänische Schüler die deutsche Sprache meist nur im Unterricht hören. Also muss man im Deutschunterricht versuchen, ihren Horizont um konkrete Erfahrungen zu ergänzen. Kurzum, man fährt, wenn möglich, mal südlich der Grenze, damit Land, Leute und Sprache greifbar werden. So auch an der Kathedralschule von Hadersleben, wo wir in den vergangenen paar Jahren mit den Deutschschülern der 2 g Lübeck, Sylt und kürzlich Kiel erlebt haben.

Kiel ist keine architektonisch schöne Stadt, aber wir hatten das Glück, dass die Sonne vom blauen Himmel schien, als wir an zwei Tagen die Landeshauptstadt erleben durften. Und bei Sonnenschein faszinieren die Förde und der ganze Betrieb im Hafen.

Stippvisite bei der Minderheit

Die meisten Schüler wurden auf Deutsch durch das Schifffahrtsmuseum geführt, und später sahen wir auch riesige Schiffe auf ihrem Weg durch die Holtenauer Schleusen. Vom Turm im Marinedenkmal Laboe konnten wir später die ganze Förde überblicken. Die Schüler entdeckten Kiel auch auf eigene Faust, führten Interviews mit Passanten und fanden interessante Läden und Gaststätten.

Auf dem Rückweg besuchten wir noch die A.P. Møller-Schule in Schleswig, wo sogenannte Schülerbotschafter uns Einblicke in den Alltag ihrer Minderheitsschule vermittelten. Die Fahrt hat unseren achtzig Schülern Spaß gemacht. Sie mussten zwar eine Eigenleistung zahlen, aber wir bekamen auch finanzielle Hilfe vom Bürgerprojektfonds der Region Sønderjylland-Schleswig.