Deutsche Minderheit

Elternversammlung DKA: Ruhe nach dem Sturm?

In den Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA) sorgten in den vergangenen Jahren unter anderem finanzielle Schwierigkeiten und ein hohes Defizit für Unruhe.

Wie geht es in den Deutschen Kindergärten Apenrade nach den Turbulenzen vergangenes Jahr weiter? Darum ging es am Montagabend auf der Elternversammlung. Dort gab es auch erste Einblicke in die Zahlen.

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Zusammenfassung

  • Bei der Elternversammlung der Deutschen Kindergärten Apenrade erläuterte Leiterin Juliane Weigand ihre Pläne für eine stärkere Zusammenarbeit und eine neue Willkommenskultur.
  • Finanziell wird ein Überschuss für 2025 erwartet. Bleiben die Kinderzahlen stabil, könnten die bestehenden Fehlbeträge bis Ende diesen Jahres vollständig ausgeglichen werden. 
  • Nach der beschlossenen Schließung des Kindergartens in Rapstedt sind Übergänge nach Bülderup-Bau vorbereitet und ein Abschiedsritual für Kinder und Eltern geplant.

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„Bei einem Kind würden wir ein Pflaster auf die Wunde kleben und sagen, ja, es tut weh. Aber es heilt.“ Damit fasst die Gesamtleiterin der Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA) die aktuelle Situation zusammen und skizziert zugleich ihren positiven Blick nach vorn.  

Ihr Publikum: Eltern, die ihre Kinder in den insgesamt neun deutschen Kindergärten in der Minderheit untergebracht haben, sowie Erzieherinnen und Erzieher der Einrichtungen. Sie saßen bei der Elternversammlung nach Orten aufgeteilt an Tischen in der Aula des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN) in Apenrade (Aabenraa). 

DKA-Gesamtleiterin Juliane Weigand (rechts) gab am Montagabend einen Ausblick auf die Zukunft der Kindertagesstätten in der Kommune Apenrade.

Die im Oktober vergangenen Jahres zugezogene Leiterin der DKA will künftig unter anderem die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Elternvertretung und dem Vorstand stärken und rief die Eltern in dem Zusammenhang auf, sich mit ihren Ideen einzubringen. 

„Wir wollen die Willkommenskultur neu definieren und optimieren“, erklärte Weigand in ihrem Vortrag. Das beziehe sich auf Eltern und Kinder ebenso wie auf neues Personal. Eigenmarketing ist ein weiterer Punkt auf ihrer To-do-Liste. Nach der Devise: „Weiter über das Gute reden und schreiben.“ 

   

Die Eltern hatten sich nach Orten auf die verschiedenen Tische in der Aula des Deutschen Gymnasiums Nordschleswig verteilt.

Hier sind die Kindergärten der DKA:

Pattburg (Padborg)

Rothenkrug (Rødkro)

Tingleff (Tinglev)

Feldstedt (Felsted)

Apenrade Jürgensgaard (Aabenraa)

Apenrade Margrethenweg

Loit Schauby (Løjt Skovby)

Bülderup-Bau (Bylderup-Bov)

Rapstedt (Ravstedt) bis zum 30.6. 

Auch wenn der geprüfte Jahresabschluss noch nicht vorliegt: Einen ersten Blick auf die Finanzen gab es schon mal. „Der erwartete Überschuss aus 2025 reicht aus, um die früheren Defizite abzubauen“, erklärte Juliane Weigand. Vorausgesetzt, die Kinderzahlen bleiben stabil, könnten die bestehenden Fehlbeträge bis Ende dieses Jahres vollständig ausgeglichen werden. 

Zuletzt hatte es wegen der Finanzen heftige Turbulenzen gegeben. Darüber hatte „Der Nordschleswiger“ ausführlich berichtet. Vergangenen November hatte der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) empfohlen, die deutsche Schule und den deutschen Kindergarten in Rapstedt (Ravsted) zu schließen und die Vorstände aufgefordert, alles Nötige dafür einzuleiten. 

Für den Kindergarten ist am 30. Juni Schluss, wie die Leiterin der Kindergärten in Rapstedt und Bülderup-Bau (Bylderup-Bov), Maike Tästensen, am Rande der Elternversammlung erzählte. 

Maike Tästensen freut sich auf drei neue Kinder, die im Sommer von Rapstedt in den Kindergarten nach Bülderup-Bau kommen.

„Das ist eine harte Zeit gewesen, das war ein Schreckmoment. Aber wir haben dann durchgeatmet und geschaut, wie wir lösungsorientiert weitermachen“, erzählt Maike Tästensen. Die drei Kinder aus Rapstedt sollen im Sommer einen guten Start in Bülderup-Bau haben, das werde schon jetzt vorbereitet. Unter anderem dahingehend, dass die Kinder schon vorher zu Festen eingeladen und Mitarbeitende ab April mit nach Bülderup-Bau geschickt werden. 

„Es ist gut, dass die Kinder in den DKA bleiben. Dass wir zusammenhalten“, freut sich Maike Tästensen. Seitens der DKA habe sie viel Unterstützung in dem Prozess erfahren. 

Im Nachgang der Elternversammlung schrieb Juliane Weigand an die Redaktion des „Nordschleswigers“, was sie sich für Rapstedt wünscht: 

„Für die Kinder, ihre Eltern und das gesamte Personal in Rapstedt wünschen wir uns einen Abschied, der nicht den Verlust in den Mittelpunkt stellt, sondern all das, was diese Zeit geschenkt hat. Gemeinsam Danke sagen für die schönen Erfahrungen, die Erinnerungen und das Miteinander – und diesen Schatz bewusst wertschätzen. Vielleicht im Rahmen eines Festes, mit einem Abschlussritual und einer Geste, die bleibt und an all das Gute erinnert.“

Einblick in die Minderheit und offen in die Zukunft 

Die Ausführungen von Juliane Weigand nahmen die Eltern ruhig auf, Rückfragen gab es keine, dafür am Ende der Präsentation Beifall. Bevor sich die Eltern für ihre eigenen Besprechungen und die Wahlen der Elternbeiräte in separate Räume zurückzogen, gab es noch Einblicke in die Geschichte und die Struktur der deutschen Minderheit von Uwe Jessen. 

„Mit dem Hut als Vorstand des DSSV, aber die Hüte rotieren“, räumte Jessen schmunzelnd ein, denn er ist auch Generalsekretär des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN). 

Wie ist die MInderheit entstanden, wie finanziert sie sich, wie wird sie verwaltet? Uwe Jessen erklärte den Anwesenden die Hintergründe.

Juliane Weigand will die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten offen und transparent angehen. „Es geht darum, die Gegenwart anzuerkennen und ein Fehlerbewusstsein zu entwickeln, davon zu lernen“, so Juliane Weigand.