ZUSCHRIFT

Verantwortung übernehmen heißt gestalten

Die Deutsche Schule Rapstedt sowie der angrenzende Kindergarten schließen zum Schuljahresende (Archivbild).

Finanzielle Engpässe und sinkende Kinderzahlen erfordern neue Konzepte, meint Stephan Kleinschmidt, Kandidat für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger. Nötig für eine nachhaltige Zukunft sind gemeinsames Handeln und stabile Strukturen.

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Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

Die Schließung des Standortes Rapstedt durch den Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig ist schmerzhaft – und zugleich nachvollziehbar. Angespannte Finanzlage und rückläufige Kinderzahlen machen Entscheidungen dieser Art notwendig. Verantwortung bedeutet jedoch nicht nur, Zahlen zu betrachten, sondern auch die konkreten Auswirkungen auf Menschen, Vertrauen und Identität.

Die Aussage des BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen, dass die Verantwortung der gesamten Minderheit gilt, ist richtig und wichtig. Ich möchte sie jedoch ergänzen, indem auch die konkrete Verantwortung für jede einzelne Einrichtung stärker berücksichtigt werden sollte. Die Schließung von Rapstedt zeigt, wie eng beides miteinander verbunden ist: Für die betroffenen Familien bedeutet sie den Verlust von Vertrautem, Identität und gelebter Kultur. Minderheitenpolitik muss das Große und Ganze im Blick behalten – und zugleich die Bedeutung der einzelnen Orte und Einrichtungen ernst nehmen. Diese Balance ist zentral – und die aktuelle Entscheidung ist ein Weckruf, beides künftig noch konsequenter zusammenzudenken.

Neben tragfähigen schulpädagogischen Konzepten brauchen unsere Einrichtungen klare Standortkonzepte: Wie stärken wir Sichtbarkeit, Profil und Entwicklung? Wie gewinnen wir neue Familien? Wie sichern wir Qualität unter veränderten Bedingungen – bei langfristiger Planungssicherheit und mit aktiver Beteiligung von Haupt- und Ehrenamtlichen? Zukunftsfähigkeit entsteht nicht allein durch Sparen, sondern durch strategisches Gestalten auf Basis stabiler Rahmenbedingungen und verlässlicher Strukturen. 

Unsere Schulen und Kindergärten müssen ein verlässliches Fundament bieten: Sie sollen Orte sein, die Familien Sicherheit geben und langfristig Perspektiven eröffnen. Nur so bleiben sie Einrichtungen, denen Kinder, Eltern und Mitarbeitende nachhaltig vertrauen. Die Entscheidung ist kein Rückzug, sondern ein Wendepunkt, der uns verpflichtet, die Zukunft unserer Minderheit aktiv, gemeinsam und zuversichtlich zu gestalten.

Wer die Zukunft der Minderheit sichern will – und das will ich –, muss ihre Strukturen und Angebote stärker verzahnen und die Zusammenarbeit enger gestalten. Eine verlässliche Anbindung an unsere Dachorganisation und unsere Verbände schafft Orientierung, bündelt Kräfte und unterstützt gemeinsame Entwicklung.

Stephan Kleinschmidt, Kandidat für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger