Stadtentwicklung

Hans Werner Iwersen hat die Nikolai-Kastanie beschnitten: Vorerst eine Rettung für den Baum

Die beschnittene Kastanie vor der Kirche: Besonders die unteren großen Äste wurden abgesägt.

Vor der Sankt Nikolai Kirche in Apenrade bleibt eine alte Kastanie vorerst stehen: Obwohl ein Gutachten aus Sicherheitsgründen zur Fällung riet, beschneiden Fachleute den Baum nun zunächst und erhalten ihn damit weiter. Die Gründe.

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Zusammenfassung

  • Vor der Sankt Nikolai Kirche in Apenrade wurde die alte Kastanie aus Sicherheitsgründen stark zurückgeschnitten statt gefällt.
  • Baumpfleger Hans Werner Iwersen betont die besondere Bedeutung des Baumes für ihn.
  • Die Kommune stufte die Kastanie als schützenswert ein, daher gibt es nun eine Zwischenlösung mit Rückschnitt und neuer Überprüfung in einigen Jahren.

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Hans Werner Iwersen steht unter der großen Kastanie vor der Sankt Nikolai Kirche in Apenrade (Aabenraa) und schaut nach oben. Zwischen den frisch geschnittenen Ästen fällt Sonnenlicht auf den Platz. Für ihn ist klar: Dieser Baum ist mehr als nur ein Auftrag.

„Ein schöner Baum“, findet der Tingleffer, der für das Unternehmen Flemming Petersen arbeitet und sich erinnert, wie es war, die alte Kastanie zu beschneiden, die dort vor der Kirche steht. Generationen von Apenraderinnen und Apenradern wurden darunter konfirmiert, vermählt oder beerdigt. 

Ein Baum ist in wenigen Minuten gefällt, aber er braucht viele Jahre, um zu wachsen.

Hans Werner Iwersen,

Eigentlich sollte die Kastanie längst verschwunden sein. Ein Gutachten hatte empfohlen, sie zu fällen. Zu groß sei das Risiko, dass Äste abbrechen oder der Baum im schlimmsten Fall umstürzen könnte.

Doch Iwersen und seine Kollegen rückten nicht mit der Säge an, sondern mit dem Ziel, den Baum zu erhalten. Vorerst zumindest. Hans Werner Iwersen stand im Korb eines Auslegerkrans, um die Schnitte zu machen. Sein Chef Flemming stand unten und dirigierte ihn. „Von dort ist es besser zu sehen, wo beschnitten werden muss, damit der Baum eine schöne Form bekommt“, erklärt Iwersen die Prozedur. 

Arbeiten mit Respekt

Der Auftrag lautet eigentlich anders: „Wir sind damit beauftragt, das Gelände vor der Kirche neu zu gestalten“, erklärt Iwersen. Ein Weg entsteht, damit ein Leichenwagen künftig direkt vor das Gebäude fahren kann. Erst später kam der zusätzliche Auftrag, die Kastanie zu beschneiden.

Für ihn war das mehr als eine Routineaufgabe. „Ein Baum ist ein kleines Wunder“, findet der Tingleffer. Die Kastanie gebe der Kirche zudem ein lebendiges Bild.

Der angelegte Weg ist schon zu erkennen. Weil an der Kirche vor Jahrhunderten ein Friedhof lag, darf nur knapp 30 Zentimeter tief gegraben werden.

Mit jedem Schnitt ging es darum, den Baum sicherer zu machen, ohne ihn zu beschädigen. Äste wurden gekürzt, die Krone ausgelichtet. Am Ende steht der Baum noch – sichtbar verändert, aber weiterhin prägend für den Platz.

„Für mich war es eine ehrenvolle Aufgabe“, sagt Hans Werner Iwersen.

Entscheidung mit Umweg

Dass es überhaupt dazu kam, erklärt Verwaltungsleiter Morten Hansen von der Apenrader Volkskirche, zu der auch die deutsche Gemeinde gehört.

„Wir haben uns beraten lassen, und der Rat war zunächst, den Baum zu fällen“, sagt er. Die Sicherheitsfrage habe im Mittelpunkt gestanden. Der Baum könnte umstürzen, Äste abbrechen und Menschen verletzen oder einen Teil der Kirche zerstören.

Dann folgte die Wendung: Die Kommune hat die Kastanie als bewahrenswert eingestuft. Eine Fällung wäre nur über ein umfangreiches Verfahren möglich gewesen – mit Antrag, Beteiligung der Nachbarn und politischer Behandlung. Ein langer Prozess.

Deshalb fiel eine Zwischenentscheidung: Rückschnitt statt Rodung.

Noch keine endgültige Lösung

Ganz gelöst ist die Frage damit nicht. „Letztendlich tragen wir die Verantwortung, dass nichts passiert“, betont Hansen.

Der jetzige Zustand sei sicher. Doch der Blick geht nach vorn: In vier bis fünf Jahren soll der Baum erneut geprüft werden. Dann werde sich zeigen, wie stabil er ist – und welche Schritte notwendig sind.

Bis dahin bleibt die Kastanie Teil des Bildes vor der Kirche.