Deutsch-Dänisch

Von Berlin nach Kelstrup – wie geht es Claudia und Gunnar heute?

Claudia Russo und Gunnar Bischof fühlen sich in Kelstrup zuhause.

Claudia Rosso und Gunnar Bischof wollten in Kelstrup mehr sein als nur Zugezogene. Mit ihrem „Strandidyl“ haben sie sich einen Platz in der Gemeinschaft erarbeitet. Doch sie mussten auch Hürden überwinden.

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Wie geht es Claudia Rosso und Gunnar Bischof, die aus Berlin nach Kelstrup zogen? Hier die kurze Antwort: gut.

„Das ist ja schon zwei Jahre, dass wir hier leben“, rechnet Gunnar Bischof kurz nach und ist selbst erstaunt. Im Herbst 2023 kauften sie ihr Haus in Kelstrup, im April 2024 erwarben sie das „Strandidyl“ vom Unternehmer Svend Erik Aaskov; zwei ältere Damen hatten dort eine Zimmervermietung betrieben.

In Kelstrup angekommen

Zusammenfassung

  • Die Berliner Claudia Rosso und Gunnar Bischof betreiben das „Strandidyl“ und haben sich in Kelstrup gut eingelebt.
  • Sie setzen auf Integration und wollen mit ihrem Angebot Touristen und  Einheimische gleichermaßen ansprechen.
  • Trotz Hürden blicken sie wirtschaftlich und privat zuversichtlich in die Zukunft.

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„Wir sind angekommen“, sagt Gunnar Bischof, und es schwingt ein wenig Stolz, aber auch Dankbarkeit mit. Denn er hat mitbekommen, dass andere Zugezogene aus Deutschland ihrer neuen Heimat Dänemark wieder den Rücken gekehrt haben. „Es ist nicht selbstverständlich, dass es funktioniert. Wir können uns nicht beschweren, das „Strandiydl“ ist gut angelaufen“, sagt Gunnar Bischof.

Lob von dänischer Seite

Claudia und Gunnar kamen aus dem quirligen Berlin nach Kelstrup. Beide kennen die Gastrobranche, Claudia Russo ist zudem ausgebildete Kosmetikerin. Gemeinsam verfolgen sie einen Plan, was ihr „Strandidyl“ angeht, und verfolgen ihn präzise. Der Erfolg: Im Sommer sind es Urlaubsgäste, die Ruhe und Gemütlichkeit suchen, im Winter Einheimische, die zum Brunchen am Sonntag kommen oder am Wochenende zum Essen das „Strandidyl“ ansteuern, oder für besondere Anlässe den Gastronomen bitten, etwas zu arrangieren. „Wir hatten kürzlich eine Trauergemeinschaft hier, da sagte eine Frau, eine Dänin, es sei so gemütlich bei uns“, das hat mich sehr gefreut“, erinnert sich Claudia Russo, die etwas später zum Gespräch dazukommt.

Das Paar will ein Teil der Gemeinschaft vor Ort sein und Gunnar Bischof ist überzeugt, dass das auch ankommt. Dänisch sprechen, so viel wie es geht, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen, gehört für das Paar dazu. Die beiden Kinder lernen die Sprache in der Deutschen Schule Hadersleben beziehungsweise im Kindergarten; Claudia Russo absolvierte einen fünfmonatigen Sprachunterricht und Gunnar Bischof versucht, beim Gespräch mit seinen dänischen Gästen immer wieder etwas mitzunehmen, und strebt auch einen Sprachkursus an. „Für uns ist wahnsinnig wichtig, dass wir integriert sind“, sagt Gunnar Bischof.

Das ist nicht nur eine persönliche Einstellung, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Er will als Gastronom den Einheimischen etwas bieten, abseits von Hotdog und Fritten. Die Menschen aus der Umgebung sollen sich im „Strandidyl“ wohlfühlen und ihre Gastgeber kennen, so sein Credo.

Nicht alles lief glatt

Glatt lief aber in den vergangenen eineinhalb Jahren seit dem ersten Besuch des „Nordschleswigers“ nicht alles. Die Ausschanklizenz für Alkohol ließ lange auf sich warten, die Suche nach einem dänischen Steuerbüro, das deutsche Auswanderer in die Geheimnisse des dänischen Steuersystems einweiht, gestaltete sich schwieriger als gedacht. Die Idee, Kaffee und Kuchen im Winter anzubieten, erwies sich als Flop.

Mit altem Auto ans Ziel

Zudem zeigte es sich, dass Geld in Kelstrup mehr zum Thema wurde, als es in Berlin war. Zunächst musste sich Gunnar Bischof beim Umzug nach Dänemark aufgrund der hohen Einfuhrabgabe von seinem Audi A6 trennen und fährt zum Termin mit einem 23 Jahre alten Opel Astra vor. „Man kommt mit ihm ans Ziel“, stellt er nüchtern fest. Autos sind teuer in Dänemark. Dann ging noch die Pelletheizung kaputt. „Die haben wir mithilfe von ChatGPT repariert. Uns geht es gut, wir kommen über die Runden, aber: Wer nach Dänemark zieht, braucht unbedingt ein finanzielles Polster“, so das Resümee von Gunnar Bischof.

Am Ende noch ein Blick in die Zukunft: Was ist ihr Wunsch? „Dass wir uns nicht übernehmen“, sagen beide, dass ihr Bed & Breakfast mit Bistro wächst, aber alles familiär und professionell bleibt, das ist Gunnar Bischof sehr wichtig. „Wenn unsere Töchter volljährig sind und ausziehen, dann werden wir uns wohl die Frage stellen, bleiben wir hier, geht es zurück nach Berlin oder vielleicht nach Italien?“, fragt Gunnar Bischof. Aber bis dahin ist noch Zeit, er schätzt etwa 15 Jahre.