Lokalhistorie

Lost Place freigelegt: Das steckt hinter der Rodung auf dem Gelände der ehemaligen Manganfabrik

Gerodeter Weg durch eingezäuntes Gelände mit Holzstapeln und kahlen Bäumen.

Maschinen haben Bäume und Gestrüpp auf dem Areal am Hjordkærvej bei Wollerup (Vollerup) beseitigt, auf dem sich einst eine Manganfabrik befand. Das freigeräumte Gelände weckt Erinnerungen an die Fabrik vergangener Tage und wirft erneut die Frage auf, ob Rückstände vom damaligen Betrieb eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen.

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Durch Rodung sind das Gebiet und die letzten Reste der ehemaligen Manganfabrik am Hjorkærvej nahe Wollerup zum Vorschein gekommen. „An der Aktion ist an und für sich nichts Besonderes dran“, sagt Grundeigentümer Christian Gram auf Anfrage. Das Areal, das lediglich als Jagdgebiet genutzt wird, werde einfach nur gestutzt und soll neu anwachsen, so die Rückmeldung.

Zusammenfassung

  • Auf dem Gelände der ehemaligen Manganfabrik am Hjordkærvej bei Wollerup wurden Bäume und Gestrüpp entfernt.
  • Der freie Blick auf das frühere Fabrikgelände weckt Erinnerungen an den einstigen „Lost Place“, von dem nur noch Silofragmente zeugen.
  • Unklar bleibt, wie stark Boden und Umfeld durch die einstigen Arbeitsprozesse belastet sind.

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Der freie Blick auf das einstige Fabrikgelände weckt dennoch Neugier, und bei so manchen Bürgerinnen und Bürgern lässt er Erinnerungen an die damalige Fabrik aufkommen, die nach der Stilllegung noch viele Jahre als Ruine die Blicke auf sich zog und ein verruchtes Image als Lost Place hatte.

Die stillgelegte Manganfabrik bei Wollerup (Archivfoto)
Bis 1983 standen die Trakte noch am Hjordkærvej

Zwei Jahrzehnte in Betrieb

Von 1950 bis 1970 wurde in der Fabrik gewonnenes Mangansulfat verarbeitet und für den Vertrieb vorbereitet. Mangan wurde unter anderem Futtermittel zugemischt. Die Substanz wird auch als Zusatz in Düngemitteln verwendet.

Mangansulfat

Mangansulfast (MnSO4) wird primär als Mikronährstoffdünger (Blattdünger) zur Behebung von Manganmangel bei Pflanzen eingesetzt. Es fördert die Chlorophyllbildung, die Photosynthese und Enzymaktivität.

Quelle: myAgrar

Mangan im Stoffwechsel

Mangan ist im Körper vor allem Bestandteil von Enzymen. Es sichert die Energiebereitstellung der Zelle und spielt eine wichtige Rolle für den Aufbau von Bindegewebe, Knorpeln und Knochen.
Eine Überdosierung von Mangan, meist durch berufsbedingte Inhalation oder stark kontaminiertes Wasser, kann toxisch wirken und schwere neurologische Schäden verursachen.

Quelle: Verbraucherzentrale.de

Mangan ist ein wichtiges Spurenelement für Mensch und Tier. Wie bei vielen anderen Elementen, die der Körper braucht, ist eine zu hohe Konzentration wiederum toxisch und stellt eine Gefahr dar. Da die Arbeitssicherheit in den 50ern und 60ern einen anderen Standard hatte, eilte der Fabrik der Ruf voraus, dass Mitarbeitende durch die Arbeitsprozesse mit dem Einsatz von Chemikalien einer Gesundheitsgefahr ausgesetzt waren.

Nach vielen Jahren Stillstand wurden die Fabrikgebäude, der große Schornstein und Nebentrakte 1983 schließlich abgerissen. Von dem einstigen Bauwerk zeugen nur noch Fragmente von Silos, die nach einigem Hin und Her um den Abriss stehen blieben. 

Eingezäunt und zugewachsen

Auf dem Fabrikgelände befand sich nach der Stilllegung einst ein Fahrzeuglager, und für die Nutzung einiger Trakte hatte mal ein örtlicher Motorradklub Interesse, wie aus Archivmaterial der Kommune Apenrade (Aabenraa) hervorgeht. 

Seit vielen Jahren tut sich mittlerweile nichts mehr auf dem Areal. Es wurde eingezäunt und wuchs zu.

Unklar ist, wie sehr das Areal durch den Betrieb und die Hinterlassenschaften der Manganfabrik belastet ist. 

Nordschleswigerartikel zur Manganfabrik aus dem Jshr 1990

„Der Nordschleswiger“ berichtete in vergangenen Jahrzehnten mehrmals über die Überlegungen, den Grad der Verunreinigung festzustellen und entsprechende Säuberungsmaßnahmen einzuleiten. 

Bodenbelastung schon zu Amtszeiten ein Thema

Das damalige Amt Nordschleswig stellte nach der Stilllegung Belastungen durch Zyanid und Schwefel fest und setzte das Umweltproblem in den oberen Bereich der Prioritätsliste. Vor der Einführung der Regionen war das Amt aufsichtsführendes Organ bei derartigen Verunreinigungen. 

Nordschleswiger-Artikel zur Manganfabrik aus dem Jahr 1996

Genaue Daten zum Umfang der Belastungen auf dem Gelände liegen nicht vor. Laut Einstufung bei „Danmarks Miljøportal“ lassen die vorhandenen Dokumente „mit hoher Sicherheit davon ausgehen, dass das Gebiet eine Bodenverunreinigung in solch einem Umfang aufweist, dass die Verunreinigung schädliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben kann“. 

Laut kommunalen Dokumenten darf ein Bewegen oder Wegschaffen von Erdreich nicht ohne behördliche Genehmigung erfolgen.