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Handball-Schiri des Jahres: Jonas lässt erfolgreich nach seiner Pfeife tanzen

Junger Schiedsrichter in Sporthalle hält gelbe Karte hoch und pfeift.
Jonas Klindt ist seit einigen Jahren Handballschiedsrichter und zückt dabei auch mal eine gelbe Karte.

Er machte mit 17 den Schiedsrichterschein und wusste in der Handball-Szene schnell zu überzeugen. Jonas Klindt aus Uk ist mit 23 Jahren zum Schiedsrichter des Jahres in der Region Süd gekürt worden. Warum das Pfeifen ihm liegt, warum es ihm so viel Spaß macht und welchen Traum er für die weitere Entwicklung hat, verriet Jonas bei einem Treffen in der Sporthalle.

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Zusammenfassung

  • Der 23-jährige Jonas Klindt aus Uk ist in der Region Süd zum Handball-Schiedsrichter des Jahres gekürt worden.
  • Seit seinem Schiedsrichterschein 2020 pfeift er regelmäßig, erhält gutes Feedback und pfeift inzwischen in höheren Klassen.
  • Er ist gern fürs Pfeifen unterwegs, auch zu Turnieren im Ausland und hat bislang noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. 

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Als Jonas Klindt kurz vor Weihnachten bei einem Punktspiel von Sønderjyske im „Skansen“ auf den Zuschauerrängen saß, geschah es auf Einladung des Handballverbandes. Das kostenlose VIP-Ticket war die Belohnung für eine Auszeichnung, die der 23-Jährige aus Uk (Uge) bekommen hatte. Jonas Klindt ist für die Saison 2024/25 zum Schiedsrichter des Jahres in der Region Süd gewählt worden.

Jonas Klindt im „Skansen" bei Sonderburg (Sønderborg) – der Heimhalle von Erstligist Sønderjyske

Obwohl er im SV Tingleff selbst aktiver Handballer war und bei Turnieren und Punktspielen regelmäßig Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern begegnete, war das nicht dafür ausschlaggebend, dass er selbst mit dem Pfeifen begann.

„Das hat sich eher zu Hause beim Fernsehgucken ergeben. Ich fand es interessant, wie Spiele von den Schiedsrichtern gepfiffen wurden. In der Schule, im privaten Umfeld oder im Verein habe ich immer gern die Schiedsrichterfunktion übernommen, wenn es gefragt war. 2020 habe ich mich dann dazu entschieden, den Schiedsrichterschein zu machen. Der Kurs fand in Klipleff statt“, erzählt der ehemalige Schüler der Deutschen Schule Tingleff, der in Skydstrup als Lagerlogistiker arbeitet.

Mit dem Schiedsrichterschein in der Tasche ging es sogleich ans Werk. „Der Anfang war wegen der Corona-Krise etwas merkwürdig. Ich bin dann aber richtig gut hereingekommen“, erinnert sich Jonas.

Knifflige, aber geglückte Premiere

Als Nachwuschschiri begann der Uker in den Jugendklassen. Das ist so üblich. Sein erstes Spiel hatte er ausgerechnet vor der eigenen Haustür. „Das war ein U13-Spiel in der dänischen Halle in Tingleff. Die Begegnung hatte es in sich. Es war sehr ausgeglichen, und in der heißen Phase sah ich mich veranlasst, Zeitspiel anzuzeigen. Das war etwas heikel. Ich pfiff ja allein, aber alles ging gut aus“, so Klindt, der bei den ersten Spielen noch einen Mentor an der Seite hatte, dann aber allein unterwegs war.

Im Gegensatz zu so manch anderen jungen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, die mitunter heftig beschimpft werden, hat Jonas Klindt bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht. 

Junger Mann im Danish-Handball-Trainingsanzug steht lächelnd in einer Sporthallengalerie.
Jonas Klindt in der Vorhalle der deutschen Sporthalle Tingleff, wo er einst selbst Handball gespielt hat. Das Spielen hat er mit dem Pfeifen ausgetauscht.

„Natürlich fallen im Eifer des Gefechts mal harte Worte, wenn Trainer, Betreuer oder Spieler mit Entscheidungen nicht einverstanden sind. Man braucht als Schiedsrichter schon ein dickes Fell. Nach dem Spiel, wenn die Gemüter sich beruhigt haben, ist aber meist alles wieder gut. So erlebe ich es zumindest. Es kommt sogar recht oft vor, dass Trainer mir gegenüber eingestehen, dass sie überreagiert haben“, berichtet Jonas Klindt, der mittlerweile viel im Gespann pfeift.

Richtig einschätzen und angemessen auftreten

Fehler oder zumindest zweifelhafte Entscheidungen kommen beim Pfeifen immer mal vor. Wichtig sei es, souverän und neutral zu bleiben, angemessen aufzutreten und gut zu kommunizieren. „Das versuche ich stets zu beherzigen und das scheint mir ganz gut zu gelingen, wenn ich an die Rückmeldungen denke“, ergänzt der 23-Jährige in Anlehnung an das Feedback von Vereinen und den Beurteilungen von Schiedsrichterbeobachtenden des Handballverbandes.

Die Rückmeldungen können sich sehen lassen und haben Jonas Klindt zusammen mit weiteren Kursen nicht nur in die Schiedsrichterklasse bis Dänemarkserie bei den Herren und 3. Division bei den Damen aufsteigen lassen, sondern bescherte ihm auch den besagten Titel Schiedsrichter des Jahres.

Beurteilung erwünscht

Wenn er bei Spielen beobachtet und beurteilt wird, mache es ihn nicht nervös. Er begrüße es sogar. „Ich finde es gut, wenn jemand von außen Feedback zur Leistung gibt. Es hilft, an sich zu arbeiten und besser zu werden“, so Jonas.

Wie weit er es mit dem Pfeifen bringen wird und ob er es sogar in die nationale und internationale Elite schafft, lässt Jonas in Ruhe auf sich zukommen. Er setzt sich da nicht unter Druck. 

Junger Handballschiedsrichter in schwarzer Kleidung zeigt eine Richtung vor dem Tor in der Halle.
Eine typische Pose beim Pfeifen: Jonas Klindt in Aktion

„Ich bin da ganz entspannt. Natürlich ist es ein Traum vieler Schiedsrichter, bei großen Turnieren wie Europa- oder Weltmeisterschaften eingesetzt zu werden. Ich werde weiterhin einfach mein Bestes geben und dann sehen, wie weit es geht“, gibt sich der 23-Jährige bescheiden.

An der Einsatzbereitschaft scheint es nicht zu mangeln. Jonas Klindt ist drei- bis viermal in der Woche einschließlich Wochenende unterwegs, um Spiele zu pfeifen. Mit der Anfahrt zu den jeweiligen Spielstätten in der Region geht viel Zeit drauf. Da wird dann auch mal ein EM-Spiel im Fernsehen verpasst, das Jonas eigentlich gern sehen würde. 

Auch im Urlaub an der Pfeife

Hinzu kommen große Turniere im Ausland, für die Jonas sogar Urlaub opfert. Auf dem Terminplan stehen: „Partille Cup“ in Woche 27 im norwegischen Göteborg, ein großes Jugendturnier im Freien mit 1.400 Teams aus 50 Nationen, 5.000 Spielen auf 70 Feldern sowie ein großes Weihnachtsturnier im schwedischen Lund (Hallenturnier in 49 Hallen mit 850 Teams aus 17 Nationen). Für solche großen Events gehen so manche Urlaubstage drauf.

„Das macht mir nichts aus. Das Pfeifen bringt mir Spaß und ich habe nach wie vor große Lust“, betont Klindt.

Dass das bei anderen Jungschiedsrichtern und mitunter auch bei alteingesessenen Referees nicht der Fall ist, weil die Beschimpfungen bis hin zu Handgreiflichkeiten überhandnehmen und die betroffenen Schiris zum Aufhören bringen, findet auch Jonas Klindt bedauerlich. 

„Ich habe solche extremen Situationen zum Glück nicht erlebt. Es bleibt nur zu wünschen, dass mehr Verständnis für die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter entgegengebracht wird. Alle machen es ehrenamtlich und ohne sie würde der Betrieb nicht laufen.“