Diese Woche in Kopenhagen

Kommt der Buß- und Bettag doch wieder?

Pia Olsen Dyhr sitzt in einem holzvertäfelten Raum und schaut in die Kamera.
SF-Chefin Pia Olsen Dyhr setzt mit ihrer Forderung die Sozialdemokratie unter Druck.

Die Sozialistische Volkspartei (SF) und die bürgerliche Opposition möchten den Feiertag wieder einführen. Das kann nach der Wahl durchaus geschehen, meint Walter Turnowsky. Die Abschaffung war unpopulär – und die derzeitigen Regierungsparteien werden nicht krampfhaft an ihr festhalten. 

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Diese Woche in Kopenhagen

In dieser Kolumne wirft unser Hauptstadtkorrespondent Walter Turnowsky regelmäßig seinen analytischen Blick hinter die Kulissen der großen und kleinen Politik auf und um Christiansborg.

Kolumnen sind Meinungsbeiträge, keine neutralen Berichte. Sie spiegeln die persönliche Sicht des Autors wider.

Im kommenden Jahr kannst du möglicherweise am vierten Freitag nach Ostern wieder büßen und beten. Wobei du dich im dänischen Sprachgebrauch mit dem Beten begnügen kannst.

Am Mittwoch hat die Sozialistische Volkspartei (SF) nämlich gefordert, dass der Buß- und Bettag (Store Bededag) wieder eingeführt wird. Bei der Redaktionskonferenz am Vormittag äußerte ich mich noch skeptisch, ob es tatsächlich passieren wird.

Die unpopuläre Regierung

Aber da hatte ich nicht ganz zu Ende gedacht. Das wurde mir kurze Zeit später klar, als der sozialdemokratische Finanzminister Nicolai Wammen sich zu der Frage äußerte. Er sei offen, bei möglichen Regierungsverhandlungen darüber zu sprechen.

Die SF-Chefin möchte mit ihrer Forderung die Wählerinnen und Wähler daran erinnern, warum sie die SVM-Regierung nicht mögen. Die Abschaffung des Feiertags war eine der ersten Initiativen nach der Bildung der Koalition. Unmittelbar danach sind die drei Regierungsparteien in den Umfragen abgestürzt – und haben sich seither auch nicht so richtig erholt.

Kaum Fürsprecherinnen oder Fürsprecher

Deshalb fällt es mittlerweile auch schwer, auf Christiansborg Politikerinnen oder Politiker zu finden, die die Abschaffung ganz toll finden. Die beiden anderen Regierungsparteien, die Moderaten und Venstre, kommentieren den SF-Vorschlag ähnlich vorsichtig wie Wammen. Man wolle nichts ausschließen. 

Radikale Venstre hat seinerzeit die Abschaffung unterstützt, hat mittlerweile jedoch eine Kehrtwende vollzogen. Die vier Parteien der bürgerlichen Opposition fordern ebenfalls, dass der Buß- und Bettag wieder eingeführt wird.

Wahlkampf entwickelt eigene Dynamik

Im Großen und Ganzen ist es zwar nicht sonderlich wichtig, ob es diesen Feiertag gibt oder nicht. Mir fallen zumindest so einige Themen ein, die für deinen und meinen Alltag eine größere Rolle spielen. Bildung, Kranken- und Altenpflege zum Beispiel. Und wohl auch die gefährliche sicherheitspolitische Lage ist zu nennen. 

Doch das bedeutet wenig, wenn der Wahlkampf erst einmal rollt. Wird der Feiertag zum Thema, dann wird es auch bei den Regierungsverhandlungen auf den Tisch kommen. Und das, egal welche Regierungskonstellation sich abzeichnet.

Vielleicht sind Wammen und seine Chefin Mette Frederiksen gar nicht so traurig, dass SF diese Forderung gestellt hat. So bekommt die Sozialdemokratie die Möglichkeit, den unpopulären Beschluss rückgängig zu machen. Selbst kann sie den Vorschlag nicht glaubwürdig vorbringen.

Das könnten sie dann unter wehenden roten Fahnen an dem Tag verkünden, der in diesem Jahr der Buß- und Bettag wäre. Er fällt nämlich auf den 1. Mai.