ZUSCHRIFT

Beteiligt euch – unsere Minderheit lebt vom Mitmachen!

Stephan Kleinschmidt (Archivbild)

Wie widerstandsfähig ist unsere Demokratie – und was heißt das für die deutsche Minderheit in Nordschleswig? Demokratie, so Stephan Kleinschmidt in seiner Zuschrift, beginne vor der eigenen Haustür. Er plädiert für mehr Beteiligung, stärkere Vernetzung und eine aktivere Öffentlichkeit. 

Veröffentlicht

Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

Wie steht es um unsere Demokratie – und wie können wir sie stärken? Die Süddänische Universität untersucht derzeit die Machtstrukturen, Entscheidungsprozesse und demokratischen Mechanismen Dänemarks (Magtudredning 2.0). David Hopmann, der an dieser Untersuchung mitwirkt, betonte in einem aktuellen Vortrag: Demokratie lebt von drei Säulen – aktiver Bürgerbeteiligung, demokratischer Willensbildung und tragfähigen kollektiven Entscheidungen. 

Die Ergebnisse sind differenziert: Das Misstrauen ist nicht dramatisch gestiegen, doch die Beteiligung in Zivilgesellschaft und Politik nimmt ab. Es ist ein schleichender Rückzug. Mitgliederdemokratie gerät unter Druck, und Debatten zersplittern im fragmentierten Medienumfeld. Demokratie funktioniert – aber sie braucht neue Impulse und eine Führungskultur, die moderiert.

Diese Fragen betreffen auch unsere Minderheit. Unsere Strukturen sind überschaubar, doch auch wir können Vereine und Organisationen enger verzahnen und Angebote zugänglicher machen. Schließlich lebt eine Minderheit davon, dass möglichst viele informiert sind – und sich einbringen. Ein guter Anlass sind derzeit die Generalversammlungen der vielen Vereine der deutschen Minderheit, bei denen jede Stimme und jede Idee sichtbar Wirkung entfalten kann. Damit Beteiligung gelingt, muss sie zudem leicht zugänglich sein. Hier spielt Öffentlichkeit eine zentrale Rolle: „Der Nordschleswiger“ ist als digitales Medienhaus für die gesamte Minderheit zugänglich und relevant. Mit der Neuausrichtung – schneller, zuverlässiger, multimedial – stärkt er jene informierte Teilhabe, die eine lebendige Demokratie braucht, und leistet so einen wertvollen Beitrag für unsere Minderheit.

Hopmanns Analyse ist Mahnung und Auftrag zugleich: Demokratie lebt vom Mitmachen – auch in unserer Minderheit. Sie unterstreicht, wie wichtig es ist, mehr Beteiligung zu wagen und die ganze Minderheit zu aktivieren. Engagement soll eine Einladung sein; neue Mitmach-Formate, konsequente Gleichstellung und niedrigschwellige Wege können es möglichst vielen erleichtern, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv in öffentliche Debatten einzubringen. Dafür stehe ich ein – offen und im Dialog.

Stephan Kleinschmidt, Kandidat für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger