Deutsche Minderheit

Per Podcast auf der Suche nach Identität

Clara Bodeux, Naja Petersen und Lina Duisberg (von links nach rechts) bereiten sich darauf vor, ihren Podcast aufzunehmen.

Projekttage: An der Deutschen Privatschule Apenrade haben Schülerinnen und Schüler Podcasts zum Thema Identität produziert. Dabei haben Teenager und Lehrkräfte Neues über sich und einander erfahren. 

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Zusammenfassung

  • Neuntklässler der Deutschen Privatschule Apenrade produzieren im Projektunterricht Podcasts zum Thema Identität in der Minderheit.
  • Dabei geht es um Alltagssprache, Vor- und Nachteile der Zweisprachigkeit und unterschiedliche Lebensrealitäten in der Minderheit.
  • Lehrkräfte und Jugendliche gewinnen neue Einblicke in persönliche Erfahrungen und kulturelle Unterschiede.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Es geht erstaunlich ruhig zu in der Mensa der DPA (Deutsche Privatschule Apenrade). In insgesamt vier Dreiergruppen hört man konzentriertes Murmeln. Die Schülerinnen und Schüler sitzen an Tischen, auf denen jede Menge Zettel ausgebreitet liegen. Ihr Ziel für den heutigen Unterrichtstag: Im Rahmen ihrer Projekttage einen Podcast über die Minderheit aufnehmen.

Minderheit im Alltag 

Identität ist das übergeordnete Thema, das die Schülerinnen und Schüler bearbeiten sollen. Welche Sprache ist Dir im Alltag näher? Welche Vorteile hat es, zweisprachig zu sein? Wie unterscheiden sich die Leben in der Minderheit? Auf diese und viele Fragen mehr sollen die Teenager in ihrem Podcast Antworten finden. Die Arbeitsgruppen haben die betreuenden Lehrkräfte Bodil Reinmann und Florian Birkenmeyer eingeteilt: bewusst so, dass die Schülerinnen und Schüler in neuen Konstellationen zusammenarbeiten.

„Die Schüler sollen die Kompetenz erwerben, mit verschiedenen Partnern arbeiten zu können. Und es ist wichtig, dass sie zu diesen Themen ihre Meinungen und Erlebnisse austauschen. Deshalb haben wir die Themen so offen gestaltet, dass jeder dazu etwas sagen kann“, erklärt der Klassenlehrer der 9a, Florian Birkenmeyer.

Wie bei den Profis: Vor der Podcastaufnahme steht das Konzept.

Bevor die Schülerinnen und Schüler loslegen, sollen sie ein Skript schreiben. Sich vorstellen, eine Einleitung formulieren, sich Fragen überlegen. So wie der 15 Jahre alte Tristan Dombrink, der seit knapp fünf Jahren hier lebt: Er hat in einer der Gruppen die Rolle des Moderators; Silje Bruld-Paulsen und Lasse Lauritzen, ebenfalls 15 Jahre alt, sind seine Gäste. Bevor sie später ihren Podcast zum Thema Sprache aufzeichnen, proben sie den Ablauf. 

Drei Jugendliche sitzen an einem Tisch in einem Klassenraum und arbeiten an Papierunterlagen.
Tristan (Mitte), Silje und Lasse bearbeiten das Thema Zweisprachigkeit für ihren Podcast.

„Gibt es eine Situation, in der ihr nur Deutsch sprecht?“, will Tristan von Silje und Lasse wissen. Beide sprechen die Sprache nur im Unterricht; Lasse außerdem manchmal in seinem Schülerjob im Supermarkt, wenn deutsche Kunden kommen, erzählt er. Während Tristan zugezogen ist, stammen Silje und Lasse aus der dänischen Mehrheitsbevölkerung. „Deshalb sprechen Lasse und ich im Alltag Dänisch, das ist dann anders als bei Tristan“, sagt Silje.

Zweisprachigkeit: Vor- und Nachteile?

Mit dem Format Podcast kommen sie gut klar, sagt Tristan. „Ich finde es interessant, und es macht Spaß. Mit den Stichpunkten fängt es dann schnell an, von selbst zu laufen. Ich finde es gut, dass sich unsere Schule mit moderneren Medien auseinandersetzt.“ Weil Lasse und Silje beide dänische Eltern haben, versucht Tristan, andere Perspektiven aus den beiden herauszukitzeln: „Was wäre, wenn bei euch ein Elternteil deutsch wäre?“ Lasse meint, dass es dann zwar ein Vorteil ist, mit zwei Sprachen aufzuwachsen.

„Wenn der Vater zum Beispiel aber nur Deutsch kann und die Mutter nur Dänisch, dann muss man ständig wechseln. Das kann für das Kind ein bisschen schwierig werden.“ Silje findet, dass beide Elternteile beide Sprachen beherrschen sollten. „Deutsch zu können ist schon ein Vorteil, wenn man in Deutschland studieren oder Urlaub machen will“, sagt sie.

Individuell in der Minderheit 

Clara Bodeux (rechts) und Naja Petersen beim Feinschliff vor der Aufnahme. Lehrer Florian Birkenmeyer checkt, ob er Tipps geben kann.

Eine zweite Gruppe ist gerade mit ihrem Probelauf durch. „Lasst mal ein Like da! Und den Podcast gibts überall da, wo es Podcasts gibt!“, teasern sie wie die Profis. Während des Gesprächs über Identität haben die drei Mädchen Neues über sich und andere erfahren: „Naja und ich sind beide in der Minderheit, aber wir haben sehr  unterschiedliche Leben“, stellt Clara Bodeux fest. 

Lina, die Dritte in der Runde, ist halb Deutsch, halb Dänisch und feiert beide Traditionen. „Es ist spannend zu hören, wie andere das machen, wenn sie nicht beide Kulturen haben.“ Überrascht war Lina auch, dass die Tradition der Schultüten eine deutsche ist. „Ich dachte immer, das gibt es an allen Schulen.“

Positive und negative Erlebnisse mit der Sprache

Auch Klassenlehrer Florian Birkenmeyer erfährt durch das Podcast-Projekt Neues über seine Schützlinge, obwohl er sie schon seit drei Jahren unterrichtet. „Ich sehe, welchen Stellenwert die Sprache in ihrem Leben hat und welche Erlebnisse sie damit machen.“ Schockiert war er, zu erfahren, „dass eine Schülerin von mir, die gut Deutsch kann, als Nazi beschimpft wurde.“ Andererseits seien manche wohl auch ein bisschen neidisch auf ihre guten Deutschkenntnisse, erzählt ihm die Schülerin – auch das war neu für ihn.

Am Ende des Unterrichtstags haben alle eine Aufnahme produziert, die sie vor der Klasse präsentieren. Mit der Arbeit der Jugendlichen ist Florian Birkenmeyer sehr zufrieden. „Bei einigen Gruppen war der Fokus voll auf dem Inhalt, andere haben noch einen kleinen Song am Anfang eingespielt. Für einen Tag finde ich das richtig gut.“

Das Podcast-Projekt kommt auch bei den Jugendlichen gut an. „Man hat super reflektieren können über verschiedene Meinungen – ein cooler, schöner Tag“, sagt Tristan. Clara findet „Podcast super, ich habe auch öfter schon mal sowas probiert. Vielleicht mache ich später mal was mit meiner Stimme.“

Anmerkung der Redaktion: Die Podcasts der Jugendlichen sind nicht öffentlich. Im Podcast „Mojn Nordschleswig“ am Freitag gibt es exklusive Hörproben und Einblicke in das Projekt der Jugendlichen.