Dänemark

Neuer Rat soll „kulturelle Widerstandsfähigkeit“ stärken – Minderheit nicht beteiligt

Mann im Anzug spricht bei einer Bühne mit Mikrofon und Leinwand im Hintergrund.
Kulturminister Jakob Engel-Schmidt (Moderate) möchte die kulturelle Widerstandskraft der Däninnen und Dänen stärken (Archivbild).

Kulturpolitik: Ein neuer Rat soll Empfehlungen zur kulturellen Aufrüstung erarbeiten. Der Kulturminister betont die Bedeutung demokratischer Werte. Die Initiative zielt auf ein stärkeres kulturelles Bewusstsein der Bevölkerung ab. Die deutsche Minderheit würde sich wünschen, mit ihrem Wissen beizutragen.

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Zusammenfassung

  • Dänemark richtet einen „Rat für kulturelle Widerstandsfähigkeit“ ein, um die Gesellschaft kulturell zu stärken.
  • Das Gremium aus 15 Kulturschaffenden soll ein Konzept, Analysen und Empfehlungen zur Stärkung demokratischer Werte erarbeiten.
  • Die Regierung sieht Parallelen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und will das Bewusstsein für Demokratie und Rechtsstaat schärfen.

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In einer Zeit, in der das Königreich Dänemark von Osten und Westen unter Druck steht, will die Regierung an allen Fronten aufrüsten. Auch im kulturellen Bereich.

Kulturminister Jakob Engel-Schmidt (Moderate) ruft dazu einen neuen Rat unter der Leitung des Direktors des Nationalmuseums, Rane Willerslev, ins Leben.

Der „Rat für kulturelle Widerstandsfähigkeit“ soll Empfehlungen für das Folketing ausarbeiten, damit Politikerinnen und Politiker umsetzen können, was der Minister als „kulturelle Aufrüstung“ bezeichnet.

Es ist wichtig, dass die heutigen und kommenden Generationen [...] sich auch bewusst sind, dass Dänemark ein Rechtsstaat, eine Demokratie und ein Land ist, in dem die Sprache von sechs Millionen hart arbeitenden Menschen gesprochen wird, in dem Recht und Fairness nicht relativiert werden können.

Jakob Engel-Schmidt

Verständnis für Demokratie und kulturelle Grundlagen

Ein Begriff, den Engel-Schmidt wie folgt erklärt: „Es ist eine Mischung aus der Fähigkeit des Einzelnen, auf einer starken kulturellen, demokratischen und persönlichen Plattform zu stehen, und dem kollektiven Bewusstsein der Gesellschaft für unsere demokratischen Werte, unser kulturelles Erbe und unsere kulturellen Grundlagen.“

Was sind demokratische Grundwerte?

  • Volkssouveränität und Volksherrschaft: Die Macht geht vom Volk aus.
  • Grundrechte: Dazu gehören Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit und Religionsfreiheit.
  • Gleichheit und Gleichberechtigung: Alle Bürgerinnen und Bürger sind vor dem Gesetz gleich, unabhängig von ihrer Herkunft.
  • Respekt und Toleranz: Akzeptanz unterschiedlicher Kulturen, Weltanschauungen und Minderheiten.
  • Rechtsstaatlichkeit: Unabhängige Gerichte und Einhaltung von Gesetzen.
  • Aktive Bürgerschaft: Engagement und Teilhabe der Menschen am gesellschaftlichen Leben.
  • Offenheit und Transparenz: Zugang zu Informationen und freie Debatte.

Der Rat besteht aus 15 verschiedenen Persönlichkeiten aus der Kulturwelt. Die beiden stellvertretenden Vorsitzenden sind die Schauspielerin Birgitte Hjort Sørensen und die Vorsitzende der Højskolerne, Lisbeth Trinskjær.

Weiterhin gehören dem Rat beispielsweise auch der Filmregisseur Ali Abassi, der Direktor der Carlsberg-Stiftung, Lasse Horne Kjældgaard, und der Komiker Jan Gintberg an.

Deutsche Minderheit könnte einen Beitrag leisten

Die deutsche Minderheit ist in dem neuen Rat nicht vertreten. Für den Hauptvorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, nichts Neues. „Wir werden immer wieder vergessen in vielen Bereichen. Wir müssen immer wieder darauf aufmerksam machen, dass es uns gibt“, sagt er dem „Nordschleswiger“ am Telefon. 

„Die Arbeit, die hier im Grenzland geleistet wurde, die Minderheitenpolitik auf Augenhöhe, die kulturelle Autonomie: Das ist Friedenspolitik. An die denkt man in so einem Rat vielleicht nicht direkt, aber ich finde, dass wir mit unserer Einschätzung und Kultur auch dazu beitragen und Input geben können“, so Jürgensen. 

Hinrich Jürgensen (Archivbild)

Vier Hauptaufgaben für den neuen Rat

Was der Rat künftig tun soll, wurde bereits grob umrissen. 

Es soll ein „Rahmenverständnis“ des Begriffs der kulturellen Widerstandsfähigkeit erarbeitet und eine Vulnerabilitätsanalyse durchgeführt werden, um zu ermitteln, wie es um die kulturelle Widerstandsfähigkeit heute bestellt ist.

Gleichzeitig soll das Gremium dreimal zehn Empfehlungen für Bürgerinnen und Bürger, Kultur sowie Regierung dazu abgeben, wie die kulturelle Widerstandsfähigkeit gestärkt werden kann. 

Schließlich soll der Rat für Sichtbarkeit und Debatte zu diesem Thema sorgen. 

Die Arbeit, die hier im Grenzland geleistet wurde, die Minderheitenpolitik auf Augenhöhe, die kulturelle Autonomie: Das ist Friedenspolitik. An die denkt man in so einem Rat vielleicht nicht direkt, aber ich finde, dass wir mit unserer Einschätzung und Kultur auch dazu beitragen und Input geben können.

Hinrich Jürgensen

Parallelen zum Zweiten Weltkrieg

Auf die Frage, ob die durchschnittliche Bürgerin oder der durchschnittliche Bürger diese Aufgabe verstehen kann, antwortet der Kulturminister: „Während des Zweiten Weltkriegs nannte man das inneren Widerstand. Auch wenn Dänemark besetzt war, waren sich die Däninnen und Dänen bewusst, dass wir zu einer Demokratie zurückkehren würden.“

Mitglieder des neuen Widerstandsrates

  • Rane Willerslev (Vorsitzender)
  • Birgitte Hjort Sørensen, Schauspielerin (stv. Vorsitzende)
  • Lisbeth Trinskjær, Vorsitzende der Hochschulen (stv. Vorsitzende)
  • Simone Aaberg Kærn, Künstlerin
  • Ali Abbasi, Regisseur
  • Jan Gintberg, Komiker
  • Jessie Kleemann, Künstlerin und Autorin
  • Brimheim, Sänger und Komponist 
  • Simon Axø, Hochschulvorstand Testrup Højskole
  • Dea Forchhammer, Direktorin von Ungdomsøen
  • Julie Rokkjær Birch, Museumsdirektorin Den Gamle By
  • Rikke Nielsen, Handballspielerin und Gründerin der Lykkeliga
  • Mikkel Thorup, Professor für Ideengeschichte am Institut für Kultur und Gesellschaft, Aarhus Universität
  • Lasse Horne Kjældgaard, Direktor des Carlsbergfonds und Professor für dänische Literatur am Institut für Kulturwissenschaften, Süddänische Universität (SDU)
  • Morten Axel Pedersen, Professor in Anthropologie und Social Data Science an der KU, sowie Chefforscher bei CAISA

Die damalige Zeit habe Parallelen zur heutigen, meint der Kulturminister, in der starke Nationen kleine Staaten unterdrücken.

„Es ist wichtig, dass die heutigen und kommenden Generationen nicht nur darauf vorbereitet werden, sondern sich auch bewusst sind, dass Dänemark ein Rechtsstaat, eine Demokratie und ein Land ist, in dem die Sprache von sechs Millionen hart arbeitenden Menschen gesprochen wird, in dem Recht und Fairness nicht relativiert werden können“, sagt Jakob Engel-Schmidt. 

Neuer Rat: Minderheit als Gast?

In der Minderheit ist das Thema bereits angekommen. Die Ankündigung für den neuen Rat ist zwar noch frisch, Hinrich Jürgensen fragt sich aber bereits, ob Gäste zu solchen Sitzungen eingeladen werden können. „Es sitzen vor allem aktive Leute in dem Rat – aus Kulturleben, von Hochschulen und Theatern – vielleicht kommen sie ja auch auf uns zu, oder wir schreiben mal dem Kulturminister, ob wir eingeladen werden“, sagt Jürgensen. 

Er betont, Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) habe einst gesagt, die Minderheit sei Teil Dänemarks. „Das Zusammenleben von Mehrheit und Minderheit hat Vorbildcharakter in Europa, daher halte ich es für wichtig, dass wir einbezogen werden.“ 

Mit Material von Ritzau.