Umwelt und Natur

Neue Nitratgrenzwerte für Trinkwasser geplant: Hier rutscht Nordschleswig in den roten Bereich

Traktor mit Güllefass düngt ein trockenes Feld im Frühjahr aus der Vogelperspektive
Ein Landwirt spritzt östlich von Toftlund Gülle auf seine Felder. Die darin enthaltenen Nitrate gelangen auch ins Grundwasser, weshalb künftig strengere Grenzwerte gelten sollen.

Nitratbelastung: Umweltminister Magnus Heunicke plant strengere Grenzwerte im Trinkwasser. Eine Expertengruppe empfiehlt eine Senkung von 50 auf 6 Milligramm pro Liter. Die Umsetzung könnte jährlich bis zu 70 Darmkrebsfälle verhindern. Verbände plädieren für besseren Schutz gefährdeter Trinkwassergebiete.

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Zusammenfassung

  • Umweltminister Magnus Heunicke will den Nitratgrenzwert im Trinkwasser deutlich senken, um Darmkrebsfälle zu vermeiden.
  • Ein neuer Grenzwert von 6 mg/l würde rund zehn Prozent der dänischen Wasserversorgung, auch in Nordschleswig, betreffen und teure Reinigungsmaßnahmen nötig machen.
  • Verbände und Umweltorganisationen fordern stattdessen langfristig günstigere Grundwasserparks und ein Verbot der Verunreinigung besonders gefährdeter Gebiete.

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Zu viel Nitrat im Trinkwasser kann zu einem Problem werden, denn es gilt als sicher, dass der Stoff Dickdarmkrebs begünstigen kann.  

Umweltminister Magnus Heunicke (Soz.) ist daher bereit, den Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser zu senken. Das sagte er gegenüber „DR“. Laut einer vom Ministerium eingesetzten Gruppe von Expertinnen und Experten könnten so jährlich bis zu 70 Fälle von Darmkrebs verhindert werden. Durchschnittlich erkranken jährlich 1.574 Männer und 1.643 Frauen neu an Darmkrebs. 

Die Expertengruppe empfiehlt daher, den Grenzwert von 50 auf 6 Milligramm pro Liter zu senken. 

„Wenn die von mir eingesetzte Expertengruppe diese klare Empfehlung ausspricht, müssen wir ihr folgen“, sagte Magnus Heunicke dem Sender. Er bezeichnet dies außerdem als „dringende Angelegenheit“.

Wo kommt das Nitrat her und weshalb ist es problematisch?

  • Nitrat im Trinkwasser stammt in erster Linie aus dem Einsatz von Stickstoffdüngern oder Gülle in der Landwirtschaft. Ein kleinerer Teil des Vorkommens im Wasser geht auf natürliche Einleitungen zurück.
  • Nitrat ist an sich nicht schädlich, aber im Körper kann es in Nitrit und Nitrosamine umgewandelt werden, die krebserregend sein können.
  • Einige Studien zeigen, dass selbst Nitratmengen unter dem derzeitigen Grenzwert vor und während der Schwangerschaft zu einem geringeren Geburtsgewicht bei Neugeborenen führen können.
  • Eine Studie von 2018 hält fest, dass das Risiko für Darmkrebserkrankungen bereits ab einem Nitratwert von 3,87 mg/l steigt, was noch deutlich unter dem künftigen Grenzwert liegt.

Die Expertengruppe gab ihre Empfehlungen im Dezember 2025 ab. Hier teilten die Branchenverbände Danva und Danske Vandværker mit, dass 215 Wasserwerke über einen Zeitraum von drei Jahren einen durchschnittlichen Nitratgehalt von über sechs Milligramm pro Liter aufweisen. Das entspricht 10 Prozent der allgemeinen Wasserversorgung. 

Künftiger Grenzwert wird in Nordschleswig örtlich bereits überschritten

Nach Angaben der Verbände hätte ein neuer Grenzwert von sechs Milligramm pro Liter Auswirkungen auf etwa zehn Prozent der gesamten Trinkwasserversorgung in Dänemark. 

Laut einer Datenanalyse der Umweltorganisation Greenpeace würden dann einige Regionen Werte über dem neuen Grenzwert erreichen. Auch in Nordschleswig.

Farbcodierte Karte mit verschieden markierten Bezirken und Ortsnamen.
In Nordschleswig sind besonders Gebiete auf der Insel Alsen von erhöhten Nitratwerten im Trinkwasser betroffen.

Hier sind Gebiete in den vier Kommunen besonders belastet

Tondern

In der Kommune Tondern ist im Raum Wiesby (Visby) das Trinkwasser belastet. Hier wurden 20 Milligramm je Liter gemessen. Nach den Worten von Greenpeace ist eine lange Exposition gegenüber Nitrat mit einem 15 Prozent höheren Risiko für Dick- oder Enddarmkrebs verbunden. Im Bereich Hönning (Hønning) liegt die Belastung bei 4,9 mg/l, was einer leichten Belastung entspricht. Zum Vergleich: Im Bereich des Wasserwerks Tondern (Tønder) sind es nur 0,35 ml/l.

Hadersleben

In der Kommune Hadersleben (Haderslev) stechen zwei Gebiete hervor. Nördlich und westlich von Kelstrup Strand liegt der Nitratwert im Trinkwasser bei 14,4 mg/l und ist damit belastet. Im Bereich Rovstrup liegt der Wert bei 8,17 mg/l und im Gebiet um Beftoft (Bevtoft) würde der künftige Grenzwert mit 4,47 mg/l noch knapp unterschritten. 

Apenrade

In der Kommune Apenrade (Aabenraa) sind laut Greenpeace-Erhebungen keine Gebiete von einer übermäßigen Belastung mit Nitraten betroffen. Im Bereich der Stadt Apenrade liegt der angegebene Wert bei 0,86 mg/l, im Raum Pattburg (Padborg) ist er sogar noch niedriger und beträgt 0,58 mg/l. In Rothenkrug (Rødekro) ist er mit 2,81 mg/l zwar deutlich höher, aber noch unter dem künftigen Grenzwert von 6 mg/l. 

Sonderburg

Die höchsten Werte finden sich auf der Karte in der Kommune Sonderburg (Sønderborg) und hier ausschließlich auf Alsen (Als). Mit 32 mg/l ist der Bereich um Nottmark (Notmark) und Almstedt (Almsted) besonders stark belastet. Trinkt man dort lange das Wasser aus dem Hahn, steigt die Gefahr für Krebs sowie ein um 5 Prozent erhöhtes Risiko für Frühgeburten und ein um 29 Prozent erhöhtes Risiko für Augenmissbildungen beim Baby.

Auch die umliegenden Gebiete Hundsleben (Hundslev) und Asserballe mit 4,9 mg/l und Osterholm (Østerholm) mit 6,1 mg/l sind leicht belastet. 

Auch der südliche Bereich der Insel ist mit Werten zwischen 4,4 mg/l auf Kekenis (Kegnæs) und 11 mg/l in den Bereichen Schauby (Skovby) Lysabbel (Lysabild) und Mommark bis Tandslet belastet. In Sonderburg liegt der Wert bei 1,7 Milligramm je Liter, in Augustenburg (Augustenborg) sind es 2,9 mg/l.

Hier geht es direkt zur Greenpeace-Karte

Richtig ist jedoch auch: Nach wie vor haben die meisten Bürgerinnen und Bürger Zugang zu Trinkwasser mit einer Nitratbelastung, die deutlich unter dem neuen empfohlenen Grenzwert liegt. 90 Prozent des Trinkwassers in Dänemark beinhalteten 2024 weniger als 5 Milligramm Nitrat je Liter. 

Hohe Kosten für Nitratreinigung

Als erster Ort in Dänemark will Aalborg das Trinkwasser von Nitrat reinigen. Hier liegen laut Greenpeace-Karte die Höchstwerte bei mehr als 38 mg/l. Die Kosten dafür werden auf 645 Millionen Kronen geschätzt. Die Kommune ist wegen der Bodenbeschaffenheit stärker betroffen als andere Orte.

Die Rechnung werde aller Voraussicht nach an die Verbrauchenden weitergereicht, die laut „DR“ damit rechnen müssen, zehn Jahre lang etwa 1.000 Kronen mehr pro Jahr zu zahlen. Neben Aalborg werden mehr als 200 Wasserwerke und Wasserversorgende im Land künftig das Wasser reinigen müssen – mit steigenden Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Grundwasserparks könnten Lösung sein

Um das Nitratproblem in Angriff zu nehmen, fordert Greenpeace die Investition in Grundwasserparks. Eine breite Allianz aus Wasserwerken, Naturschutzverbänden und Expertinnen und Experten hatte diese Idee bereits vorgeschlagen, und die Sozialdemokratie hatte nach der Wahl 2022 versprochen, diese Parks zur Trinkwassergewinnung einzurichten. 

Rot-weißer Bauernhof bei Gadstrup, umgeben von Feldern und sanfter Hügellandschaft.
Im Rahmen des Dreiparteienabkommens sollen landwirtschaftlich genutzte Flächen unter anderem in Wälder umgestaltet werden.

In diesen Parks hat Trinkwasser dann oberste Priorität. Die Bereiche sollen weder überdüngt noch durch den Einsatz von Pestiziden belastet werden. Verunreinigte Böden müssen gereinigt werden. Weiterhin ist eine Umstellung auf ökologischen Landbau oder die Umwandlung bestehender Acker- in Naturflächen in den empfindlichsten Gebieten beabsichtigt. 

Der Staat soll demnach landwirtschaftliche Flächen aufkaufen und den Landbesitzenden eine Entschädigung zahlen. Es handelt sich um etwa 200.000 Hektar – das entspricht 8 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche.

Eine entsprechende Beschlussvorlage der Einheitsliste zur Einrichtung von Grundwasserparks wurde Anfang Juni 2025 mit 82 zu 19 Stimmen im Folketing abgelehnt. Sozialdemokratie, Venstre und Moderate stimmten geschlossen dagegen. 

Das bedeutet nicht, dass in dem Bereich nichts unternommen wird. Ende 2026 will die Umweltbehörde (Miljøstyrelsen) eine Karte mit den besonders gefährdeten Trinkwassergebieten ausgearbeitet haben. 

Auch im Rahmen des grünen Dreiparteienabkommens wurde eine politische Vereinbarung getroffen, wonach die Landwirtschaft den Stickstoffverbrauch bis 2027 um 9.600 Tonnen reduzieren muss, um unter anderem zur Verbesserung der Wasserqualität in den Förden beizutragen.

Branche fordert Politik zum Handeln auf

Doch den Branchenverbänden geht dies zu langsam. Der neue Grenzwert für den Nitratgehalt im Trinkwasser erfordere einen deutlich höheren Einsatz zur Zukunftssicherung des Grund- und Trinkwassers, so Carl Emil Larsen, Direktor des Branchenverbands Danva. 

„Das gilt insbesondere für die Umgestaltung der landwirtschaftlichen Flächen, die derzeit auf Grundlage des grünen Dreiparteienabkommens durchgeführt wird. Hier muss der Blickwinkel erweitert werden, damit nicht nur die Förden und die Wasserumwelt an der Oberfläche berücksichtigt werden, sondern auch die Auswirkungen auf das Grundwasser, das wir als Trinkwasser nutzen.“

Danva arbeitet bereits an Grundwasserparks. Gemeinsam mit Danske Vandværker empfahl Danva schon im Dezember 2025, Mittel freizugeben, um lokale Lösungen zu untersuchen. 

Mit der blaugrünen Dänemark-Karte (Det Blågrønne Danmarkskort) haben die Verbände bereits ermittelt, wo Grundwasserparks angelegt werden und mehrere Funktionen erfüllen können.

Grundwasserschutz mittelfristig günstiger

Die Analyse des Umweltministeriums zeigt ebenfalls auf, dass ein Verbot der Verunreinigung von Grundwasser auch gesellschaftsökonomisch sinnvoll ist. 

Demnach würde die Reinigung des Trinkwassers zwischen 6 und 18 Milliarden Kronen jährlich kosten, während der Schutz der besonders verwundbaren Grundwassergebiete über 30 Jahre für rund 360 Millionen Kronen jährlich realisierbar wäre.

Danva erwartet daher, dass das Folketing bis 2027 auf Grundlage der Analyse des Umweltministeriums ein nationales Verbot der Verunreinigung des Grundwassers bei vollem Schutz des Grundwassers in gefährdeten Gebieten beschließt. 

Mit Material von „Ritzau“.