Wort zum Sonntag

Sonntag Estomihi

Ein schlichtes Holzkreuz ragt vor einem strahlend blauen Himmel mit lockeren Wolkenformationen in die Höhe.
Symbolfoto

Manchmal führt der richtige Weg nicht am Widerstand vorbei. Pastor Carsten Pfeiffer denkt in seinem Wort zum Sonntag darüber nach, was es heißt, Gott mehr zu vertrauen als der Angst.

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Wort zum Sonntag

Mit dem Wort zum Sonntag richten sich im Wechsel die Pastorinnen und Pastoren der Nordschleswigschen Gemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, der deutschsprachigen Gemeindeteile der dänischen Volkskirche und der deutschsprachigen Gemeinde in Kopenhagen an die Leserinnen und Leser des „Nordschleswigers“. Es stellt keine Stellungnahme der Redaktion dar.

Wochenspruch: „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“ 

Lukas 18,31

„Nachfolge“ hat Dietrich Bonhoeffer eines seiner frühen Bücher überschrieben. Im Zentrum dieses bis heute vielgelesenen Textes steht die Nachfolge Jesu. Nachfolge ist auch das Thema der mit dem heutigen Sonntag beginnenden Woche. Einer anderen Person nachzufolgen, scheint einem selbstbestimmten Leben entgegenzustehen und nicht nur das. Geschichte und Gegenwart zeigen, was geschehen kann, wenn Menschen einem selbst gewählten Vorbild gedankenlos nachfolgen. Trifft das auch auf die Nachfolge Jesu zu? Dietrich Bonhoeffer verneint das, wenn er in seinem Vorwort schreibt: „Wenn die Heilige Schrift von der Nachfolge Jesu spricht, so verkündigt sie damit die Befreiung des Menschen von allen Menschsatzungen.“

Was unterscheidet Jesus von möglichen anderen Vorbildern? Seine Biografie zeigt einen tiefgläubigen Juden, dem die Kenntnis der Heiligen Schrift über alles geht und der doch mit dem Inhalt der Schrift selbstbestimmt umgeht. Bereits bei seinem ersten Besuch in Jerusalem ist ihm der Gehorsam gegenüber Gott wichtiger als der Gehorsam gegenüber seinen Eltern. Sein Verweilen im Tempel begründet er mit den Worten: „Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?“ 

Durch die Schrift lernt er die Propheten kennen. Ihre kompromisslosen Wege werden ihm zum Vorbild. Ihre Biografien zeigen ihm aber auch, dass konsequentes Eintreten für Recht und Gerechtigkeit das Leben kosten kann. Trotzdem geht er seinen Weg in ihren Spuren. Aus den Prophetenbüchern erfährt er, dass auch sein Leben auf ein vom Vater gesetztes Ziel zugeht. Die Kenntnis der Schrift schenkt ihm die Gelassenheit, frei von Menschenfurcht einen Weg zu gehen, den die religiöse Obrigkeit seiner Zeit vielfach mit Missfallen betrachtet.

Das Wissen, ganz in Gottes Hand zu ruhen, leitet ihn auch auf seinem letzten Weg nach Jerusalem. Die ihn begleitenden Jünger und Jüngerinnen begreifen seine Vorhersagen nicht. Sie werden erst nach seiner Auferstehung verstehen, dass er nach Jerusalem gehen musste, damit sich alles erfüllen konnte, was die Propheten vorhergesagt haben. Jesus hätte dem Weg nach Jerusalem ausweichen können. Er hätte die Spur der Propheten verlassen und den Weg des geringsten Widerstands gehen können. Er hätte dem Leiden aus dem Weg gehen und seinen Auftrag verraten können. Indem er aber standhielt, hat er gezeigt, dass Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters das Leben und nicht den Tod zum Ziel hat.

Jesus nachfolgen heißt, frei von Menschensatzungen im Gehorsam gegenüber Gott den eigenen Weg zu gehen.

Ein erholsames Wochenende wünscht Ihnen

Carsten Pfeiffer