Jugendprojekt

„Unge på Toppen“: Das hat Jessica und Philip wieder in die Spur gebracht

Jeder von ihnen ist auf eine andere Art in das Jugendprojekt "Unge på Toppen" invoviert (von links nach rechts): Projektleiter Thomas Sonne, Jessica Hansen, Philip Olsen und Teamleiter bei Frøslev Træ, Marco Weber

Wenn junge Menschen keinen Job und keine Ausbildung haben, belastet das nicht nur die Betroffenen. Wie ein Radsport-Projekt jungen Menschen Orientierung gibt und außerdem das Sozialsystem entlastet.

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Zusammenfassung

  • Ein Radsport-Projekt „Unge på Toppen“ hilft jungen Menschen ohne Ausbildung oder Job, eine Struktur und Perspektive zu finden.
  • Jessica Hansen und Philip Olsen kamen über das Jobcenter in das Programm und kamen anschließend bei „Frøslev Træ“ in Arbeit und Ausbildung.
  • Projektleiter und Betrieb betonen die hohe Erfolgsquote, die Entlastung des Sozialsystems und die positive Entwicklung der jungen Teilnehmenden. 

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Jessica Hansen sitzt vor einer Lagerhalle auf einem Gabelstabler und hantiert mit einem Stapel Holz. Es ist Minus zwei Grad, sie hat eiskalte Hände. Routiniert und konzentriert bedient sie ihr Arbeitsgerät. Jessica Hansen ist im zweiten Lehrjahr, macht eine Ausbildung in Lagerhaltung und Logistik. Es klingt so selbstverständlich. Doch das ist nur auf den ersten Blick. Jessica Hansen ist 24 Jahre alt; wurde mit 21 Jahren schwanger. 

„Ich bin aus dem Mutterschutz direkt in die Sozialleistung gerutscht“, sagt die junge Frau aus Gravenstein (Gråsten) mit den langen, braunen Haaren und blauen Augen. Ihr Blick ist offen. Und genau so erzählt sie auch. Keine Ausbildung, kein Job, keine Idee, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. 

Das war ihre Ausgangsposition. Bis das Jobcenter ihr vorschlägt, bei „Unge på Toppen“ mitzumachen: Ein Radsport-Projekt, das zum Ziel hat, junge Menschen wie Jessica Hansen auf die richtige Spur im Leben zu setzen, sie idealerweise in Ausbildung und Job zu bringen. 

Jessica Hansen kommt gerne zur Arbeit und genießt den Zusammenhalt in der Firma, wie sie erzählt.

Über „Unge på Toppen“:

      • Im Jahr 2017 gegründet, ursprünglich als privates Unternehmen, jetzt als Stiftung geführt
      • Ziel: Junge Mensch unterstützen, die ohne Hilfe im Jobcenter festsitzen
      • Schnittstelle zwischen Jobcenter, jungen Menschen und Unternehmen 
      • Etwa 100 Firmen machen mit
      • Auf den Radtouren sind die Teilnehmenden insgesamt 26 Wochen unterwegs.
      • Unterbringung und Verpflegung werden aus dem Projekt gezahlt.
      • Zielgruppe: zwischen 18-55 Jahre, typischerweise zwischen 25-30 Jahre
      • Seit Projektstart nach eigenen Angaben mehr als 250 junge Menschen in Job oder Ausbildung vermittelt
      • mehr unter www.ungepaatoppen.dk 

Jessica Hansen nimmt den Vorschlag an. „Ich fand das megacool“. Ihre kleine Tochter ist in der Tagespflege, während für die junge Frau das Projekt mit dem Radtraining startet: Jeden Tag von 9 bis 15 Uhr. „Das war hart“, sagt Jessica Hansen und lacht. „Ich habe seit meiner Kindheit nicht mehr auf dem Rad gesessen.“ 

Doch schnell sieht sie die Erfolge. Dass sie immer noch ein Stück weiter fahren kann. Sie wächst an der Herausforderung, gewinnt mehr Selbstbewusstein und Klarheit. „Ich wusste dann auch endlich, was ich wollte“, erzählt sie. Und sie sei stolz auf das, was sie erreicht habe.

Normalerweise sind die Radtouren Auslandstouren. Im Sommer etwa sind die Teilnehmenden 26 Wochen bis nach Frankreich und zurück unterwegs. Jessica Hansen aber ist nach jedem Training abends zuhause. 

Projekt entlastet langfristig Sozialsysteme

Ihr Arbeitgeber in Pattburg (Padborg) ist der Holzgroßhandel „Frøslev Træ“ – einer von etwa 100 Betrieben, in denen junge Menschen im Rahmen von „Unge på Toppen“ eine Chance auf Ausbildung und Job bekommen. Das Projekt kostet pro Teilnehmendem 75.000 Kronen im Jahr, sagt Projektleiter Thomas Sonne.

„Doch wenn die Jugendlichen nichts machen, Sozialleistungen erhalten, kostet es bis zu 200.000 Kronen im Jahr.“ Das Jobcenter zwinge aber niemanden, bei dem Radsportprojekt mitzumachen. „Es ist ein Vorschlag. Den können sie dann annehmen oder nicht.“ 

Landesweit seien 45.000 junge Menschen ohne Job und ohne Ausbildung. Wie viele davon Sozialleistungen erhaltne, könne man nicht genau sagen, so Thomas Sonne. „Etliche wohnen auch Zuhause und werden von den Eltern finanziert.“ Die Scham sei oft groß, zum Jobcenter gehen zu müssen.

Einer, für den das das Radsportprojekt ebenfalls der richtige Schritt war, ist Philip Olsen. Er ist Ende 20, macht eine Ausbildung im Sozialen Dienst, bis er völlig feststeckt: körperlich und seelisch. 

Philip Olsen arbeitet inzwischen im fünften Jahr bei "Frøslev Træ".

„Ich habe viel gelernt, viel zu viel am Computer gesessen, bin auch gar nicht mehr rausgegangen. Ich bin eher ein vorsichtiger Mensch“, erzählt der heute 33-Jährige Apenrader mit ruhiger Stimme. Er bekommt Schulter- und Nackenschmerzen. Die auch in die Beine ausstrahlen, wie er sagt. „Mein ganzer Körper war wirklich in einem ganz schlechten Zustand.“ 

Teamleiter: „Das wird ein langer Weg!“

Anderthalb Jahre lang ist er krankgeschrieben. Weil das dann nicht länger geht, wird ihm ebenfalls das Jugendprojekt ans Herz gelegt: „Er war richtig gut im Radfahren, auch ein guter Läufer“, sagt Thomas Sonne. Weil Philip Olsens Zeit in dem Projekt in die Corona-Pandemie fällt, nimmt auch er nicht an der Auslandstour teil. 

Auch Philip Olsen landet schließlich bei „Frøslev Træ“. Allerdings, so erzählt sein Teamleiter Marco Weber: „Als Thomas damals mit Philip hier ankam, dachte ich, oha, das wird ein langer Weg!“ Marco Weber ist Teamleiter in der Auftrags-Kommissionierung, kümmert sich um die jungen Menschen aus dem „Unge på Toppen“-Projekt.

Die jungen Leute wollen ja, aber sie brauchen Hilfe.

Thomas Sonne

Eine Ausbildung hat Philip Olsen bislang nicht begonnen. Doch er hat seit nunmehr über fünf Jahren einen festen Job in der Auftrags-Kommissionierung, und, wie sein Teamleiter Marco Weber stolz sagt, „eine Wahnsinns-Entwicklung gemacht“: Teils sei Philip sogar seine rechte Hand gewesen. Vergangenes Jahr wurde er von der Firma als Talent des Jahres ausgezeichnet. „Er hat sich einfach richtig gut und schnell entwickelt“, sagt sein Teamleiter Marco Weber stolz. 

Für die Zukunft gut aufgestellt

Beide, Philp Olsen und Jessica Hansen, kommen gerne zur Arbeit, schätzen den Zusammenhalt unter den Kolleginnen und Kollegen. Und, wie Philip sagt, die abwechslungsreiche Arbeit, dass man „immer etwas Neues lernen kann.“ Momentan hat er zwar wieder Probleme mit den Beinen. „Aber er ist stabil, 100 Prozent verlässlich auf der Arbeit“, sagt Marco Weber. Und auch Jessica Hansen macht sich gut, trotz ihrer Legasthenie. 

„Dadurch geht alles etwas langsamer, aber wir arbeiten dran“, so der Teamleiter. Schnelligkeit stehe nicht an erster Stelle: Wichtiger sei, dass die jungen Menschen integiert seien bei den Kolleginnen und Kollegen, die Arbeit ordentlich verrichtet werde. 

Hohe Erfolgsquote

Projektleiter Thomas Sonne ist hochzufrieden, wie sich Jessica Hansen und Philip Olsen entwickelt haben. „Unsere Erfolgsquote liegt bei über 50 Prozent. Das ist hoch für so ein Projekt“, sagt er. Die Menschen seien unterschiedlich: Manche brauchten ein paar Wochen, andere ein Jahr, bis sie in der Spur seien.

Allein bei „Frøslev Træ“ haben seit Projektstart im Jahr 2017 rund 30 junge Menschen den Weg in Ausbildung und/oder Arbeit gefunden. Das Projekt „Unge på Toppen“ ist inzischen eine Stiftung. So sei es einfacher, von Firmen oder auch anderen Stiftungen Geld zu erhalten, erklärt Thomas Sonne. 

Nicht mit Geld zu bezahlen ist das, was Jessica Hansen und Philip Olsen erreicht haben: Sie sind selbstbewusster geworden, haben einen strukturierten Alltag und vor allem: Sie sind stolz auf sich. Und das können sie völlig zu Recht sein, findet ihr Teamleiter.